Datenschutz
Kinderbilder auf der Schul-Website?

Schulen und Kindergärten laden gerne Bilder vom letzten Schulfest oder von anderen Veranstaltungen auf ihre Websites hoch. Judith Hartig, Juristin und Referentin beim rheinland-pfälzischen Datenschutzbeauftragten, weiß, was dabei zu beachten ist.

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© Thinkstock, Tommaso Tagliaferri

Einfach so die Fotos vom letzten Sommerfest ins Netz stellen - darf eine Schule das?

Unter Umständen ja. Zwar hat jeder Mensch ein Recht am eigenen Bild. Das wurde schon vor über 100 Jahren im sogenannten "Kunsturhebergesetz" festgelegt. Danach dürfen Bilder von Personen nur mit deren Einwilligung veröffentlicht werden. Aber es gibt Ausnahmen. Eine davon: Bei einer öffentlichen Versammlung, zu der grundsätzlich jeder kommen könnte, braucht ein Fotograf keine Einwilligung.

Würde eine Tanzvorführung im Kindergarten unter diese Ausnahme fallen?

Ja. Denn juristisch entscheidend ist, dass bei den Fotos oder Videos die Veranstaltung im Vordergrund steht, nicht ein einzelner Mensch. Wenn man unsicher ist, kann man folgende Faustregel nehmen: Hätte das Bild den gleichen Charakter, wenn die betreffende Person entfernt würde? Kann man das mit Ja beantworten, steht die Veranstaltung im Vordergrund, und das Bild darf veröffentlicht werden.

Und wenn gerade mein Kind auf diesem Bild besonders unvorteilhaft aussieht?

Wir Datenschützer sagen dann: Hier hat das Persönlichkeitsrecht Vorrang, vor allem, weil man Bilder nie ganz aus dem Internet entfernen kann. Das heißt: Die Schule müsste auf Wunsch das Bild löschen. Es gibt noch ein weiteres wichtiges Argument: Wenn dieses Kind wegen der Abbildung gehänselt werden könnte, steht nicht mehr die Veranstaltung im Vordergrund, sondern das Kind in seiner lächerlichen Pose. Dann greift wieder das Persönlichkeitsrecht.

Was raten Sie Eltern dann?

Sich an die betreffende Schule oder den Kindergarten zu wenden. Nach meiner Erfahrung gibt es da keine Probleme. Sollte sich die Schule aber doch weigern, das Bild aus dem Netz zu nehmen,sind die Schulaufsichtsbehörde und die Datenschutzbehörde des Bundeslandes die richtigen Ansprechpartner. Aber ich kenne wirklich keinen Fall, in dem eine Schule nicht sofort reagiert hätte.

Viele Schulen lassen sich inzwischen Einwilligungserklärungen unterschreiben. Dürfen Eltern trotzdem verlangen, dass Bilder von der Website genommen werden?

Ja! Man kann eine Einwilligungserklärung jederzeit widerrufen, auch nachträglich. Es könnte ja zum Beispiel sein, dass ein Jugendlicher später, in der Pubertät, ein altes Kinderbild von sich peinlich findet. Dann müsste die Schule oder der Kindergarten das Bild von der Website nehmen, auch wenn die Eltern ursprünglich mit der Veröffentlichung einverstanden waren.

Damit ist das Bild noch nicht unbedingt ganz aus dem Netz getilgt …

Nein. Deswegen sind Bilder im Internet so heikel: Sie können von anderen unkontrolliert heruntergeladen werden, gespeichert, verändert, an einem anderen Ort wieder hochgeladen werden. Auch die Suchmaschinen haben Archive, in denen die Bilder überdauern. Das alles ist besonders kritisch, wenn das Bild ursprünglich mit dem richtigen Namen des Kindes verbunden war.

Darf die Schule ohne Erlaubnis ein Klassenfoto ins Netz stellen?

Es kursieren immer wieder Gerüchte, wonach das erlaubt sein soll. Aber Schulen dürfen das nicht, auch nicht, wenn die Namen fehlen. Denken Sie an die Gesichtserkennung, die Facebook einsetzt. Wenn das Gesicht eines Kindes von einer Suchmaschine erkannt werden kann, dann spielt es auch keine große Rolle mehr, ob der Name dabeisteht oder nicht.

Sie haben selbst einen Sohn im Grundschulalter. Darf die Schule sein Bild ins Netz stellen?

Nein. Ich habe in der Einverständniserklärung erlaubt, dass er auf Fotos etwa in der Lokalzeitung gedruckt zu sehen sein darf, aber nicht im Netz. Kinder haben nach der "UN-Konvention über die Rechte des Kindes" das Recht auf Privatsphäre. Und da man einmal ins Netz gestellte Daten nicht mehr wieder einfangen kann, kann ich dieses Recht meines Sohnes nur wahren, wenn ich sein Bild gar nicht erst ins Netz stelle.

Von:Christine Brasch