Rechtsradikalismus unter Jugendlichen
Rechte Szene: Diese Symbole sollten Eltern kennen

Ausländerfeindliche Texte sind eindeutig, Hakenkreuze auch. Aber nicht immer sind die Anzeichen für eine Verbindung zur rechten Szene auf den ersten Blick zu erkennen. Hier können sich Eltern über verdächtige Kleidungsstücke, Symbole und versteckte Codes informieren.

Die uniformierten Zeiten sind vorbei

Rechtsradikalismus unter Jugendlichen : Rechte Szene: Diese Symbole sollten Eltern kennen

Denkst Du bei Rechtsradikalen sofort an Springerstiefel, Bomberjacke und einen kahlen Schädel? Und bei Palästinensertuch und Che-Guevara-Shirt an eine linkspolitische Einstellung? Die Zeiten, in denen rechtsradikale Demos vor allem durch den Uniformlook der Skinheads dominiert wurden, sind vorbei. Mittlerweile lösen sich starre Kleidercodes auf und immer mehr Einflüsse aus anderen Jugendkulturen werden übernommen, oder - wie beim Palästinensertuch - bewusst eingesetzt.

Rechte im Hip-Hop-Stil

Bei rechten Demonstrationen sind plötzlich auch Jugendliche in Hip-Hop-Kleidung zu sehen, in Kapuzenpullis, mit Base-Caps und Skaterschuhen. Piercings und Spitzbärte - ein Tabu für Rechte? Auch das ist heute nicht mehr so. Selbst für Fachleute ist es nicht einfach zu erkennen, wer jetzt dazu gehört und wer nicht. Wie sollen das dann Eltern leisten? Indem sie sich über die wichtigsten Merkmale schlau machen. Denn: Ein T-Shirt einer bestimmten Marke spricht zwar nicht unbedingt für eine rechte Gesinnung. Aber eine urplötzliche Vorliebe des eigenen Sohnes für diese Marke sollte Eltern dennoch alarmieren.

Auf diese Hinweise solltest Du achten:

Rechte Musik

Musik schafft Identität und ein Zugehörigkeitsgefühl. Leider auch in der rechten Szene. Und sie bildet oft den ersten Kontakt der Jugendlichen mit dem Rechtsextremismus. Was macht rechte Musik aus? Die Texte verherrlichen "deutsche Taten" und "deutsches Blut", sind rassistisch und rufen zu Gewalt auf. Einen eindeutigen Musikstil gibt es nicht. In den vergangenen Jahren beobachteten Experten des Verfassungsschutzes, dass rechtsextreme Bands auch in die Hardcore-, Heavy-Metal- oder andere eigentlich unpolitische Szenen eindringen, um dort jugendliche Anhänger zu finden. Eltern, die sich intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen wollen oder konkrete Bandnamen wissen wollen, finden auf der Seite www.netz-gegen-nazis.de/bands weitere Informationen.

Mode

In der rechtsextremen Szene sind bestimmte Modemarken sehr beliebt. Einige von ihnen werden explizit für diesen Markt produziert, andere - etwa Fred Perry, Ben Sherman oder Alpha Industries - sind von der Szene vereinnahmt worden.
Die Beliebtheit einiger Marken resultiert aus der Tatsache, dass man ihre Namen uminterpretieren kann. Aus einzelnen Buchstaben ihrer meist auf der Vorderseite von Shirts oder Sweatern aufgedruckten Namen lassen sich nationalsozialistische Begriffe bilden. Trägt man diese Oberteile unter einer offenen Jacke, sind dann nur die vier oder fünf "wesentlichen" Buchstaben zu sehen. Der englische Sportartikelhersteller LONSDALE (Verkürzung auf "NSDA" möglich) wehrte sich gegen den Missbrauch seiner Produkte durch die rechte Szene und ist dort mittlerweile auch nicht mehr besonders beliebt. Abgelöst wurden deren Shirts durch die Angebote der deutschen Marke CONSDAPLE (Verkürzung auf "NSDAP"), deren Nähe zur rechten Szene wohl kein Geheimnis ist. Ihre Kleidung bekommt man denn auch nur in einschlägigen Läden und Onlineshops.
Andere Modemarken setzen mehr auf Zeichen als auf Buchstaben. So etwa die Marke Thor Steinar, deren Kleidung germanische Runen und völkische Symbole zieren. Außerdem deutet sie mehr oder weniger offensichtlich eine Glorifizierung der Wehrmacht an. Ihre Popularität in der rechten Szene ist groß. Das Tragen dieser Marke ist übrigens in den Stadien diverser Fußballclubs und im Deutschen Bundestag verboten. Mehr Infos zu Thor Steinar findest Du hier: www.netz-gegen-nazis.de/thor-steinar
Weitere in der rechtsradikalen Szene, teilweise aber auch bei Hooligans beliebte Marken sind zum Beispiel Dobermann, Troublemaker oder Streetwear. Weiterführende Informationen bei der Bundeszentrale für Politische Bildung: "Woran erkenne ich Rechtsextreme?"

Aufnäher

Zu den Erkennungszeichen der rechten Szene gehören neben den genannten Modemarken auch Aufnäher, die zum Beispiel an Jacken angebracht werden und die Gesinnung mit Sätzen wie "Deutschland den Deutschen", "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein" oder durch Symbole wie die verbotenen "Gaudreiecke" zum Ausdruck bringen.

Nationalsozialistische und germanische Symbole

Zu den wichtigsten nationalsozialistischen Symbolen, die auch heute noch in der rechtsextremen Szene benutzt werden, gehören das verbotene Hakenkreuz und die ebenfalls verbotene einzelne und doppelte "Sig"-Rune (letztere war das Kennzeichen der Schutzstaffel SS). Weitere wichtige Zeichen sind das mit einem Hammer gekreuzte Schwert und die so genannte Schwarze Sonne, ein Rad aus zwölf Runen, das auch von der SS verwendet wurde. Auch das Keltenkreuz, das wir als Aufmacherfoto zeigen, ist in der rechtsextremen Szene weit verbreitet und in stilisierter Form auch strafbar. Mehr Informationen zu den Symbolen und vor allem den verbotenen Zeichen findest Du auf der Internetseite www.polizei-beratung.de.

Codes

Dass die Zahl 88 in der rechten Szene als Code für den verbotenen Gruß "Heil Hitler" dient, ist recht bekannt. H ist der achte Buchstabe des Alphabets - und dieser Logik folgen auch die vielen weiteren Codes, die in der Szene kursieren.

  • 18 = AH = Adolf Hitler
  • 28 = BH = Blood & Honour (verbotenen rechtsextreme Organisation)
  • 74 = GD = Großdeutschland
  • 19/8 = SH = Sieg Heil

Eine Ausnahme bildet die Zahl 14. Denn sie verweist auf den aus 14 Wörtern zusammengesetzten rassistischen Satz: "We must secure the existence of our race and a future for white children" ("Wir müssen die Existenz unserer Rasse und die Zukunft unserer weißen Kinder sichern").
Daneben werden in der rechten Szene auch gerne Abkürzungen und Akronyme benutzt. So steht "WAW" beispielsweise für "Weißer Arischer Widerstand". Die Abkürzungen und Codes finden sich nicht nur auf Shirts und Aufnähern wieder, sondern auch in den Namen von Organisation und Jugendtreffs.

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Ausführliche Informationen zu allen Themen bietet eine Broschüre des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen mit dem Titel Musik - Mode - Markenzeichen. Rechtsextremismus bei Jugendlichen
Hier gibt es die Broschüre zum Download.

Von:Eva Becker