Wie können Eltern feststellen, welche Begabungen ihr Kind hat?
Indem sie ihr Kind sehr genau und vor allem liebevoll beobachten,
und zwar bei allem, was es aufnimmt, was es äußert
und was es macht. Eltern sollen möglichst ohne Absicht beobachten,
ganz offen, ohne Bewertungen.
Das ist nicht ganz einfach.
Stimmt, dieses absichtslose Zuschauen ist schwierig, vor allem
dann, wenn man bereits eine bestimmte Vorstellung davon im
Kopf hat, was ein Kind für Begabungen haben könnte oder
müsste. Trotzdem ist es wichtig, zugewandt und ermutigend
zuzuschauen, was das Kind interessiert, womit es sich beschäftigt,
wie es versucht, etwas auszudrücken oder zu gestalten.
Das kann bei jeder Gelegenheit sein: allein, mit anderen zusammen,
zu Hause oder außerhalb der Familie. Möglichst im
normalen, täglichen Umfeld und bloß nicht in extra arrangierten
Situationen.
Warum nicht? Begabungstests funktionieren doch nur so.
Begabungstests messen aber immer nur das, was ein Kind in
einer nach bestimmten Gesichtspunkten vorgegebenen Situation
leistet, nicht das, was es wirklich kann, geschweige denn
das, wofür es sich wirklich interessiert. Wirkliche Schatzsucher
graben ihren Schatz ja auch nicht dort aus, wo sie ihn
vorher selbst verbuddelt haben!
Was können Eltern tun, wenn sie eine besondere Begabung bei ihrem Kind feststellen?
Kinder mit einem besonderen Talent verlangen von ganz allein
viel "Futter" in diesem Bereich. Diese Anregungen sollten Eltern
ihrem Kind dann auch anbieten. Falls es sich irgendwann
"überfüttert" abwenden sollte, war es zu viel des Guten. Dann
gilt: das Angebot erst einmal wieder weit zurückfahren.
Und was, wenn Eltern keine besondere Begabung entdecken können?
Abwarten. Es gibt kein Kind, das nicht irgendwann ein solches
besonderes Interesse entwickelt! Allerdings: Je älter die Kinder
werden, umso größer wird die Gefahr, dass sie sich nicht mehr
aus sich selbst heraus für bestimmte Dinge interessieren, sondern
weil sie Anerkennung von anderen, etwa von den Eltern
oder von Gleichaltrigen, suchen.
Die dabei entwickelten besonderen Leistungen sind fremdbestimmt.
In solchen Fällen muss zunächst das Kind gestärkt
werden, um mehr Selbstsicherheit aufbauen zu können, damit
es seinen eigenen Impulsen wieder folgen kann.
Eltern wollen nichts versäumen, aber ihr Kind auch nicht überfordern. Wie können sie die Balance halten?
Vielleicht sollten wir alle, die Eltern, die Erzieher und die Lehrer,
uns auf die alte Gärtnerweisheit zurückbesinnen: "Die
Pflanzen wachsen nicht schneller oder besser, wenn man an
ihnen zieht." Ganz im Gegenteil: So beschädigt man sie nur!
Auf Kinder übertragen heißt das: ihnen Aufgaben anzubieten,
an denen sie wachsen, für die sie sich begeistern können,
ihre Leistungen und Anstrengungen wertzuschätzen, sie zu
ermutigen, und - wenn etwas allein noch nicht gelingt -
ihnen einen Weg zu zeigen, wie es gehen könnte.
Wissenschaftliche Tests - was bringen sie?
Ob ein Kind durch außergewöhnliche Leistungen auffällt oder Schulprobleme hat - schnell kommt der Vorschlag: "Dann lassen Sie Ihr Kind doch testen!" Und tatsächlich sind wissenschaftliche Begabungstests inzwischen so ausgereift, dass sie deutliche Hinweise darauf bringen, welche Potenziale in einem Kind stecken. Wie das funktioniert und worauf man achten sollte, erfahren Sie hier.






