- Rund 2.000 deutsche Familien nehmen Jahr für Jahr einen Austauschschüler bei sich auf - aus Gastfreundschaft, ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen.
- Geknüpft werden diese internationalen Kontakte durch verschiedene nicht kommerzielle Austauschorganisationen wie AFS und YFU. Sie arbeiten in globalen Netzwerken und haben alle das gleiche Ziel: interkulturelles Lernen. Was so abstrakt klingt, wird für Gastfamilien im eigenen Wohnzimmer ganz konkret: Sie leben mit einem jungen Menschen aus einer anderen Kultur zusammen und integrieren ihn in ihre Familie.
- Dabei lernt nicht nur das Gastkind Toleranz und Flexibilität. Auch bei der Gastfamilie wächst das Verständnis für andere Kulturen: Familien gewinnen durch die Aufnahme eines Austauschschülers deutlich an sozialer und interkultureller Kompetenz, wie ein Studie der Uni Köln ergeben hat.
Was tun, wenn es Probleme gibt?
Drei Fragen an Kathrin Bretthauer, 47, regionale Betreuungsassistentin Bayern von "Youth for Understanding":
Welche Voraussetzungen muss eine Gastfamilie erfüllen?
Wir haben Paare mit Kindern jeglichen Alters genauso wie allein erziehende Eltern oder kinderlose Paare - alles ist möglich. Einzige formale Voraussetzung: Der
Schüler hat ein eigenes Bett und bekommt drei Mahlzeiten pro Tag.
Wie werden die Gastfamilien betreut?
Sie werden vorher von einem unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter besucht: Er erzählt, wie ein Austauschjahr abläuft und versucht einen Eindruck zu bekommen, welcher Typ Schüler in die Familie passen würde. Auf einem Informati-onsnachmittag für werdende Gasteltern besprechen wir dann, was emotional und formal wichtig ist. Zusätzlich gibt es ausführliches schriftliches Infomaterial. Und während des Austauschjahres betreut dann ein YFU-Mitarbeiter die Familie.
Was sind die größten Probleme zwischen Familie und Gastkind?
Konflikte gibt es, wenn es atmosphärisch nicht stimmt - wenn die Familie den Schüler als störend oder als Fremdkörper empfindet. Manchmal wird der Jugendliche mit seinen Gasteltern nicht warm. Da kann man niemandem die Schuld geben - da war einfach die Zuordnung falsch. Lassen sich die Differenzen nicht lösen, suchen wir für den Schüler eine neue Familie.





