Bilderstrecke
Wunschkaiserschnitt: Von der Entscheidung bis zum OP

Jedes dritte Baby kommt heute in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Wir zeigen in unserer Bilderstrecke, wie ein Kind "nach Plan" auf die Welt kommt - von der Anästhesie bis zum ersten Kuscheln mit der Mutter.

Einfach nicht hinhören, wenn Frauen Horrorgeschichten über die Geburten ihrer Kinder erzählen. Petra Seyrer, 29, konnte das gut. Sie arbeitet in einem Fitness-Studio - und dort wird häufig übers Gebären geredet: "Wenn sich Frauen mit ihrem Körper beschäftigen, sprechen sie automatisch darüber, was beim Kinderkriegen mit ihnen geschehen ist." Das Weghören klappte jedoch nur, bis Petra schwanger wurde. Dann ließ sie sich hineinziehen in die Schilderungen vom Wehenmarathon, von Schmerzen und Hilflosigkeit.

Wie soll mein strammer Beckenboden ein Kind durchlassen, sorgte sich Petra Seyrer, die "trainiert, seit ich denken kann". Lange Zeit siegte die Zuversicht. Als Sportlerin war sie schließlich daran gewöhnt, an ihre Grenzen zu gehen. Petra Seyrer und ihr Mann Holger, 32, buchten einen Kurs zur Geburtsvorbereitung. Kaiserschnitt auf Wunsch? "Den Gedanken hatte ich nicht. Wird schon irgendwie gehen, die Geburt." Doch das Köpfchen des Babys sitzt auch in den letzten Wochen vor der Entbindung noch weit oben. Der Frauenarzt spricht davon, dass ein Kaiserschnitt notwendig werden könnte. Etwa 15 bis 20 Prozent der Geburten, die ganz normal begonnen haben, enden als Kaiserschnitt im OP. Unter anderem, weil das Köpfchen einfach nicht nach unten ins Becken gleiten mag. Das macht Petra Seyrer entschlossen: "Warum soll ich in die Wehen gehen, warum soll ich mich quälen, wenn es vielleicht doch ein Kaiserschnitt wird? Dann planen wir lieber gleich anders!"

Die werdenden Eltern suchen sich das Krankenhaus für die Kaiserschnitt-Operation aus. Petra freut sich über die freundlichen Ärzte dort. Ausführlich erklären sie ihr und ihrem Mann den Eingriff. "Ich wollte zuerst unbedingt eine Vollnarkose", sagt Petra Seyrer. "Aber dann entschied ich mich doch für eine PDA, weil mir die Ärzte versprochen haben, dass ich nichts spüre." Und der Gedanke, das Baby nach dem Kaiserschnitt gleich sehen und anfassen zu können, besiegt die Bedenken. Auch der Termin für den Kaiserschnitt wird gleich festgesetzt: Das Baby soll eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt geholt werden. "Sieben Tage weniger Mühe waren mir sehr recht", gibt Petra Seyrer offen zu. "Ich bin ein aktiver Mensch, ich laufe lieber als zu gehen, ich muss mich beim Sport ausarbeiten. Mit dem Bauch konnte ich mir nicht mal mehr die Schuhe binden."

Holger Seyrer ist froh über die Entscheidung seiner Frau, das Kind per Kaiserschnitt zu bekommen. Er hätte Petra zwar auch durch eine normale Geburt begleitet. "Aber genau zu wissen, was auf mich zukommt, war mir lieber." Beim Kaiserschnitt geht alles nach Plan: Der Zeitpunkt, die Dauer der Geburt, beides ist festgelegt. Und die Angst, während langer Wehenstunden tatenlos zusehen zu müssen, kann der werdende Vater jetzt ganz einfach vergessen. Bei der Kaiserschnitt-Operation dabei zu sein, schreckte ihn nicht? "Nein, denn da war ich ja nicht gefordert. Mein Platz war am Kopf meiner Frau. Was mit ihrem Bauch geschah, sahen wir beide nicht. Ein Tuch schirmte das OP-Feld ab."

Petra hat noch ein Argument für den Kaiserschnitt auf Wunsch: "Wenn das Kind im OP geholt wird, bleiben Bereiche unberührt, die eigentlich der Erotik gehören", meint sie vorsichtig. Als einziges Motiv für einen Kaiserschnitt würde sie das zwar nicht gelten lassen. Aber unwichtig findet sie es auch nicht. Am Tag vor dem geplanten Eingriff bezieht Petra Seyrer ihr Zimmer im Krankenhaus. "Morgen um diese Zeit bin ich Mutter", sagt sie zu ihrem Mann - und fühlt, dass dieser Gedanke trotz des sehr greifbaren Kindes im Bauch etwas extrem Unwirkliches hat. Abends geht sie mit ihrem Mann und den drei anderen "Kaiserschnitt-Frauen" des nächsten Tages samt werdenden Vätern noch auf eine Pizza um die Ecke. Auch die drei anderen Frauen haben sich bewusst für den Kaiserschnitt entschieden – was Petra Seyrer erleichtert: "Man muss sich nicht komisch vorkommen, wenn man keine normale Geburt will."

Samuels Geburtstag beginnt mit Duschen, einem Abführzäpfchen und ohne Frühstück. Im Vorbereitungsraum wartet Holger auf seine Frau. Die Anästhesistin kommt und legt die PDA. Vor dieser Prozedur hat Petra Angst. Geschichten von schlecht sitzenden Nadeln, mehreren Einstichversuchen klingen in ihr nach. Und betäubt es wirklich den Schmerz, das Zeug, das da langsam in den Rücken rieselt? Petra muss ihre Knie festhalten, damit die Beine nicht so schlackern. Aber dann sitzt die Betäubung, und die Angst lässt nach. "Vom Herzen abwärts habe ich nichts mehr gespürt - taub, aber irgendwie warm und wach fühlte sich mein Körper an." Holger verkleidet sich als Arzt - mit Kittel, Mundschutz, Häubchen, sterilen Überschuhen. Der werdende Vater steht unter Spannung, aber "Bammel hatte ich nicht. Alles lief nach einem klaren Plan, jeder Handgriff der Ärzte zeigte ihre Routine beim Kaiserschnitt. Ich wusste, Petra ist da gut aufgehoben."

Das Bett wird in den OP geschoben, Petra auf den Operationstisch gehievt. Ein Arzt hält etwas Kaltes an ihr Bein, sie spürt nichts. Es kann losgehen. Das Zeitgefühl ist weg und das Empfinden für Schmerzen auch. Petra ist wach und abgetaucht zugleich. "Ich spürte Druck, aber es tat nicht weh. Zwei Ärzte stemmten die Hände auf meinen Bauch und schoben das Kind nach unten: ,Der will noch nicht raus‘, scherzte die Hebamme."

Von:Rosemarie Wetscher