Dammschnitt
Wann muss er wirklich sein?

Ein Dammschnitt während der Geburt - manchmal leider nicht zu vermeiden, aber auf keinen Fall ein Drama. Wir erklären Ihnen, wann er wirklich nötig ist und was hilft, damit der Dammschnitt schneller verheilt.

Inhalt: 
Ist die Angst vor dem Dammschnitt berechtigt?Wird bei jeder Geburt ein Dammschnitt durchgeführt?Wann ist ein Dammschnitt überhaupt nötig?Kann man dem Dammschnitt vorbeugen?Wie gravierend ist ein Dammschnitt für den Körper?Wie wird der Gang zur Toilette nach dem Dammschnitt angenehmer?Wie lange dauert es, bis der Dammschnitt verheilt?Welche Komplikationen kann es nach einem Dammschnitt geben?Was hilft, wenn der Dammschnitt schmerzt?Kümmert sich die Hebamme bei der Nachsorge auch um meinen Dammschnitt?

Ist die Angst vor dem Dammschnitt berechtigt?

Dammschnitt: Wann muss er wirklich sein?

Zwei Fragen beschäftigen jede werdende Mutter, wenn der Bauch immer größer wird und die Geburt bevorsteht: Wie um Himmels willen soll ich das Baby jemals rausbringen? Und: Reißt das Gewebe womöglich ein? Bei diesen Überlegungen erinnern sich einige Schwangere mit Grausen an die Geschichten von jungen Müttern, die nach einem Dammschnitt lange Zeit auf einem Schwimmring saßen, weil die Dammnaht so schmerzte.

Doch keine Panik: So schauerlich diese Geschichten klingen mögen - die Realität ist längst nicht so schlimm. Um Ihnen die Angst vor dem Dammschnitt ein wenig zu nehmen, haben wir hier die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Wird bei jeder Geburt ein Dammschnitt durchgeführt?

Nein. Zwar ist es Fakt, dass bei einer Geburt das Gewebe in der Scheide und rund um den Damm (so heißt der Bereich zwischen Scheide und After) durch die extreme Dehnung beim Durchtritt des Köpfchens stark belastet wird.

Fakt ist aber auch, dass sich der Körper die gesamte Schwangerschaft über auf diese Dehnung bei der Geburt vorbereitet. Die Hormone machen das Gewebe weich und elastisch, damit das gelingt, was fast unmöglich scheint: Das Baby passt durch. Es findet seinen Weg durch den Scheidenausgang nach draußen.

In einigen Fällen geht das sogar fast ohne Blessuren: "Nach einer komplikationslosen Geburt ohne Dammschnitt haben viele Frauen nur oberflächliche Risse (hier erfahren Sie mehr zum so genannten Dammriss) und Abschürfungen in der Scheide oder an den Schamlippen", sagt Ute Krippner, Hebamme aus Bad Mergentheim. "Diese Kratzer heilen von allein und verblüffend schnell, denn der Genitalbereich ist extrem gut durchblutet."

Und doch: Die Dammschnitt-Rate liegt in Deutschland derzeit bei 60 Prozent - ganz schön hoch eigentlich.

Wann ist ein Dammschnitt überhaupt nötig?

Natürlich kann es aber auch sein, dass nicht alles so unkompliziert läuft: Vielleicht hat es das Kind am Ende sehr eilig, die letzten Wehen geraten außer Kontrolle - und das Köpfchen drängt viel zu schnell auf die Welt. Dann hat das Gewebe im Dammbereich nicht genug Zeit, sich zu dehnen, und kann reißen.

Oder aber: Die Hebamme oder der Arzt macht einen Dammschnitt. Die "Epi" (von Episiotomie) ist noch immer ein häufiger Eingriff auf den Entbindungsstationen (mindestens bei jeder zweiten Frau in den Wehen wird geschnitten).

Lange wurde dieser Eingriff sogar bei fast jeder Erstgebärenden gemacht. Mit der vorsorglichen Erweiterung der Scheidenöffnung, so glaubten die Ärzte, könnte man den Beckenboden entlasten und einer späteren Blasenschwäche vorbeugen. Auch meinten viele, dass ein glatter Schnitt besser heilen und unkontrollierte Risse dadurch verhindert würden.

