Hausaufgaben
Üben fast ohne Druck

Bei vielen Grundschülern geht ohne Eltern gar nichts. Doch die Kinder sollen und können ihre Hausaufgaben weitgehend alleine lösen. Mach Dir zur Gewohnheit, jede Unterstützung so anzubieten, dass sie Hilfe zur Selbsthilfe bleibt.

Selbst Erstklässler, die als Kindergartenkinder ihre Haltung "Ich kann alles allein" wie eine Flagge vor sich hergetragen haben, brauchen nach der Einschulung wieder Unterstützung. Kein Wunder, schließlich werden sie zum ersten Mal von einer Person beurteilt, die nicht zur Familie gehört.
Richtigmachen ist in diesem Alter superwichtig, und so kommt es zu einem – für die Hausaufgaben unglücklichen – Missverständnis: Die Kinder sagen daheim: "Ich kann das nicht!", meinen damit aber oft: "Mama, ich traue mir das alleine nicht zu". Die Mütter ihrerseits interpretieren: "Mein Kind schafft es nicht allein!" und beginnen mit ihrer viel kritisierten Dauerhilfe bei den Schularbeiten.
Mach Dir zur Gewohnheit, jede Unterstützung so anzubieten, dass sie Hilfe zur Selbsthilfe bleibt. Die folgenden Tipps bauen so aufeinander auf, dass der jeweils folgende Schritt mehr Unterstützung bietet als der vorherige:

  1. Erklären Deinem Kind, dass Du ihm selbstständiges Arbeiten zutraust, aber sage ihm auch: "Wenn du nicht weiterkommst, kannst du mich fragen."
  2. Biete ihm eine Ergebniskontrolle an: "Wenn du willst, schaue ich mir deine Rechnungen später an."
  3. Lobe die Zwischenergebnisse! Das motiviert auch ein besonders unsicheres Kind.
  4. Frag immer erst einmal nach, woran es liegt, wenn es hakt: "Wie hast du das gerechnet?" Oder: "Woher weißt du das?"
  5. Frische nicht mehr gegenwärtige Lösungswege auf, wenn Dein Kind nicht weiter weiß.
  6. Gib konkrete Hinweise, wenn sich Dein Kind verrannt hat: "Du hast zwar 15 ausgerechnet aber etwas anderes aufgeschrieben". Oder zerlege Aufgaben in Teilaufgaben.
  7. Zieh Dich zurück, wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Kind jetzt eigenständig weitermachen kann.
  8. Schließt kleinere Wissenslücken immer in Absprache mit der Lehrerin. Wenn Du Deinem Kind die Aufgabe so erklärst, wie sie auch in der Schule bearbeitet wird, vermeidest Du Verwirrung.
  9. Beschränkt intensives Üben auf Ausnahmen wie nach einer längeren Krankheit und auf schwierige Unterrichtseinheiten wie schriftliche Substraktion. Wenn Du mit Deinem Kind mehrere Lernschritte gemeinsam vollziehst, achte darauf, dass Du dich so weit wie möglich zurückhälst und Dein Kind so viel denken, rechnen, und formulieren lässt, wie es kann.
Von:Heide Niemann