Nahezu überall wird an deutschen Schulen in Klasse 1 mit
der Anlauttabelle gearbeitet. Sie tun das nicht. Warum?
Es gibt in allen ersten Klassen Kinder, die mit jeder Methode
Lesen lernen. Sie sind so fit, dass sie didaktische Fehler einfach
ausgleichen. Das schaffen die schwächeren Lerner in der Klasse
aber nicht. Diese Kinder klammern sich regelrecht an Hilfestellungen
wie die Anlauttabelle. Und weil sie diesen Lernweg
dadurch so verinnerlicht haben, müssen sie später beim Lesen
des Buchstabens A immer den automatisch aufploppenden Gedanken
"A wie Apfel" unterdrücken. Das ist für sie ein echtes
Problem, wenn es darum geht, flüssig zu lesen.
Warum wird das in der Schule nicht bemerkt?
Weil Pädagogen selbst gute Leser sind. Aus diesem Grund fällt
es ihnen einerseits schwer, nachzuvollziehen, an welchen Stellen
Kinder scheitern können. Andererseits widerstrebt es ihnen,
den Kindern schlichtes Lernmaterial anzubieten. Sie
fürchten, dass sich die Kinder damit langweilen, weil sie selbst
es langweilig finden.
Ihr eigenes Material ist so schlicht, dass es nicht einmal
Bilder gibt. Weshalb?
Wir haben eine Methode entwickelt, die Kinder sicher zum
mühelosen Lesen hinführt. Mühelosigkeit hat aber immer damit
zu tun, dass ich über die Sache nicht nachdenken muss.
Das heißt beim Lesen unter anderem auch, dass ich automatisch
die richtige Blickrichtung einnehme. Bebilderte Texte
zwingen die Augen aber dazu, quer über das Blatt zu wandern - nach oben, nach links, nach unten, nach rechts. Die Folge: Leseanfänger gewöhnen sich nicht an, von links nach rechts
zu gucken. Sie müssen sich immer wieder neu daran erinnern, dass genau das zu tun ist, wenn sie einen Text lesen wollen.
Heißt das, dass all die schön illustrierten Kinderbücher
verbannt werden müssen?
Natürlich nicht. Sobald das Kind gut lesen kann, wird es sich
beim Lesen nicht mehr von den Bildern irritieren lassen. Und
auch nicht versuchen, den Sinn des Textes daraus zu entnehmen.
Aber wie weiß ich, ob mein Kind schon so weit ist?
Jeder automatisierte Vorgang lässt sich ganz einfach erkennen:
Er passiert mit großer Leichtigkeit. Was sich ohne Anstrengung
erledigen lässt, wird aus dem Langzeitspeicher bedient.
Angenommen, mein Kind kommt in der Schule beim Lesenlernen
nicht richtig mit, und ich möchte zu Hause anders
mit ihm arbeiten - verwirre ich es dadurch nicht komplett?
Nein. Wir stellen immer wieder fest, dass Schüler gut umsteigen
können und verschiedene Methoden sauber voneinander
trennen.
Sollte ich mit der Lehrerin darüber sprechen?
Ja, wenn das Kind sehr große Probleme hat. Für Kinder mit
Therapiebedarf haben Lehrerinnen in der Regel viel Verständnis.
Was auch bedeutet, dass sie sehr aufgeschlossen sind,
etwas Neues auszuprobieren. Bei Schülern mit mittleren
Schwierigkeiten würde ich es von meinem Verhältnis zur
Lehrerin abhängig machen. Für den Lernerfolg ist es jedenfalls
nicht notwendig.
Manche Kinder möchten schon im Kindergartenalter
Lesen lernen. Was raten Sie: bremsen oder fördern?
Ständig heißt es, dass Kinder, die schon lesen können, sich in
der Schule langweilen. Aber das stimmt gar nicht. Sie erleben,
dass sie besonders viel können und im Unterricht immer die
Nasen vorne haben. Was gibt es Schöneres, als mit so viel
Rückenwind in die Schule zu starten? Deshalb: unbedingt die
Lernfreude unterstützen!
Das IntraActPlus-Konzept
Die Diplom-Psychologen Dr. Fritz Jansen und Uta Streit haben das
IntraActPlus-Konzept in über 20 Jahren gemeinsamer Arbeit entwickelt. Dahinter stehen Ergebnisse der psychologischen Grundlagenforschung. Sie belegen, dass Lernen am besten funktioniert, wenn es drei Anforderungen erfüllt:
Mehr Details und Hintergründe zu IntraActPlus finden Sie in dem Buch "Positiv lernen", Springer Verlag, 27,95 Euro.
Ideal zum Lesen- und Schreibenlernen ist die Materialiensammlung "Lesen und Rechtschreiben lernen: nach dem IntraActPlus-Konzept", Springer Verlag 24,95 Euro.






das interact plus haben wir bereits erfolgreich zu Hause durchgearbeitet-leider liest mein Sohn ( 9 Jahre heute geworden-kommt in die 3. Klasse) immer noch recht langsam ( wie oben bei Ihnen beschrieben aus dem Kurzzeitgedächtnis und man merkt die Anstrengung).Welches Material können sie uns zum Thema schneller Lesen/ Automatisierung empfehlen? Vielen Dank für ihre Antwort. B.P.
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