Streit

Wann Kinder kritisieren dürfen

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Luisa, 6, trommelt mit beiden Fäusten aufs Wohnzimmerparkett, wirft zwischendurch ihre Lieblingspuppe gegen die Wand, weil sie nicht fernsehen darf, und brüllt schließlich tränenerstickt ihre Eltern an: "Ihr seid nicht mehr meine Mama und Papa!" Sekunden später knallt die Tür, und das Kind stampft wütend in sein Zimmer. Roland und Maike, ihre Eltern, lächeln zu uns rüber: "Ist sie nicht süß?" Was die beiden vor lauter Verzückung über ihr blondgelocktes Rumpelstilzchen noch nicht ahnen: Dies ist Luisas erster Versuch von Fundamentalkritik an ihren Eltern, zahllose weitere werden folgen. Verteilt auf die kommenden gut zehn Jahre und in unterschiedlichen Phasen.

Phase 1: Grundschulalter
Phase 2: Pubertät

Phase 1: Regel-Polizisten im Grundschulalter

Wehe, der Vater leckt beim Frühstück gedankenverloren die Marmelade vom Messer ab! Bei uns kam dann stets ein Warnhinweis, so zuverlässig wie die Zeitansage: "Das darf man aber nicht, da kann man sich ganz doll fies in die Zunge schneiden!" Oder noch schlimmer: Wir gähnten samstagsmorgens die Müdigkeit der vergangenen Woche herzhaft raus und ließen die Kinder dabei in einen weit aufgerissenen Schlund schauen. "Haaaand vorn Muuund, Papaaaa!“ Wir wurden das Gefühl nicht los, da entern kleine Ritter unsere Erziehungs-Festung und wollen uns offenbar mit den eigenen Waffen schlagen. Naheliegende Frage: Müssen wir uns das gefallen lassen?

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  • von mela am 5. März 2011, 09:19 Uhr

    wirklich guter artikel, aber bei der geschichte mit dem helm habe ich auch bauklötze gestaunt. selbstverständlich müssen auch erwachsene einen helm tragen, das hat etwas mit sicherheit zu tun und nicht mit gutem aussehen...


  • von w. preß am 4. November 2008, 21:57 Uhr

    der anschaulichen geschichte ist eigentlich nix hinzuzufügen.
    als alter radler darf ich aber darauf hinweisen, lieber herr brünjes, daß Sie sich mit dem beispiel, wo nicht gleiches recht gelten soll, leider völlig vergriffen haben.
    Ihre kinder haben absolut recht: wenn Sie den kleinen helm verordnen, sollten sie ihn auch selber tragen! mensch! das kann doch nicht ihr ernst sein! fahren Sie auch ohne gurt auto?
    ein helm verringert das verletzungsrisiko auch bei erwachsenen so deutlich, daß man da eigentlich nicht mehr drüber diskutieren muß. vor allem bei langsameren geschwindigkeiten, wie etwa in der stadt.
    um Ihrer kinder willen (um sich Ihnen gesund zu erhalten), sollten Sie beim radeln einen helm tragen.
    und Ihre kinder müssen das genau umgekehrt lernen: "wenn die mama und der papa helm tragen, mach ich das auch!"
    so. das mußte gesagt werden.
    aber ansonsten - schöne geschichte.
    nix für ungut &
    beste grüße
    w. preß, radler
    (seit 40 jahren, davon 10 mit helm - seit ich kinder habe;-)


    (2 Kommentare)

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