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Wann soll ich meinen Arbeitgeber über die Schwangerschaft informieren?

Wenn Frauen der Chefin oder dem Chef von der Schwangerschaft und ihren Plänen zum Wiedereinstieg in den Job erzählen, sollten sie vor allem eins sein: hoch professionell. Warum, das sagt Personalexpertin Isabel Pfeffermann.

Schwanger: Wann soll ich meinen Arbeitgeber über die Schwangerschaft informieren?
Thinkstock, Markus Schieder

Schwanger - wie sag' ich's meinem Vorgesetzten?

Isabel Pfeffermann war als Personalleiterin unter anderem bei Walt Disney und Servier Deutschland tätig. Heute arbeitet sie als systemischer Coach und Beraterin in München. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne (weitere Infos zu ihren Angeboten unter www.mic-coaching.com.
Im Interview erklärt sie, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist, den Vorgesetzten von der Schwangerschaft zu informieren. Und in welche Fallen sie besser nicht tappen sollten:

Wann sagt man am besten, dass man schwanger ist?
Isabel Pfeffermann: Nach zwölf Wochen, wenn die Schwangerschaft sicher ist. Wichtig: zuerst die Chefin oder den Chef informieren und erst im weiteren Verlauf die Kollegen.

Viele Frauen haben vor diesem Gespräch Bammel. Mit Recht?
Ja. Leider reagieren längst nicht alle Vorgesetzten positiv. Eine Mitarbeiterin fällt aus, das macht ja schließlich erst mal Arbeit. Deswegen ist es so wichtig, dass Frauen bei diesem ersten Gespräch sofort zeigen: Sie können sich auf mich verlassen, ich habe alles im Griff! Drei bis vier Monate vor dem letzten Arbeitstag ist ein zweites Gespräch sinnvoll, in dem es dann um die Details von Babypause und Wiedereinstieg geht: Wann kommt man zurück - und für wie viele Stunden? In größeren Unternehmen ist es schlau, vorher mithilfe der Personalabteilung zu sondieren, welche Arbeitsmodelle die Firma anbietet. Gibt es Home-Office, Jobsharing oder Teilzeit? Dann kann man Kollegen fragen, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben - und damit bei der eigenen Chefin oder dem Chef argumentieren. Wichtig: Was immer man aushandelt - schriftlich fixieren.

Lässt sich der Wiedereinstieg wirklich vorab planen?
Natürlich kann man in der Regel vor dem ersten Kind nicht wirklich abschätzen, was auf einen zukommt. Aber es ist besser, sich die eigene Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, sondern lieber die Oma zu erwähnen, die um die Ecke wohnt, oder das Au-pair, um das man sich schon gekümmert hat. Professionalität macht einfach Eindruck.

Bis zu drei Jahre dürfen Eltern aussteigen - ist das heute noch machbar?
Das kommt auf den Job an, auf die Branche und natürlich auf die eigenen beruflichen Ziele. Je schneller man zurückkommt, desto einfacher ist der Einstieg. Nach einem halben Jahr hat man in der Regel nicht viel verpasst. Wer länger ganz bei seinem Baby bleiben möchte, sollte unbedingt Kontakt halten: E-Mails schreiben, zum Essen verabreden, an Besprechungen teilnehmen, mal einen kranken Kollegen vertreten.

Ist Teilzeit ein Karrierekiller?
In manchen Unternehmen ja. Aber die meisten Frauen stehen sich vor allem selbst im Weg. Sie geben sich zu passiv und so verängstigt, als hätten sie sich etwas zuschulden kommen lassen. Das ist völlig unangebracht. Wer weniger arbeiten will, sollte lieber Antworten parat haben: Was hat das Unternehmen davon? Was erfordert der Job, lässt er sich teilen? Wie kann ich mit meinen Kollegen am besten zusammenarbeiten, bringen vier halbe Arbeitstage mehr als zwei volle?

Haben Sie noch einen Rat?
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Privates Frauen in der Firma erzählen. Über den Buggy, den sie gerade gekauft haben, dass sie schon jetzt ein schlechtes Gewissen haben, den Kleinen bald zu einer Tagesmutter zu geben, und wie schwierig man eine gute findet. All das verkneift man sich besser. Im Job müssen Frauen als Arbeitskraft punkten, nicht als Mutter.