Gestose
So schützen Sie sich

Sie ist die Krankheit, die nur werdende Mütter bekommen können: Gestose. Doch mit der richtigen Behandlung muss sie keine Gefahr mehr sein für die Schwangerschaft.

Gefürchteter Schwangerschaftshochdruck

Gestose: So schützen Sie sich

Elias (3) ist ein begeisterter Dreiradfahrer und ausdauernder Ins-Kinderbecken-Springer. Als Elias geboren wurde, war er eine Hand voll Menschlein, um das seine Eltern wochenlang bangten. Viel zu früh in der 28. Schwangerschaftswoche kam Elias zur Welt. Er wog 940 Gramm. Eine EPH-Gestose, erfuhr seine Mutter Pia Merten später, hatte die Frühgeburt ausgelöst.
EPH - diese drei Buchstaben stehen für eine der häufigsten und gefährlichsten Komplikationen, die eine Schwangerschaft belasten und gefährden können. Etwa fünf bis acht Prozent aller werdenden Mütter sind davon betroffen. Der Buchstabe E meint Edema oder Ödeme (Wassereinlagerungen im Gewebe). P bezeichnet eine Proteinurie (Eiweißausscheidungen im Urin). Und H steht für Hypertension (einen vorübergehend erhöhten Blutdruck über 140/90). Jedes Symptom für sich kann bereits Anzeichen einer Krankheit sein, die früher als Schwangerschaftsvergiftung bekannt war und heute auch Präeklampsie oder Schwangerschaftshochdruck genannt wird.
Wodurch eine Gestose ausgelöst wird, ist noch nicht endgültig nachgewiesen. Es ist kein "Schwangerschaftsgift", wie noch vor einigen Jahren angenommen wurde; und es sind auch keine Bakterien oder Viren, die die Krankheit provozieren. Fest steht: Es gibt mehr als nur einen Auslöser. Und: Es scheinen einige Schwangere stärker gefährdet zu sein als andere: Mütter, die Mehrlinge erwarten, und Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft an Erkrankungen der Nieren, an Bluthochdruck oder Diabetes litten.

Gehören Sie zur Risikogruppe?

Etwa fünf bis acht Prozent aller werdenden Mütter sind betroffen

Immer mehr ins Blickfeld rückt jetzt die Genetik. Man weiß mittlerweile, dass eine Schwangere, deren Mutter an Gestose litt, ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko hat, ebenfalls daran zu erkranken. Waren Mutter und Schwester betroffen, liegt die Möglichkeit bereits bei 35 bis 40 Prozent. EPH-Fälle in der Familie des Vaters gelten ebenfalls als Risikofaktor - allerdings lassen sich hier auch (noch) nicht so exakte Risikoberechnungen angeben. Gefördert wird eine Erkrankung außerdem durch Stress und seelische Belastungen in der Schwangerschaft.

Diskutiert wird unter Medizinern auch die Möglichkeit, dass die Plazenta selbst bei einer drohenden Mangelversorgung des Ungeborenen (zum Beispiel wegen ungenügender oder falscher Ernährung seiner Mutter) den Blutdurchfluss durch die Nabelschnur und damit den Blutdruck der werdenden Mutter erhöht - eine Art Hilfsmaßnahme für das Baby. Schließlich soll auch bei Mangel noch eine gesunde Entwicklung des Babys so lange wie möglich gewährleistet sein.

Warum eine Gestose oder Präeklampsie letztendlich entsteht, hält auch die "Arbeitsgruppe Gestose-Frauen" (weitere Infos unter www.gestose-frauen.de) für noch nicht abschließend geklärt. Die Selbsthilfegruppe betroffener Frauen hat aber in fast 20-jähriger Zusammenarbeit mit Tausenden Schwangeren herausgefunden, wie man EPH in vielen Fällen verhindern und bremsen kann: "Oft leiden die erkrankten Frauen einfach an einem akuten Nährstoffmangel", sagt Sabine Kuse, ehemalige Gestose-Patientin, Gründerin der Selbsthilfegruppe und für ihr Engagement im Kampf gegen die Krankheit seit 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Forschung gibt ihr Recht: "Eine gesunde, den Bedürfnissen der Schwangerschaft angepasste Ernährung hat entscheidende Bedeutung für Mutter und Kind. Vernünftiges Essen ist eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme für Schwangerschaftskomplikationen", sagt Professor Lothar Heilmann, ehemals Leiter der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe des Stadtkrankenhauses Rüsselsheim, das auf die Behandlung von Patientinnen mit Schwangerschaftshochdruck spezialisiert ist.

Eiweiß: Der Stoff, der Sie und Ihr Baby jetzt schützt

Als besonders wichtigen Mutter-Kind-Nährstoff nennt der Mediziner "Eiweiß, das durch Milch, Eier, Käse, Fisch oder pflanzliche Eiweiße wie Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide, Samen und Naturreis ausreichend zugeführt wird". Um diese Proteine auch verwerten zu können, sollten Schwangere außerdem Kohlenhydrate (zum Beispiel aus Kartoffeln, Vollkornbrot und Nudeln) auf ihrem Speiseplan haben. Hungert der Körper einer werdenden Mutter nach Eiweiß, werden zu viele Reserven angegriffen - eine erste Warnstufe.

Was Sie selbst tun können, um eine Gestose in Schach zu halten, erfahren Sie auf der folgenden Seite: