Fehlgeburt
 
Der Abschied beginnt in der Klinik

Wenn eine Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt endet oder das Kind tot zur Welt kommt, ist die Trauer der Eltern unermesslich. Immerhin können sie heute vielerorts würdevoll Abschied nehmen.

Welche Gefühle löst eine Fehlgeburt bei den Eltern aus?

Fehlgeburt: Der Abschied beginnt in der Klinik

Eltern, deren Hoffnung auf ein Kind so jäh zusammenbrach, reagieren sehr unterschiedlich: Viele Frauen möchten das verstorbene Kind gar nicht sehen oder empfinden den Anblick als erschreckend. Doch egal, wie ihre Reaktion ausfällt, und egal, wie früh die Schwangerschaft abbrach - fast alle Frauen betrachteten das kleine Wesen als ihr Kind. Entsprechend tief sitzt die Trauer. Fast immer wird sie durch quälende Gedanken noch verstärkt: Wider besseren Wissens haben die verwaisten Mütter Schuldgefühle. Dazu kommt die Sorge, ob sie jemals ein Kind haben werden - vor allem bei etwas älteren Frauen. War die Schwangerschaft noch nicht weit fortgeschritten und nur wenige eingeweiht, bleibt kaum die Möglichkeit, offen zu trauern.
Und weil eine Fehlgeburt im rechtlichen Sinne keine Entbindung ist, hat die Frau auch keinen Mutterschutz. Stattdessen muss sie ihren Arbeitgeber über das Ende der Schwangerschaft informieren. Ist sie durch die Strapazen noch nicht wieder arbeitsfähig, erhält sie eine Lohnfortzahlung wie im Krankheitsfall.
Auch für die Männer ist es hart: Oftmals bekommen sie nicht einmal Sonderurlaub, sie müssen noch schneller wieder "funktionieren". Und mitfühlende Verwandte oder Freunde neigen manchmal dazu, vor allem der Frau Trost zu spenden - nach den Gefühlen des Mannes wird häufig seltener gefragt.

Wie ist die Rechtslage nach einer Tot- oder Fehlgeburt?

Rein rechtlich sieht es so aus: Totgeburten müssen auf dem Standesamt beurkundet und die Kinder bestattet werden. Ende Januar 2013 beschloss der Deutsche Bundestag zudem das Personenstandsrechtsänderungsgesetz. Das soll dieses Vorgehen endlich auch Eltern ermöglichen, deren Kinder mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm tot geboren wurden. Auch sie erhalten so die Möglichkeit, ihr Kind beim Standesamt namentlich anzumelden und die Geburt dauerhaft dokumentieren zu lassen - sprich: die Existenz dieses Kindes offiziell zu bestätigen. Die Regelung soll auch noch rückwirkend für Mütter und Väter gelten, die ein Kind verloren haben.
Die Änderung des Personenstandsrechts zugunsten der vielen Mütter und Väter eines so genannten 'Sternenkindes' ist nicht nur rechtlich und familienpolitisch notwendig, sondern vor allem eine Frage der Menschlichkeit", betonte die damalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU). " Eltern, die mit einer Fehlgeburt einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatten, mussten bisher auch noch hinnehmen, dass ihr totes Kind behandelt wird, als hätte es nie existiert."

Wie können sich Eltern nach einer Fehlgeburt von ihrem toten Kind verabschieden?

Durch das Grab wird die Existenz des Babys anerkannt

Den Umgang mit Fehlgeburten regeln die Bundesländer, zum Teil erheblich voneinander abweichend. Nur in Bayern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen müssen alle fehlgeborenen Kinder, die nicht von ihren Eltern beerdigt werden, in der Klinik gesammelt werden. In Bremen und Thüringen gilt das für Kinder, die die zwölfte Schwangerschaftswoche vollendet haben. Auf Anregung der Initiative Regenbogen "Glücklose Schwangerschaft" betten viele Kliniken das tote Baby mittlerweile in einen kleinen Weidenkorb, das so genannte Moseskörbchen. Es lässt den Eltern die Möglichkeit, sich langsam an ihr Kind heranzutasten, im wahrsten Sinne des Wortes.
In immer mehr Städten bilden sich mittlerweile Gruppen, die Sammelbestattungen von fehlgeborenen Kindern organisieren und liebevoll gestaltete Grabfelder anlegen. Ihre Babys, die sie so früh verlassen haben, nennen die verwaisten Eltern oft "Sternenkinder". Durch die Bestattung und das Grab wird die Existenz des Babys auch gesellschaftlich anerkannt - egal, wie früh es während der Schwangerschaft gestorben ist. Auch die deutsche Bischofskonferenz drängt darauf, dass alle tot- oder fehlgeborenen Kinder eine würdevolle Bestattung erhalten.
Tot geborene Kinder können allerdings nicht getauft werden, da die christlichen Kirchen Sakramente nur für Lebende vorsehen. Eine Segnung ist jedoch möglich. Der Klinikseelsorger kann das Kind mit den Eltern im Krankenzimmer segnen oder auf Wunsch in einer kleinen Zeremonie zusammen mit Großeltern und Geschwistern.
Der weitere Trauerprozess läuft bei jedem Paar verschieden ab, 08/15-Empfehlungen kann es bei einem solchen Schicksalsschlag natürlich nicht geben. Vielen hilft jedoch, ein Tagebuch über das Erlebte zu führen, oder bestimmte Trauerrituale durchzuführen.

Hier findest Du nach einer Fehl- oder Totgeburt Kontakt zu anderen Betroffenen:

Auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe kann sehr heilsam sein, weil die verwaisten Eltern dort erfahren: Wir sind nicht allein, es gibt Menschen, die unsere Trauer nachempfinden können. Erfahrungen und Gedanken austauschen, mit anderen Betroffenen sprechen und um Rat fragen, kannst Du beispielsweise in unserem Forum.
Weitere Informationen und Hilfsangebote findest Du auch hier: