Mädchen-Fußball
Mit Vereinstrikot und Zopfspangen

Sie haben die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen mit besonders leuchtenden Augen verfolgt: die rund 338.000 Mädchen, die in deutschen Vereinen Fußball spielen. Warum sie sich ausgerechnet diesen Sport ausgesucht haben und was so toll am Kicken ist, erzählen die 1. F-Mädchen des ETV Hamburg.

Sie tragen Trikots der großen Hamburger Vereine HSV und FC St. Pauli, dazu Zöpfchen und Haarspangen, Schienbeinschoner und Fußballschuhe: Die Mädchen der 1. F-Jugend vom ETV Hamburg schnappen sich ganz selbstverständlich Fußbälle aus dem großen Netz und fangen schon mal mit dem Kicken an, so lange das Training noch nicht offiziell begonnen hat. Der harte Kern der 14 Mädchen kennt sich seit zwei Jahren, zweimal die Woche wird im Sommer draußen trainiert, bei jedem Wetter.
Alle sind mit Leidenschaft dabei, zum Beispiel Linda, 8. Ihr Weg zum Fußball ist nicht untypisch: "Zuerst war ich in der Gymnastikgruppe, und meine Mama fand das optimal. Aber mein Papa ist ein großer HSV-Fan, und als er immer Fußball guckte, hat mir das so gut gefallen, dass ich Lust bekommen habe, das zu versuchen." Linda spielt im Mittelfeld: "Da kann man den anderen den Ball wegnehmen und sie austricksen!" Jetzt rufen Ellen und Kora, die beiden Trainerinnen, alle Mädchen zusammen. Ein Trainingsspiel steht auf dem Programm, außerdem gibt es Zweikampf-Übungen und Torschießen.

Ob Jungen und Mädchen nach gleichen Bedingungen trainieren, wird auf Landesebene bestimmt, und so gelten in Hamburg für die weibliche F-Jugend ein paar andere Regeln als für die männliche: Die Mädchen werden spielerischer an den Sport herangeführt, mit Hütchen-Toren und kleinerem Spielfeld als bei den Jungen. Außerdem gibt es keine Punktspiele, und bei den Turnieren wird kein Meister ermittelt.

"Jungen spielen körperbetonter, Mädchen vorsichtiger"

Aber spielen Mädchen denn überhaupt anders als Jungen? Michaela Steffens, Betreuerin der F-Mädchen, hat selbst eine Tochter in der Mannschaft und einen zehnjährigen Sohn, der ebenfalls Fußball spielt. Sie sieht deutliche Unterschiede: "Jungen spielen körperbetonter und dynamischer. Mädchen sind vorsichtiger. Aber ganz gleich, wie er gespielt wird, Fußball hat so viele Vorteile für Kinder: Es ist ein Mannschaftssport, äußerst vielseitig in der Bewegung, und Fußball gibt es überall. Ein Kind könnte nach Indien fahren, einen Ball mitnehmen und sofort losspielen, denn überall auf der Welt spielen Kinder Fußball."

"Fußballmädchen haben bei den Jungen einen anderen Status"

Nicht nur Michaela Steffens, auch die anderen Mütter und Väter am Spielfeldrand sind von ihren kickenden Töchtern begeistert. Und sie berichten übereinstimmend, dass die Mädchen durch diesen Sport noch einen spürbaren sozialen Vorteil haben. Ein Vater: "Fußballmädchen haben bei Jungen einen anderen Status: Sie werden anders anerkannt und mehr einbezogen. Das macht sie selbstbewusster."
Während des Trainings haben sich dicke Regenwolken zusammengeballt. Es regnet schwere Tropfen, aber die Mädchen lassen sich nicht beirren. Erst als es donnert, müssen sie vom Platz, nass und ein bisschen maulend: "Können wir nicht doch weiterspielen?" Fußball ist eben eine Leidenschaft.

Sie suchen eine Fußballmannschaft für Ihre Tochter? Der Deutsche Fußballbund hat eine Liste von allen Vereinen mit Mädchen-Mannschaften erstellt. Sie finden sie hier.
Von:Christine Brasch