Der Appell von ELTERN-Autorin Nora Imlau an die Hebammen:
"Einen unglaublichen Job habt ihr euch da ausgesucht: Lernt uns kennen, wenn wir am unsichersten und verletzlichsten sind, begleitet uns durch die schönsten und schwersten Stunden unseres Lebens, wacht über unsere ersten tapsigen Schritte in unser neues Leben als Mutter, um euch dann langsam wieder daraus zurückzuziehen. Innerhalb kürzester Zeit kommt ihr uns näher als unsere engsten Freunde, lernt uns und unseren Körper kennen, wie wir ihn selbst noch nie erlebt haben. Ihr kriegt Zugang zu unserer Intimsphäre, begleitet uns unter der Geburt manchmal bis aufs Klo und auf die Kante unseres Ehebetts, um zu tasten, wie sich die Gebärmutter zurückbildet.
Dass wir euch so nah an uns herankommen lassen, ist für euren Job unabdingbar - und bringt eine riesige Verantwortung mit sich. Denn nichts, was ihr in dieser Zeit sagt oder tut, sagt oder tut ihr einfach so. Es sagt oder tut unsere Hebamme, unsere Expertin fürs Kinderkriegen.
Fakten statt Idelogien!
Und genau an diesem Punkt kann es anfangen, schwierig zu werden. Denn es ist ja so: Was Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach angeht, gibt es wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Und es gibt Überzeugungen, Philosophien, auch Ideologien. Das eine ganz vom anderen zu trennen ist oft fast unmöglich, gerade wenn man sich wie ihr um einen ganzheitlichen Blick bemüht, der Körper und Seele sieht und Kinderkriegen nicht auf einen medizinisch-mechanischen Vorgang reduziert.
Trotzdem müsst ihr es versuchen. Und zwar mehr, als es viele von euch bis jetzt tun. Beispiele gefällig? Ich nenne mal ein paar Stichworte: Vitamin K, Vitamin D, Impfungen.
Kinder- und Jugendärzte, Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ein breites Spektrum wissenschaftlicher Experten fordern einhellig: geben, unbedingt. Und wer verunsichert junge Eltern im Wochenbett und rät von all dem ab? Oft genug die Nachsorgehebamme. Damit überschreitet sie im Übrigen ihre - durchaus weit gefasste - Kompetenz. Und weil sie das weiß, verpackt sie ihre Einschätzung oft mehr als persönlichen Tipp denn als fachlichen Rat: 'Also ich hätte meinen Kindern ja nie ...' Besser macht es das nicht.
Privat könnt ihr so anthroposophisch, esoterisch oder sonstwie angehaucht sein, wie ihr mögt, in eurer Rolle als Hebamme müsst ihr euch an die Fakten halten. Und Frauen, die ihr informiert habt, dann die Entscheidung selbst überlassen. Ich weiß: Für viele von euch ist es absolut unverständlich, wie sich eine Frau für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden kann. Oder gegen das Stillen.
Und es stimmt ja: Ein Kaiserschnitt birgt mehr Risiken als eine Spontangeburt, und an die Vorteile der Muttermilch reicht keine Flasche heran. Deshalb ist es auch durchaus richtig, eine Schwangere, die in diesen Fragen unentschlossen ist, pro Stillen und pro Spontangeburt zu beraten. Aber dann liegt die Entscheidung einzig bei der Frau, und sie verdient euren Respekt und eure Unterstützung, egal wie ihre Entscheidung ausfällt.
Respektiert die Wahlfreiheit der Frauen!
Im Grunde genommen ist das nichts anderes als die konsequente Umsetzung der Wahlfreiheit Schwangerer und junger Mütter, für die ihr in den vergangenen Jahren so engagiert gekämpft habt. Und so erfolgreich: Dass wir heute wählen können zwischen Vorsorge bei euch und beim Frauenarzt oder beides kombinieren, dass wir unsere Kinder nicht nur in der Klinik, sondern auch im Geburtshaus oder zu Hause kriegen können, haben wir euch zu verdanken. Und wieder hat eine neue Studie bestätigt, was ihr schon lange sagt: Wie außerordentlich sicher von euch geleitete Hausgeburten sind - sie stehen darin Klinikgeburten in nichts nach.
Die gesetzliche Verankerung der Wahlfreiheit zwischen außerklinischen und klinischen Geburten im Jahr 2008 war euer Erfolg jenseits ideologischer Grabenkämpfe. Davon profitieren alle Schwangeren und jungen Mütter. Wenn eure Arbeit dieses Ergebnis hat, dann habt ihr sie wirklich gut gemacht."
Wie beurteilen Sie das Verhalten der Hebammen?
Spricht Ihnen Nora Imlaus offener Brief an die Hebammen aus der Seele? Oder halten Sie ihre Kritik an den Geburtsbegleiterinnen für überzogen? Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer Hebamme gemacht? Oder sind Sie vielleicht selber Hebamme und möchten unserer Autorin am liebsten sofort antworten? Ihre Meinung interessiert uns - posten Sie deshalb in einem Kommentar unter diesen Artikel, was Sie von Nora Imlaus Ansichten halten. Wir sind gespannt!







