Streit
Wann Kinder kritisieren dürfen

Schön, wenn Kinder selbstbewusst werden und ihre Meinung sagen. Klar, dass sie dabei irgendwann auch ihre Eltern kritisieren. Nur: Was geht? Und was geht zu weit?

Streit: Wann Kinder kritisieren dürfen

Luisa, 6, trommelt mit beiden Fäusten aufs Wohnzimmerparkett, wirft zwischendurch ihre Lieblingspuppe gegen die Wand, weil sie nicht fernsehen darf, und brüllt schließlich tränenerstickt ihre Eltern an: "Ihr seid nicht mehr meine Mama und Papa!" Sekunden später knallt die Tür, und das Kind stampft wütend in sein Zimmer. Roland und Maike, ihre Eltern, lächeln zu uns rüber: "Ist sie nicht süß?" Was die beiden vor lauter Verzückung über ihr blondgelocktes Rumpelstilzchen noch nicht ahnen: Dies ist Luisas erster Versuch von Fundamentalkritik an ihren Eltern, zahllose weitere werden folgen. Verteilt auf die kommenden gut zehn Jahre und in unterschiedlichen Phasen.

Phase 1: Grundschulalter Phase 2: Pubertät

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Phase 1: Grundschulalter
Phase 2: Pubertät

Phase 1: Regel-Polizisten im Grundschulalter

Wehe, der Vater leckt beim Frühstück gedankenverloren die Marmelade vom Messer ab! Bei uns kam dann stets ein Warnhinweis, so zuverlässig wie die Zeitansage: "Das darf man aber nicht, da kann man sich ganz doll fies in die Zunge schneiden!" Oder noch schlimmer: Wir gähnten samstagsmorgens die Müdigkeit der vergangenen Woche herzhaft raus und ließen die Kinder dabei in einen weit aufgerissenen Schlund schauen. "Haaaand vorn Muuund, Papaaaa!“ Wir wurden das Gefühl nicht los, da entern kleine Ritter unsere Erziehungs-Festung und wollen uns offenbar mit den eigenen Waffen schlagen. Naheliegende Frage: Müssen wir uns das gefallen lassen?