Schule
 
Auslandsjahr trotz G8?

Als Schüler ein Jahr ins Ausland zu gehen, ist nicht nur für den Lebenslauf gut. Aber können Eltern ihre Kinder in Zeiten von G8 eigentlich noch guten Gewissens ein Jahr ins Ausland schicken? Und wenn ja, in welchem Schuljahr?

Früher Vorteil, heute Nachteil?

Schule: Auslandsjahr trotz G8?

Noch vor ein paar Jahren hätten die wenigsten engagierten Eltern, deren Kinder gute Noten mit nach Hause bringen, gezweifelt bei dem Gedanken: Mein Kind geht ein Schuljahr ins Ausland. Zwar waren die finanziellen Kosten schon immer ein Hindernis, aber viele Eltern investierten gerne Geld für die unglaublich wertvollen Erfahrungen und Sprachkenntnisse, die ihre Kinder während dieser Zeit sammeln konnten.
Und jetzt? Ist nicht alles anders - aber sicher schwieriger. Denn in Zeiten von G8, der verkürzten Gymnasialzeit auf acht Jahre, ist Schule selbst für die ehrgeizigen und guten Schüler kein Selbstläufer mehr. Es dann zu riskieren, ein Jahr aus dem Lehrplan rausgerissen und (in vielen Fällen) schlechteren Unterricht zu bekommen - das zu entscheiden, fällt Eltern und Jugendlichen nicht leicht.

Austausch in der elften Klasse

Der Auslandsaufenthalt erfolgte vor G8 im elften Schuljahr. Nach ihrer Rückkehr konnten sich die Schüler die in der Fremde erbrachten Leistungen anrechnen lassen. Das geht nun nicht mehr. Der Grund: Nach der G8-Regelung beginnt in der elften Klasse bereits die Qualifikationsphase. Alle Noten der elften und zwölften Klasse zählen bereits zur späteren Abitur-Note.

Noch ein Jahr früher allein

Die meisten Gymnasiasten gehen deshalb nun bereits in der zehnten Klasse ins Ausland, das heißt: Noch ein Jahr früher müssen sie ihr Leben fernab von Eltern, Freunden und gewohnter Umgebung meistern. Ist ein Teenager in diesem Alter dafür schon reif genug? Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden, das müssen Sie selbst einschätzen und herausfinden - im offenen Gespräch mit Ihrem Kind.

Jedes Bundesland hat eigene Regelungen

Die Bedingungen nach der Rückkehr sind sehr unterschiedlich: So fordern manche Bundesländer eine Probezeit in der elften Klasse, andere die Zustimmung der Schulleitung oder einen Leistungstest. Andere Länder beschränken den maximalen Auslandsaufenthalt auf zwei Trimester. Der Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen hat auf seiner Internetseite eine Übersicht erstellt, die zeigt, welche Möglichkeiten es für ein Auslandsjahr in den einzelnen Bundesländern gibt. Unter folgendem Link können Sie sich informieren: www.aja-org.de

Sicher ist: Ein Auslandsjahr ist ein Gewinn. Zwar lernt man in diesem Zeitraum wahrscheinlich nicht dasselbe Pensum an Mathe und Latein wie die zurückgebliebenen Klassenkameraden, dafür aber viel über sich selbst. Und von der erlernten Fremdsprache profitieren Austauschschüler meist ein (Berufs-)Leben lang.