Wassergeburt
 
Geburt im Wasser: Ist das was für mich?

Viele Experten machen sich für die Wassergeburt stark, denn: Eintauchen in die Geburt - umgeben von Wasser fällt das vielen Frauen leichter. In den meisten Entbindungsstationen steht heute eine große Badewanne. Trotzdem kommt nur ein geringer Teil der Kinder im Wasser zur Welt. Antworten auf zehn wichtige Fragen zur Wassergeburt.

Einmal Wassergeburt - immer Wassergeburt

Wassergeburt: Geburt im Wasser: Ist das was für mich?

Eine Studie der Universitäts-Frauenklinik Mannheim belegt es: Frauen, die bereits eine Wassergeburt erlebt haben, sind von dieser Gebärmethode so angetan, dass sie auch das nächste Kind möglichst in der Wanne bekommen möchten. Die Befragung der Mannheimer Wissenschaftler lief über zehn Jahre und hat ergeben, dass mehr als 80 Prozent der jungen Mütter die Wassergeburt schön und von den Schmerzen her erträglich fanden. Im Vergleich dazu waren nur 40 Prozent der Frauen, die ihr Kind im Gebärbett bekommen hatten, mit der Entbindung zufrieden. 60 Prozent würden beim nächsten Kind eine andere Methode wählen.
Das positive Geburtserlebnis für die Frau steht auch für Dr. Albin Thöni aus Sterzing (Südtirol) im Mittelpunkt. Er leitet die geburtshilfliche Abteilung des Kreiskrankenhauses Sterzing und ist einer der Väter der Wassergeburt. In seinem Haus kommt mittlerweile jedes zweite Baby im Wasser zu Welt, damit hält Sterzing derzeit den "Wannenrekord" in Europa.
Wie so eine Wassergeburt aussieht, siehst Du in unserer Bildershow: Zum Starten klick einfach auf das erste Bild.
 

Eine Wassergeburt in Bildern

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1. Ich möchte mein Baby per Wassergeburt zur Welt bringen. Worauf muss ich bei der Wahl meiner Klinik achten?

Sieh Dir möglichst mehrere Entbindungsstationen an. Du spürst dann relativ schnell, welche Bedeutung der Entbindung im Wasser beigemessen wird:
Steht die Badewanne in einem mehr oder weniger freundlichen Kämmerchen (weil man heute den Frauen eben Wassergeburten anbieten muss), oder ist das Element Wasser fester Bestandteil der Geburtshilfe? Im letzten Fall findest Du alles, was man zu einer Wassergeburt braucht, in unmittelbarer Nähe zum Kreißzimmer.
Frag bei den Hebammen in den Kliniken nach, wie hoch der Anteil der Frauen ist, die ihr Baby im Wasser bekommen. Liegt die Quote der Wassergeburten bei mindestens 25 Prozent, hat die Klinik die Idee Wassergeburt verinnerlicht.

2. Brauche ich für eine Wassergeburt spezielle Voruntersuchungen?

Nein. Die im Mutterpass vorgesehenen Kontrollen genügen. Deine Schwangerschaft sollte normal verlaufen sein. Das heißt:

  • Die Wehen setzen nicht vor der 38. Woche ein. Babys, die vor diesem Termin kommen, brauchen unter der Geburt häufiger Hilfe, die Hebammen und Ärzte nicht so gut leisten können, wenn die werdende Mutter in der Wanne liegt.
  • Es kommt nur ein Baby auf die Welt. Bei Zwillingsgeburten muss eher mit Komplikationen gerechnet werden; in solchen Fällen ist die Wanne nicht der richtige Ort.
  • Dein Baby liegt mit dem Köpfchen nach unten in der Gebärmutter. Bei Beckenendlagen raten viele Ärzte und Hebammen von einer Geburt im Wasser ab, weil es bei einer Entbindung aus der Steißlage Probleme geben kann, die außerhalb der Wanne besser zu lösen sind.
  • Außerdem müssen die Ergebnisse des CTGs zu Beginn der Geburt unauffällig sein. Gerät das Ungeborene während der Wehen in Sauerstoffnot, ist eine Wassergeburt nicht ratsam, weil die Geburtshelfer möglicherweise schnell eingreifen müssen.

3. Wassergeburten sind nichts Ungewöhnliches. Haben sich nach fast 20 Jahren Erfahrung klare Vorteile gegenüber normalen Geburten gezeigt?

