Wie stark nutzen Kinder überhaupt Medien?
Zwei vom KFN durchgeführte Querschnittsuntersuchungen von 5.500 Viertklässlern und 17.000 Neuntklässlern werfen ein erschreckendes Licht auf die Folgen kindlicher Mediennutzung. Die Ergebnisse wurden jetzt unter dem Titel "Die Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums" vorgestellt. Einige Ergebnisse:
- 38 Prozent der untersuchten Jungen, aber nur 16 Prozent der Mädchen aus der vierten Klasse besitzen eine eigene Spielkonsole, einen eigenen Fernseher oder einen eigenen Computer.
- Auffällig waren die Unterschiede bei der Herkunft: Bei deutschen Kindern beläuft sich die Zahl der Kinder mit derart guter multimedialer Ausstattung auf 22 Prozent, bei Migrantenkindern auf 44 Prozent. Bei bildungsfernen Familien (beide Eltern höchstens Hauptschulabschluss) und bildungsnahen Familien (mindestens ein Elternteil Akademiker) wächst die Differenz weiter auf 43 und elf Prozent der Kinder, denen eine eigene Spielkonsole zur Verfügung steht.
- Beim Fernseher zeichnet sich regional ein unterschiedliches Bild ab: Norddeutsche Kinder besitzen zu 42 Prozent ein eigenes TV-Gerät, süddeutsche nur zu 27 Prozent. Zehnjährige aus Migrantenfamilien liegen auch hier mit 52 zu 32 Prozent vor den deutschen Kindern.
Wie wirken sich Computer und Fernsehen auf die Leistung aus?
In seinen Untersuchungen stellte das KFN erhebliche Auswirkungen auf die schulischen Leistungen fest. So konnten beispielsweise Schüler, die nach der Schule ein Kampf- beziehungsweise Kriegsspiel am Computer spielten, Matheaufgaben deutlich schlechter lösen als Gleichaltrige, die sich stattdessen körperlich betätigten, beispielsweise indem sie Tischtennis spielten. Als weitere Folgen von übermäßig langem Fernseh- oder PC-Konsum registrierten die Forscher häufig Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Unruhe, Nervosität, Trägheit, Aggressivität oder Kopfschmerzen.






Die Lust am Lernen setzt die Befriedigung anderer Bedürfnisse voraus, und dazu gehören funktionierende soziale Beziehungen. Kinder, aus sozial verkümmerten Familien haben naturgemäß kein großes Interesse am Lernen. Ihr Interesse gilt erst einmal dem Erlangen von Sicherheit und Anerkennung ( http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnispyramide ). So etwas wie Sicherheit haben sie zu Hause, in ihrem gewohnten Umfeld. Der Fernseher dient als Ersatz für das fehlende soziale Leben. Anerkennung suchen sie sich dann oft in fragwürdigen Kreisen und mit fragwürdigen Methoden (Drogen, Kriminalität).
Kinder, die in einem gesunden stabilen Umfeld leben, und schon in ihrer Familie Sicherheit und Anerkennung erfahren, können sich ganz ihrer persönlichen Entfaltung hingeben. Sie haben Ziele und Träume. Trotz Fernseher.
Der Fernsehkonsum ist nicht die Ursache für schlechte Noten. Er ist genau wie die schlechte Zensur ein Symptom für die Entbehrungen, die ein Kind erleidet.
Das Hauptproblem bei dieser Untersuchung - zumindest so, wie sie hier dargestellt ist - ist mal wieder die gute, alte Gleichsetzung von Korrealation mit Kausalität. bestehende Zusammenhänge (viel fernsehen UND schlechte Noten) bedeuten nicht automatisch: viel Fernsehen, DAHER schlechte Noten. Der Zusammenhang kann auch andersherum oder ganz anders sein. Oder beide Merkmale können auf eine dritte, gemeinsame Ursache zurückzuführen sein. Der postulierte Kausalzusammenhang muß daher eine Vermutung bleiben.
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