Hebammen haben diese Argumente von jeher angezweifelt.Auch Ute Krippner erlebt bei der Nachsorge immer wieder, dass Dammschnitte nicht besser heilen als Risse, sondern schlechter: "Beim Schnitt werden mehr Blutgefäße, Nerven und Muskeln durchtrennt. Auch reißen manche Schnitte weiter, und die Wunde ist dann größer, als sie hätte sein müssen."

Weil es inzwischen viele Studien gibt, die diese Erfahrungen wissenschaftlich belegen, scheint sich allmählich auch in den Kliniken eine neue Routine durchzusetzen. So gibt es immer mehr Ärzte, die beim Schneiden zurückhaltend geworden sind: "Ich nehme es sehr ernst,wenn eine Frau mir vor der Geburt sagt, dass sie möglichst keinen Dammschnitt möchte - und zur Not auch einen Riss akzeptiert", sagt Professor Karl Theodor Mario Schneider vom Klinikum Rechts der Isar in München. "Wichtig ist aber, dass die Betroffene weiß: Es gibt Situationen, in denen ist ein Schnitt wirklich sinnvoll."

Drei Beispiele für solche Situationen:

  • Wenn sich das CTG verschlechtert, die kindlichen Herztöne absinken und die Geburt beschleunigt werden muss;
  • Wenn das Baby noch nicht ganz ausgereift ist und sein Köpfchen deshalb weniger Druck bekommen sollte;
  • Wenn die Geburt mit der Glocke oder der Zange beendet wird (der Arzt muss dann schneiden, weil die Instrumente Platz brauchen).

Kann man dem Dammschnitt vorbeugen?

Tatsächlich gibt es ein paar Methoden, die das Gewebe rund um Damm und Scheide elastischer machen können, immer vorausgesetzt, man beginnt mit den Maßnahmen vier bis sechs Wochen vor der Geburt. Eine Garantie dafür, dass das Gewebe dann wirklich heil bleibt, gibt es aber nicht.

Folgende Methoden haben sich bei vielen Frauen bewährt:

  • Damm-Massage: Einen Tropfen Weizenkeim-Öl auf den Finger geben und etwa drei Zentimeter tief in die Scheide einführen. Dann vorsichtig in Richtung After drücken. Später mit mehreren Fingern probieren und diese in der Scheide auch mal auseinander spreizen (hier gibt's weitere Infos zur Damm-Massage).
  • "EPI-NO": Bei diesem "Anti-Dammschnitt-Trainer" handelt es sich um einen Ballon, der mit einer Pumpe verbunden ist (ab 69,90 Euro). Empfohlen wird, den Ballon von der 37. Woche an täglich 15 Minuten in die Scheide einzuführen und immer etwas mehr aufzublasen, sodass sich das Gewebe allmählich dehnt: wirkungsvoll, aber auch sehr technisch. Mehr unter www.epi-no.de
  • Damm-Gymnastik: In den Wochen vor der Geburt möglichst oft mit geöffneten Knien in die Hocke gehen. Ebenfalls wirksam: der Schneidersitz. Der Dehnungseffekt ist dabei am größten, wenn man die Füße nicht übereinander schlägt, sondern gegeneinander presst.

Wie gravierend ist ein Dammschnitt für den Körper?

Natürlich kann in der Schwangerschaft niemand voraussagen, wie die Geburt verlaufen wird, fest steht aber: Es ist kein Drama,wenn ein Schnitt notwendig wird und hinterher genäht werden muss. "Ich versuche immer zu erklären, dass es sich bei dem Dammbereich um eine Art Sollbruchstelle handelt", sagt Ute Krippner, "eine Stelle, die von der Natur dafür vorgesehen ist, sich im Ernstfall zu teilen, damit das Baby gesund zur Welt kommen kann."

Wie wird der Gang zur Toilette nach dem Dammschnitt angenehmer?