Weltweite Studien nennen übereinstimmend folgende drei Vorteile:

  • Im Wasser brauchen Frauen selten Schmerzmittel (nur zwei bis drei von 100 Frauen statt bis zu 40 von 100 Frauen bei Geburten außerhalb der Wanne).
  • Die Wassergeburt geht schneller. Die Eröffnungsphase ist bei Frauen, die das erste Kind bekommen, im Durchschnitt um eineinhalb Stunden kürzer.
  • Frauen, die ihr Kind im Wasser bekommen, haben so gut wie nie einen Dammschnitt oder Dammriss. In vielen Häusern, die große Erfahrung mit Wassergeburten haben, wird die Schere in der Wanne überhaupt nicht eingesetzt.

Die Gründe für die extrem geringe Dammschnittrate im Wasser: Weil die Geburt schneller vorangeht, ist die Frau gegen Ende nicht so erschöpft. Dazu kommt, dass die Pressphase in der Wanne anders verläuft: Die Hebamme leitet die Frau nicht zum Pressen an; sie unterstützt die werdende Mutter lediglich dabei, selbst einzuschätzen, wie stark sie bei den Wehen mitschieben will. Weil die Frau nicht angetrieben wird, dauert die Pressphase im Wasser länger. Dem Gewebe am Damm bleibt dadurch mehr Zeit, sich zu dehnen.

4. Wie bleibt das Wasser sauber und warm? Und: Laugt meine Haut sehr aus, wenn die Wassergeburt lange dauert?

Sauberkeit ist kein Problem: Während der Eröffnungsphase gelangen - wenn überhaupt - nur geringe Mengen Blut, Schleim und Fruchtwasser in die Wanne. Wird es in der Wanne allmählich kühl, kannst Du einfach frisches, warmes Wasser aus dem Hahn nachlaufen lassen. Es muss Trinkwasserqualität haben, das heißt, es darf keine krank machenden Keime enthalten. Das ist in Deutschland jedoch überall gewährleistet.
In der Pressphase kommt ins Wasser, was sonst von den Vorlagen auf dem Kreißbett aufgefangen wird. Ein hygienisches Problem entsteht nicht, denn es sind Deine eigenen, dem Körper vertrauten Keime, die in der Wanne sind.
Erst wenn die Wehen gut in Gang sind (der Muttermund etwa drei bis fünf Zentimeter offen), wird es Zeit fürs Wasser. Meist ist das Kind etwa zwei Stunden später da. Deine Haut ist dann vielleicht etwas aufgequollen, aber das legt sich nach kurzer Zeit.

5. Ich habe gehört, dass die Wehen im Wasser heftiger werden. Deshalb verlassen viele Frauen die Wanne wohl auch recht schnell wieder. Muss ich mit mehr Schmerz statt mit Erleichterung rechnen?

Sehr oft werden die Wehen im Wasser effektiver. Das heißt: Sie wirken besser auf den Muttermund und dehnen ihn auf. Ob die Kontraktionen deshalb auch schmerzhafter sind, beurteilen Frauen unterschiedlich. Möglicherweise spürst Du im warmen Wasser, dass jetzt wirklich etwas vorangeht. Du merkst, wie Dir allmählich die Kontrolle über Deinen Körper entgleitet. Das liegt daran, dass im Wasser die Steuerungsmechanismen im Gehirn nachlassen. Das bedeutet, dass der Kopf entspannt, was die Geburt oft entscheidend voranbringt. Hebammen und Ärzte, die viel Erfahrung mit Wassergeburten haben, kennen den wehenfördernden Effekt der Wanne. Sie werden Dich unterstützen und Dir über den ersten Schreck hinweghelfen, den plötzlich heftig werdende Wehen auslösen können.
Gute Wehen sind ein Zeichen dafür, dass Du zum richtigen Zeitpunkt in die Wanne gestiegen bist. Nach der nicht immer leichten Anpassungsphase im Wasser kommen fast alle Frauen im Wasser mit den Wehen besser zurecht als auf dem Bett. Wenn Du lieber aus der Wanne steigen möchtest, darfst Du das selbstverständlich. Du entscheidest, was Dir gut tut. Einen zweiten Versuch im Wasser kannst Du natürlich auch machen, wenn Dir danach ist.