Ich muss sagen, ich finde diesen Artikel keineswegs verletzend, sondern viel eher sehr direkt! Aber gut. leider habe ich noch keine eigenen Kinder und habe somit auch noch keinerlei erfahrungen in die Richtung, doch ich muss sagen, ich bin sehr erstaunt über das Thema dieses Artikels. Ich selbst würde gern Hebamme werden und habe deshalb auch schon einige Praktikas absolviert (sowohl in Klinik und Geburtshaus als auch bei selbstständigen) Und dabei hatte ich eigentlich immer Glück. Die Hebammen im Kreissaal waren gegenüber den Frauen sehr nett und hilfsbereit, haben sich die Zeit genommen wichtiges zu erklären und auch zu empfehlen, die Entscheidung jedoch blieb bei den Eltern bzw. der Frau. Ich finde es unfähr Frauen wegen ihren Meinungen und Ansichten zu verurteilen! Hebammen sollen Vertraute und Helferinnen auf diesen schönen zuweilen auch sehr verwirrenden Weg der Schwanger- und Mutterschaft sein, und nicht durch Verunsicherung und einseitige Bewertungen Vertrauen brechen. Meinungen bezüglich gewisser Themen stimmen nunmal nicht immer überein (und es ist ja auch gut so), doch auf biegen und brechen die Meinung eines anderen ändern zu wollen ohne sie zu akzeptieren, finde ich unerhört! Da verstehe ich jede Frau, die ihre Hebamme gern auch kurz vor der Geburt, nochmal wechselt. Mein Tipp ist daher nur folgender: Liebe Frauen, lasst euch nicht von euren Ansichten, Meinungen und Überzeugungen abbringen, wenn sie für euch so gut sind wie sie sind. Es geht immerhin um EUCH und EUER Kind und da sind zwar Tipps und Tricks erwünscht, aber keine Bevormundung! Und liebe Hebammen, nehmt euch diesen Artikel hier nicht so zu Herzen, aber denkt vielleicht mal drüber nach. Auch Kritik kann helfen es in Zukunft besser zu machen. und vor allem...versetzt euch vielleicht mal in eure Frauen hinein und versucht zu ergründen, warum sie es genau so will und nicht anders, denn nur so lernt man einander kennen, vertrauen und verstehen.
Liebe Grüße.
Super Artikel!!! Ich habe 4 frei-praktizierende Hebammen während meiner Schwangerschaft und danach kennengelernt und alle haben sich bei mir durch Unwissen unbeliebt gemacht. Ich fand es sehr fragwürdig, dass diese Frauen dann mangelns fehlendem medizinischem Wissen ihre persönlichen esoterisch angehauchten Meinungen kundtaten. Verstehe z.b. auch nicht warum Frauen mit Kaiserschnitt beinahe Schuldgefühle eingeredet werden ?!
Selbstverständlich müssen sich Hebammen an wissenschaftlich fundierten Studienergebnissen orientieren - dort wo sie klar sind. Studien haben jedoch die Eigenschaft, dass sie sich oft widersprechen und in ihren Ergebnissen davon abhängen wer sie bezahlt (Lebensmittel, Pharma).
Kennt man die Hintergründe zu manchem unnötigen Eingriff, dann stellt man ihn als kritischer Mensch nunmal in Frage und sollte das mMn auch kommunizieren.
Und dass nach Kaiserschnitten wenige Hebammen zur Verfügung stehen liegt meiner Erfahrung nach eher daran, dass Hebammen Geschäftsfrauen sein müssen - gerade in der derzeitigen miserablen finanziellen Lage der Branche: Nach Kaiserschnitten gibt es einen höheren Aufwand, vergleichsweise häufige Komplikationen und dennoch weniger Geld (Pauschale). Wer da als Hebamme die Wahl hat und ständig aufs Geld schauen muss, wählt eben andere Klientinnen. Wenn die Politik einen Bereich dermaßen aushungert, dann muss die Bevölkerung den Preis dafür zahlen.
ich finde den Artikel in keinster Weise verletzend, denn ich als Kasierschnitt-Mutter habe solche Erfahrungen machen müssen.
Hebammen wollten mich nicht Betreuen, sagten, sie kümmern sich nur um Mütter, die spontan entbinden.
Wollten mir den KS ausreden, es gibt schliesslich NUR den vaginalen Weg.und nur der ist akzeptabel.Und erst wenn die Hebi meine, es müsse ein KS sein, dann sollte einer gemacht werden, Ärzte seinen da zu voreilig (das waren die Worte der Hebammen)
erst NACH dem KS fand ich dann eine Hebamme, die sich selbstlos bereiterklärte mich danach zu hause zu betreuen, sie hatte selbst einen KS, was für ein Glück für mich.
Ansonsten gibt es bestimmt nette Hebammen, für Frauen, die problemlos spontan gebären können, aber ich als KS-mama hatte es echt schwer eine für mich zu finden.
lieben Gruß.
Erst mal habe ich nichts gegen Hausgeburten, es geht mir nur sowas von tierisch auf die Nerven, dass man als werdende Mutter mittlerweile ein schlechtes Gewissen eingetrichtert bekommt, nur weil man sich "erdreistet" sein Kind nicht zuhause in den eigenen 4 Wänden bekommen zu wollen, wie wenig Selbstvertrauen und Körperbewusstsein eine Frau hat, die sich bei der Geburt Unterstützung von außen wünscht und wie traumatisch es für ein Kind ist im KH auf die Welt zu kommen. Alle Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, schreien ganz laut dass es doch ihre Entscheidung ist für welche Art der Geburt sie sich entscheiden- und genau diese persönlichkeitsrechte haben auch Frauen die NICHT zuhause entbinden wollen. Auch im Krankenhaus bekommt man sein Kind nach der Geburt auf den Bauch gesetzt und muss auch nicht die gesamte Geburt über stocksteif auf dem Rücken liegen bleiben.
Ob Ärzte, Hebamme oder wer auch immer- Beratung hat nicht in Bevormundung auszuarten.
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