Jahrelang haben wir die Meldung zu lesen bekommen, dass der gepackte Schulranzen nicht schwerer als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts sein darf, um irreparable Haltungsschäden zu vermeiden. Wie kommen Sie dazu, diese Warnung für absurd zu erklären?
Es gibt zum Thema Schulranzengewicht sogar die DIN-Norm 58124, doch selbst die Experten beim Institut für Normung in Berlin wissen nicht, woher dieser Wert von zehn Prozent des Körpergewichts kommt. Bei unseren Nachforschungen ergab sich, dass diese Empfehlung offenbar aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammt. Sie bezog sich darauf, wie schwer der
Tornister eines Rekruten sein durfte, damit auch lange Märsche ab 20 Kilometer ohne Ermüdungserscheinungen zu überstehen sind. Diesen Wert auf Schulranzen und Schulwege anzuwenden, ist vollkommen absurd. Es gibt nach unseren Untersuchungen zudem keinen einzigen Beleg dafür, dass der Rücken eines Kindes geschädigt wird, wenn es einen schwereren Schulranzen trägt.
Man sieht doch aber manchmal Kinder, die ganz offensichtlich einen zu schweren Schulranzen zu schleppen haben. Das kann doch zumindest für die Schultern nicht gesund sein!
Was Sie da anführen, sind Kinder, deren Schulranzen-Gurte schlecht eingestellt sind. Entscheidend ist, dass der Ranzen richtig getragen wird. Wenn die Gurte zu lang sind, dann hängt der Ranzen zu tief und zieht das Kind ins Hohlkreuz. Außerdem belastet so eine Tragevariante die Schulterblätter. Ungünstig ist es selbstverständlich auch, wenn Kinder ihren Ranzen nur über einer Schulter tragen. Diese Rotation im Oberkörper belastet auf Dauer die Wirbelsäule. Was wir in unseren Untersuchungen oft gesehen haben: Die Ranzen werden falsch gepackt, das heißt, die schweren Sachen lagen an der Außenwand und nicht - wie es
richtig wäre - körpernah. Wird der Ranzen nicht richtig getragen, muss das Kind ständig Energie aufwenden, um den Körper im Gleichgewicht zu halten.
Schwere Ranzen sind also grundsätzlich kein Problem, sofern sie richtig getragen werden.
In unserer Studie hatte jeder Ranzen im Durchschnitt ein Gewicht, das bei 17,2 Prozent des Körpergewichts der Kinder lag, also deutlich schwerer als die empfohlenen zehn Prozent. Wir haben die Kinder eine Art anstrengenden Schulweg gehen lassen. Die Muskulatur war dennoch nicht merklich ermüdet. Eine nennenswerte Aktivität von Bauch- und unterer Rückenmuskulatur wurde überhaupt erst messbar, wenn das Ranzengewicht ein Drittel des Körpergewichts ausmachte. Erst bei dieser Last änderte die Wirbelsäule ihre Position und die Ruhehaltung wurde instabil. Jetzt spannten sich auch die Muskeln deutlich an, um den
Körper zu stabilisieren. Dadurch wurde die Wirbelsäule entlastet. Unser Fazit: Ein schwererer Ranzen führte selbst bei den muskelschwächeren und molligeren Kinder nicht zu deutlichen Ermüdungserscheinungen der Rumpfmuskulatur. Ein schwerer Ranzen kann sogar die Rumpfmuskulatur trainieren - zumindest bei Kindern, die sonst kaum Bewegung haben. Da
fast 50 Prozent aller Kinder so schwache Bauch- und Rückenmuskeln haben, dass sie sich nicht dauerhaft gerade halten können, muss jedes Training zur Kräftigung willkommen sein.
Das eigentliche Problem ist also der Bewegungsmangel?
Ja - und falsche Schulmöbel! Bei Kindern wachsen die Wirbelkörper noch und reagieren sehr empfindlich auf einseitige Belastung wie stundenlanges Sitzen. Sitzt ein Kind immer wieder lange Zeit nach vorn gebeugt, werden vorwiegend die vorderen Abschnitte der Wirbelkörper
belastet. Dadurch wird ihr Wachstum an dieser Stelle frühzeitig gestoppt, hinten wachsen die Wirbel jedoch weiter. Dadurch entwickelt sich ein Rundrücken. Diese Haltungsschwäche wird schließlich zu einem Haltungsschaden, der nicht mehr zu beheben ist. Vor allem in den
weiterführenden Schulen sehen wir, dass Kinder mit 150 Zentimeter Körpergröße in derselben Bestuhlung sitzen wie Kinder mit 175 Zentimeter. Wir haben viel zu viel über Schulranzengewichte diskutiert und viel zu wenig über Themen wie "Bewegter Unterricht" und "Gesunde Schulmöbel". Da sitzen die Kinder acht Stunden in der Schule und wir machen uns Gedanken um 15 Minuten Schulweg mit einem schweren Ranzen! Aber es gibt durchaus
fortschrittliche Schulen und engagierte Lehrer, die zeigen, dass man etwas verändern kann.
Falsches Sitzen soll auch das Lernvermögen beeinträchtigen.
Auch dazu haben wir eine Untersuchung gemacht. Wir haben die Durchblutung der Oberkörper gemessen und zwar bei einer Gruppe von Schülern, die auf bewegten Sitzmöbeln sitzen, und bei einer Gruppe, der nur klassisches Sitzmobiliar zur Verfügung steht. Da gab es drastische Unterschiede! Nach einer Stunde auf einem herkömmlichen Stuhl bestand eine deutliche Minderdurchblutung des Oberkörpers - und damit vermutlich auch des Gehirns. Konzentrationsprobleme sollten also nicht überraschen. Wir schauen zu viel auf die reine Orthopädie, also auf Muskeln, Knochen und Gelenke. Aber wir sollten den ganzen Körper anschauen. Die allermeisten der heutigen Schüler werden ihren Beruf im Sitzen ausüben. Die Schule ist der Ort, in dem junge Menschen lernen könnten, mit dieser sitzenden Tätigkeiten so umzugehen, dass sie gesund bleiben. Stehpulte, kurze Gymnastik während des Unterrichts oder Bewegungsangebote für die Pausen wären wichtig. Da wird einfach noch viel zu wenig getan.