6. Mein Mann wird bei der Wassergeburt dabei sein. Wo ist sein Platz? Mit in der Wanne, damit er mich halten kann, wenn ich wegrutsche?

In einigen Kranken- und Geburtshäusern dürfen die Männer mit in die Wanne. Aber bedenke: Ein großer Vorteil der Entbindung im Wasser ist, dass Du gleichsam in Deine Geburtswelt eintauchst; Du bist in einem anderen Element als Deine Helfer. Wenn Du die Wanne mit Deinem Mann teilst, gelingt die Konzentration auf Dich selbst vielleicht weniger gut. Auch außerhalb der Wanne kann Dein Mann Dich stützen und Dir beistehen. Du brauchst keine Bedenken zu haben, im Wasser wegzurutschen: Gebärwannen haben Stützen für die Füße, bequeme Griffe, und meist baumelt ein verknotetes Tuch über der Wanne, an das Di Dich während einer Wehe hängen kannst.

7. Muss ich für die Untersuchungen während der Geburt aus der Wanne steigen?

Das CTG wird während einer Wassergeburt schnurlos abgeleitet. Du kannst also in der Wanne bleiben. Eine Dauerüberwachung ist meist nicht nötig, es wird nur in bestimmten Zeitabständen geschaut, wie es dem Baby während der Wehen geht. Nur wenn das CTG auffällig ist und das Kind vielleicht schnell auf die Welt geholt werden muss (mit Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt), musst Du die Badewanne verlassen.

8. Und die Tastbefunde - funktionieren die unter Wasser? Wie kommen Hebammen und Ärzte bei einer Wassergeburt an mich heran?

Grundsätzlich untersuchen Hebammen und Ärzte Frauen bei Wassergeburten seltener. Sicher auch deshalb, weil die werdenden Mütter dann nicht bequem in Griffhöhe liegen. Um die Öffnung des Muttermundes auszutasten,muss die Hebamme bei Wassergeburten tief in die Hocke. Ist sie von dieser Art des Kinderkriegens überzeugt, nimmt sie diese für sie unbequeme Haltung gern ein. In jedem Fall sind Wassergeburten trotz weniger Untersuchungen genauso sicher wie Entbindungen auf dem Bett.

9. Schluckt das Baby während der Wassergeburt Wasser?

Neun Monate lang war Dein Kind mit (Frucht-)Wasser vertraut. Bei der Geburt ist sein so genannter Tauchreflex noch voll ausgebildet. Dieser Reflex verhindert, dass Wasser in die Lunge des Babys eindringt. Erst wenn das Gesicht des Kindes mit Luft in Berührung kommt, erlischt der Schutzreflex, das Baby öffnet Mund und Nase zum Atmen. Dein Kind schluckt also garantiert kein Wasser.
Und: Bei keiner der bislang dokumentierten Wassergeburten kam es zu einer Infektion durch Keime im Wasser. Weil Wassergeburten fast immer gut vorangehen, sind auf diese Weise geborene Babys besonders fit. Bei der ersten Untersuchung, dem Apgar-Test, haben Wasser-Babys im Durchschnitt bessere Werte.

10. Muss ich nach der Geburt gleich aus der Wanne, oder kann ich mein Baby in Ruhe begrüßen?

Wenn das Baby herausgeglitten ist, darfst Du es selbst zu Dir heranziehen, es auf Deinen aufgerichteten Oberkörper legen. Hebammen und Ärzte leiten Dich nur an, sie nehmen Dir Dein Baby aber meist nicht aus der Hand. Das Abnabeln hat Zeit.
Du und Dein Mann können Euer Kind in Ruhe begrüßen.Viele Neugeborene sind entspannt und gleichzeitig hellwach, wenn ein Teil ihres Körpers noch vom vertrauten Element umgeben ist. Auf keinen Fall wird man Dich nach der Geburt zur Eile antreiben. In manchen Häusern bleiben die Frauen sogar so lang in der Wanne, bis die Plazenta geboren wird. Auch dabei entstehen keine hygienischen Probleme.

11. Wo finde ich weitere Infos zum Thema "Wassergeburt"?

Weitere Infos zum Thema "Wassergeburt" findest Du auch hier:

  • www.wasserbabies.de: Eine Elterninitiative für Themen wie "Wassergeburt", "Babyschwimmen" etc.
Können Sie sich eine Geburt im Wasser vorstellen?