Talente
Wie Sie Ihr Kind richtig fördern

Klar, Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Und sie wollen ihm helfen, seine Talente und Begabungen zu entfalten. Doch wie unterstützt man den Nachwuchs, ohne Gefahr zu laufen, über das Ziel hinauszuschießen? Hier die Antwort einer Mutter - und weitere Tipps.

Talente: Wie Sie Ihr Kind richtig fördern

Kinder sollen ihre Begabungen entfalten. Aber wie gelingt das am besten? Und muss man gezielt nach Fähigkeiten suchen? Hier erzählt eine Mutter, wie Sie das Talent Ihres Sohnes (mit dem sie auch oben im Bild zu sehen ist) fördert:

Lukas (zehn Jahre), der Torwart

Was kann Ihr Sohn besonders gut?
"Fußball spielen! Er ist Torwart in der 1. EJ-ugend seines Vereins, mit der er schon verschiedene Pokale gewonnen hat. Neulich hat er das erste Mal an einem Trainingsspiel zur Talentsichtung teilgenommen. Danach sagte ein HSV-Scout, der auf der Suche nach Nachwuchsspielern ist, er solle doch weiter zu den Sichtungsspielen kommen."

Wie haben Sie diese Fähigkeit erkannt?
"Lukas wollte schon mit drei Jahren Fußball spielen. Ich dachte, das gibt sich wieder, aber seine Freude am Fußball hält bis heute an. Die Begabung haben dann alle bald gesehen, die Trainer, aber auch die Mitspieler und ihre Eltern. Mir fiel vor allem seine unbedingte Begeisterung auf: Schon mit fünf wollte er bei einer Fußballreise dabei sein - mit zwei Übernachtungen!"

Wie fördern Sie diese Fähigkeit?
"Lukas trainiert dreimal pro Woche, dazu kommen die Punktspiele am Wochenende und die Reisen. Da addiert sich einiges an Kosten und Fahrerei! Aber die Wochenenden übernimmt zum Glück fast immer mein Mann, er ist selbst fußballbegeistert."

So vermeiden Sie Stolperfallen bei der Förderung Ihres Kindes

"Die Pflanzen wachsen nicht schneller, wenn man an ihnen zieht", pflegt der Gehirnforscher und Begabungsexperte Professor Dr. Gerald Hüther zu sagen, wenn es um die Förderung kindlicher Begabungen geht. Stimmt, Pflanzen brauchen nur das richtige Maß an Wasser, Sonne, Dünger - und den liebevollen Blick des Gärtners.

Übertragen heißt das: Nicht die Menge ehrgeiziger Kurse ist es, die Kindern hilft, ihre Begabungen zu entfalten. Es sind all die Dinge, für die liebevolle Eltern ohnehin sorgen: Gesundheit, Geborgenheit, Ruhe und vielfältige Anregung im richtigen Maß und darüber hinaus die Gewissheit, geliebt und ernst genommen zu werden. Auf dieser sicheren Basis können Kinder ihre Begabungen optimal entfalten, sei es Musikalität oder mathematisches Verständnis, soziales Gespür, Sprachtalent oder besondere Sportlichkeit. Oder noch etwas ganz anderes.

Halt, nein: Wichtig ist auch, dass Eltern die typischen Stolpersteine im Umgang mit Begabungen ihrer Kinder vermeiden:

Nicht von sich selbst auf das Kind schließen:

Beispiel Henrike: Die Neunjährige hatte im Fernsehen eine Harfenspielerin gesehen und wollte unbedingt Harfenunterricht nehmen. Ihre Eltern, beide nicht sonderlich musikalisch, hätten den Wunsch ihrer Tochter nach Harfenunterricht als Spinnerei abtun können. Aber als sie merkten, wie ernst es Henrike war, haben sie ihr den Wunsch erfüllt. Und schnell erfahren, dass hinter dem ungewöhnlichen Wunsch eine echte Begabung steckt.

Nicht nur die Schwächen sehen:

Beispiel Lilly,11: Wegen einer Entwicklungsverzögerung lernte sie viele Dinge, etwa Laufen, Sprechen, Lesen, erst Jahre später als andere Kinder. Da ist es schwer für die Eltern, nicht nur den besonderen Förderbedarf zu sehen. Aber Lilly hat eine besondere Fähigkeit: Sie findet sich ganz ohne Stadtplan wunderbar in ihrer Stadt zurecht. Lillys Eltern haben es geschafft, sie vergessen nicht, was ihre Tochter besonders gut kann, und lassen sie diese Fähigkeit erproben, selbst wenn sie manchmal besorgt sind, ob Lilly auf der Straße allein zurechtkommt.

Nicht durch Förderung das Talent ersticken:

Beispiel Johanna: Die Zwölfjährige zeigte schon früh ein großes Talent im Malen und Gestalten. Ihre Eltern, beide Künstler, hätten ihre Tochter früh selbst im Malen unterrichten können, ihr Staffelei oder Skizzenblock schenken können. Aber sie haben der Versuchung widerstanden und stattdessen einfach nur für kreativen Freiraum gesorgt: gutes Material, Ruhe zum Gestalten. Mit dem Erfolg, dass Johanna mit Freude und Beharrlichkeit einen eigenen künstlerischen Stil entwickelt. Und nebenbei auch Fußball spielt und Geige lernt.

Nicht gleich das Handtuch werfen:

Um Durchhaltevermögen zu entwickeln, brauchen Kinder ihre Eltern

Lukas, heute begeisterter Torwart, wollte als Dreijähriger nach den ersten paar Trainingsstunden das Handtuch werfen. Seine Mutter, die ihn ohnehin lieber beim Tennis gesehen hätte, hätte ihn einfach abmelden können.

Stattdessen forschte sie nach, und sie erfuhr, dass Lukas enttäuscht war, weil er gedacht hatte, Fußballtraining sehe aus wie die Fußballspiele im Fernsehen. Auf Lauftraining und all die anderen Übungen war er nicht gefasst gewesen. Aber mit ein bisschen Ermutigung hielt er weiter durch und verstand dann schnell, dass man auch Fußballspielen erst lernen muss.

Durchhaltevermögen gehört eben auch dazu, wenn man etwas erreichen will - und hier sind Kinder ganz besonders auf ihre Eltern angewiesen. Denn sich selbst stets motivieren, das klappt erst, wenn man fast erwachsen ist.

Von:Christine Brasch