Für meinen Kongressvortrag bat ich die Leiterin eines Kindergartens, die Beinlängen der Kinder zu prüfen. Über 80 Prozent der Kinder hatten eine Beinlängendifferenz von bis zu 2,5 cm. Das wären beim Erwachsenen dann 5 bis 7,5 cm. Man muss sich einmal einen 5-cm-Klotz unter einen Fuß schnallen und damit spazierengehen, dann weiß man, was das praktisch bedeuten kann.
Die Beinlängenkorrektur nach Dorn ist kinderleicht und ein Spiel: Bein anwinkeln, einhaken, geradestrecken. Worauf es dabei ankommt, ist in 1 Minute gezeigt. Und es macht Freude, wenn man dann zu Hause dem Papa oder der Oma oder der Tante a) ihre Beinlängendifferenz zeigen und sie b) wegzaubern kann. Kinder würden das begeistert tun, wenn man es ihnen nur zeigt!
Solange wir aber mit unterschiedlich langen Beinen rumlaufen, schmeißen wir die Wirbelsäule bei jedem Schritt immer auf die niedrigere Seite; das bekommt keiner Säule auf Dauer.
Die anderen Lernangebote der Dorn-Methode für Kinder (auch im Lehreralter) sind von gleicher Qualität. Lehrer haben sich ja in der Kranheitsstatistik ganz an die Spitze hochgearbeitet. Da würde es verwundern, wenn sie schon längst eine Chance wie die Dorn-Methode geprüft und genutzt hätten. Als Ich-kann-Schule-Lehrer finde ich es etwas schade, wenn man sich das Lernen so schwer macht. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
Natürlich ist seit Jahrzehnten schon bekannt, dass schlechte Sitzhaltung auf Dauer zu irreparablen Wirbelsäulenschäden führt. Wer aber behauptet, dass es vollkommen normal oder gar gesund sei, dass ein 11 jähriges Mädchen mit 25 kg, täglich einen durchschnittlich 9 kg schweren Ranzen 3 km auf dem Rücken schleppt, dem muss ich leider jegliche Kompetenz abstreiten. Selbst mit Hüftgurten halte ich das für zu schwer, denn die Beine und Knie sind sicherlich auch nicht für dieses zusätzliche Gewicht ausgebildet.
Selbstverständlich bräuchten Schulen besseres Mobiliar, darauf haben aber wir Eltern keinen Einfluss. Auf das was, wie und wie weit unsere Kinder tragen schon eher. Also treten wir auch in diesem Bereich für das Wohl unserer Kinder ein, Herr Ludwig. Wenn Sie nun mit Ihrer Studie bitte dafür sorgen, dass sich das Schulmobiliar ändert - noch besser für die Kleinen.
Wozu braucht man im Fach Deutsch 3 Bücher, in Mathe 2 in Englisch ebenfalls 2. Begründet wird das Schleppen bei uns so, daß die Kinder oft die Materialien für die Hausaufgaben in der Schule vergessen. Es tut mir selbst weh, zu sehen, wie die Kleinen sich täglich abmühen, besonders wenn dann noch die Sporttasche dazukommt. Wer so eine hirnrissige Erklärung abgibt, daß das 3,5-Kilo-Maß Unsinn ist, lebt auf einem anderen Planet. Mein Sohn schleppt auch täglich minimum 7 Kilo mit sich herum und es macht mich jeden Tag aufs Neue wütend. Toll, nun liegt es also an den Schulbänken und an Eltern, die zu "dumm" sind, Schulranzenriemen richtig ein zustellen. Immer gut, wenn man das Problem irgendwo anders verteilt. So viele Bücher für jeweils 1 Fach, schöne Einnahmen für die Verlage. Daran wird keiner von den Zuständigen rütteln, und die Kinder quälen sich weiter, es liegt ja an den Schulbänken und an untrainierte Muskeln............Schämen Sie sich!!!
Toller Artikel (Ironie). Meine Kinder toben viel und machen Sport, sind trotzdem zierlich. Meine Große muss 1/3! ihres Körpergewichtes in ihrem Ranzen rumschleppen. Wie jemand vor schon schrieb: Welcher Erwachsene schleppt denn bitte täglich über 20-30 kg mit sich rum? Selbst mir sind 10 kg auf längere Strecke zuviel, aber von einem 10-jährigen Kind, dazu noch zartes Mädchen, darf das verlangt werden. Meine Schultasche war nie so schwer.
Hallo Steffi, ich kann Dir nur maximal beipflichten! Wer kann mir was zu diesen neuen Schulrucksäcken der Marke ergobag (www.ergobag.de) erzählen? Habe jetzt gerade wieder auf einem Taschenblog davon gelesen (http://taschenwahn.wordpress.com/) und zwei Eltern im Kindergarten haben sogar das alte Modell schon für nächstes Jahr gekauft, da sie das Konzept so gut finden und nicht wussten, dass es neue Modelle geben wird. Jetzt sind diese veröffentlicht und sehen auch wieder super aus... Hmmm.... Scheint aktuell keine wirkliche Alternative zu geben. Was denkt Ihr? Habt Ihr Erfahrungen? Viele Grüße, auch Steffie
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