Erziehung
No Go-Sätze für Jungs

Es gibt Sätze, die lassen bei Jungs die Stimmung schnell kippen: "Lies doch mal ein Buch" und "Computerspiele kommen nicht ins Haus" sind solche Sätze. Hier lesen Sie, auf welche Aussagen Jungs meistens allergisch reagieren und was hinter dem scheinbar unverständlichen Verhalten wirklich steckt.

Lade doch Lisa zum Geburtstag ein ...

Erziehung: No Go-Sätze für Jungs
Mit Mädchen spielen - das ist für manche Jungs bereits ab drei Jahren nicht mehr wirklich attraktiv. Denn ab dem dritten Lebensjahr sind Jungen am liebsten mit Jungen zusammen. Kleinkinder entdecken, dass es verschiedene Geschlechter gibt, ab da suchen sie ihre Zugehörigkeit.
Im Kindergartenalter wissen sie: Ich bin ein Junge, ich bin ein Mädchen – mischen impossible. Außer: Keiner guckt. Dann ist die kreative Lisa durchaus eine beliebte Spielkameradin für Benjamin, sie schätzt an ihm sein motorisches Geschick. Stehen Geschlechtsgenossen zur Auswahl, ziehen beide es aber vor, von denen gemocht und akzeptiert zu werden. Wann sich das gibt, ist Typsache: Mancher Nachwuchs-Womanizer schreibt mit acht Liebesbriefe, andere Jungs meinen noch mit zwölf: Mädchen sind blöd – jedenfalls offiziell.

Du hast noch Schuhe vom letzten Jahr ...

Vielen Jungen ist Mode nicht wichtig. Mit zwei Ausnahmen: Hosen dürfen niemals hochgezogen werden! Und: Schuhe sind Kult. Unbedarfte Eltern sehen keinen Unterschied zwischen den ausgelatschten Sneakern dieser Saison und denen der letzten, für Zehnjährige aber steht fest: Die von 2011 gehen gar nicht. Auch dann nicht, wenn das 2012er-Modell gerade klatschnass auf der Heizung tropft.
Weiteres Schuhgesetz: Nur im Notfall binden, beim Sport etwa. Warum das so ist, können auch ausgewiesene Jungsexperten nicht erklären, klar ist aber, sagt der Pädagoge Reinhard Winter: "Dazugehören, nicht aus dem Rahmen fallen ist für Jungen bis tief in die Pubertät ganz wichtig. Was die Freunde machen, ist noch für 15- und 16-Jährige Gesetz, erst danach darf es allmählich individueller werden." Also: Entweder alle binden oder keiner!

Lass dich knutschen, Kind ...

Gerne Mama, aber doch nicht am Schultor! Viele Jungen haben Probleme, ihre Anhänglichkeit an die Eltern in der Öffentlichkeit zu zeigen. Gerade vor Gleichaltrigen wollen sie Unabhängigkeit und eine gewisse Härte demonstrieren, die für sie zum Männerbild gehört.
Sollten Eltern (Mütter!) nicht gegen dieses männliche Schubladendenken angehen? Doch. Ein zugewandter, liebevoller Vater, der seine Gefühle nicht versteckt, ist dabei das beste Vorbild. Das Bussi auf dem Schulhof macht einen Jungen aber womöglich zum Gespött seiner Mitschüler und ist deshalb unbedingt genehmigungspflichtig.

Heute gibt es mal Knäckebrot mit Salat ...

"Hilfe!", denkt der Junge, der in seiner heftigsten Wachstumsphase zwischen 13 und 15 Jahren ungefähr 2700 Kalorien täglich benötigt, wenn er viel Sport macht, noch mal 1000 bis 1500 mehr.
Jungs haben eigentlich immer Hunger. Damit der nicht zu Chips-und-Schoko-Orgien führt, sollten sie im häuslichen Vorrat auch Gesundes finden: genug Obst, Studentenfutter, Joghurt, Müsli. Fettige Pizzastücke und Milchschnitte kaufen sie sich von ihrem Taschengeld sowieso.

Deine Schwester schreibt doch auch nur Zweier ...

Eben. Der Ehrgeiz der Mädchen ist für Jungs das beste Argument, nichts zu tun: "Sie wollen alles sein, bloß keine weibischen Streber", sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann. "Das Image des erarbeiteten Bildungserfolges ist sehr schlecht bei Jungen", erklärt der Soziologe.
Ein Grund dafür ist die nötige Abgrenzung vom Weiblichen, besonders in der Pubertät. Eltern dürfen deshalb gelassen bleiben beim nächsten blauen Brief: Die Pubertät vergeht! Auch wenn mancher Junge erst spät durchstartet, erreichen doch die allermeisten, die zu Hause gefördert und unterstützt werden, irgendwann den angestrebten Schulabschluss.

Lies doch mal ein gutes Buch ...

Jungen lesen weniger als Mädchen, das ist eine Tatsache. Aber: Bücher, die ihre Interessen berücksichtigen und auch noch in lesefreundliche Häppchen unterteilt sind, haben durchaus eine Chance.
Vor allem, wenn sie so unwiderstehliche Titel haben wie "Die 100 gefährlichsten Dinge der Welt und wie man sie überlebt." Was man beim Angriff eines Schimpansen tun oder gegen Einsinken in Treibsand unternehmen kann, beschreibt die englische Autorin Anna Claybourne spannend, auch witzig und überaus jungsgerecht. (ArsEdition, 9,95 Euro). Auch verführerisch für Lesemuffel: "Dangerous Book for Boys. Das einzig wahre Handbuch für Väter und ihre Söhne" von Conn Iggulden, (cbj, 19,95 Euro).

Computerspiele kommen uns nicht ins Haus ...

Damit werden Eltern nicht durchkommen. "Computergames bieten Spannung, Identifikationsfiguren, Fantasiewelten. Damit passen sie sehr gut zu Jungen und ihrer Art zu spielen", sagt der Pädagoge Reinhard Winter. Aber gerade wegen dieser großen Faszination sieht er Eltern in der Pflicht: "Sie müssen ganz strikt aufpassen, dass die Computerwelt nicht die reale ersetzt."
Der Leipziger Medienpädagoge Hartmut Warkus hörte bei Befragungen von Kindern und Jugendlichen immer wieder, dass sie sich durchaus Eltern wünschen, die auf zeitliche Begrenzungen bestehen: "Ein Junge sagte mir mal: Ich würde mich ja freuen, wenn mein Vater sagen würde, ich soll aufhören. Aber der ist froh, wenn er seine Ruhe hat.`"
Reinhard Winter rät zu dieser Formel: Alter des Kindes durch 10 ergibt die Zeit, die es täglich vor Computer und Fernseher verbringen darf. Bei einem Achtjährigen sind das 0,8 Bildschirm-Stunden oder 48 Minuten, bei einem Zwölfjährigen 1,2 Stunden oder 72 Minuten. Reinhard Winter: "Eltern dürfen auch Ausnahmen genehmigen, etwa wenn ein Spiel neu ist oder eine besonders spannende TV-Sendung ansteht. Jungen kommen mit klaren Grenzen und gelegentlichen Ausnahmen besser zurecht als mit unbegrenzter Zeit oder ständigen Verhandlungen."