Kein sehr appetitliches Thema, trotzdem muss es mal gesagt werden: Nach einem Dammschnitt oder -riss kann der Gang zum Klo ganz schön unangenehm sein. Weil man da aber leider nicht drum herumkommt, hilft eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung, die den Stuhlgang weicher macht. Außerdem:

  • Viel weiches Trockenobst essen.
  • Jeden zweiten Tag einen Joghurt löffeln.
  • Zwei Liter Wasser am Tag trinken.
  • Zusätzlich kann eine Bauchmassage im Uhrzeigersinnn helfen, zum Beispiel mit Sesamöl (wirkt krampflösend).

Übrigens: Keine Sorge, selbst wenn der Dammschnitt weh tut! Auch bei großem Druck kann eine Dammnaht nicht einfach aufplatzen!

Wie lange dauert es, bis der Dammschnitt verheilt?

Wie lange es dauert, bis nach einem Dammschnitt oder -riss alles wieder heil ist, hängt vor allem von zwei Faktoren ab:

  • Wie groß ist die Wunde? Die meisten Dammverletzungen sind ersten oder zweiten Grades und machen nach zwei Wochen kaum noch Probleme. Ein Dammschnitt heilt besser, wenn er nicht seitlich der Scheide (mediolateral), sondern gerade zum After hin (median) gesetzt sind. Mehr Schwierigkeiten machen mitunter Verletzungen dritten oder vierten Grades: Dann ist nämlich der Schließmuskel am After verletzt, und die Muskelfunktion muss sich erst normalisieren.
  • Wie geschickt wurde genäht? Ein Dammschnitt oder -riss wird immer unter Betäubung mit selbstauflösenden Fäden versorgt; das Nähen selbst spürt die junge Mutter nicht. Insgesamt sind Nahttechniken und -material heute viel besser als noch vor zehn Jahren: Meist wird in mehreren Schichten genäht, an der Hautoberfläche mit unsichtbaren Stichen (intrakutan).

Welche Komplikationen kann es nach einem Dammschnitt geben?

Manchmal gibt es leider auch beim Dammschnitt Komplikationen: Wird beispielsweise zu stramm oder am Scheideneingang zu eng genäht, ziept es dauernd oder die Frau hat später Schmerzen beim Sex. Auch lange Nähte mit vielen Fäden und Knoten machen eher Ärger, denn sie verursachen stärkere Narben.

Was hilft, wenn der Dammschnitt schmerzt?

Wenn sich kurz nach der Geburt zwischen den Beinen noch alles sehr wund und fremd anfühlt, helfen diese Mittel gegen die Schmerzen am Dammschnitt:

  • Homöopathische Globuli: Die Wundheilung fördert vor allem Arnika (D4).
  • Kalte Kondome: Eiswürfel in ein Kondom füllen, alles in ein Tuch wickeln und zwischen die Schamlippen legen.
  • Sitzbäder: In die Wanne etwa zehn Zentimeter Wasser einlassen, Kamillenoder Eichenrindenextrakt (Apotheke) dazugeben und die Wunde vorsichtig spülen. Hinterher trockenföhnen, so bleiben die heilenden Substanzen auf der Naht.
  • Pinkeltrick: Wenn der Urin beim Wasserlassen brennt, gleichzeitig aus einem Becher oder einer Kanne warmes Wasser über die Wunde gießen. Manche Frauen stellen sich in die Dusche und halten die Brause Richtung Harnstrahl: nicht die feine englische Art, aber praktisch.

Kümmert sich die Hebamme bei der Nachsorge auch um meinen Dammschnitt?

Es ist sogar besonders wichtig, dass die Nachsorge-Hebamme die Naht regelmäßig anschaut. Bilden sich Blutergüsse zurück? Gibt es Entzündungsherde? Ist eine Korrektur nötig? Oft wird die Heilung durch oben liegende Fäden verzögert oder durch Knoten, die scheuern. Wenn die Hebamme die Knoten kappt oder die Fäden nach sechs, sieben Tagen doch zieht, geht es gleich besser.