Geburt

Verdienen Ärzte am Kaiserschnitt?

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Der Kaiserschnitt - eine echte Alternative zur normalen Geburt?


"Entbindungen durch Kaiserschnitt werden in Deutschland immer populärer. So hat sich die Rate in Bayern zwischen 1991 und 2007 nahezu verdoppelt, von 16 Prozent aller Geburten auf 31,5 Prozent. Mediziner begründen das so: Die Risiken der Bauch-OP ließen sich - durch verbesserte Techniken und Planungen - stetig senken. Der Kaiserschnitt nehme den Frauen die Angst, dass ihr Beckenboden durch die normale Entbindung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Außerdem könne man Kaiserschnitt-Entbindungen im hektischen Klinikalltag besser planen - eine Entlastung für die werdenden Eltern wie auch für die geburtshilfliche Abteilung.

Immer mehr Geburtshelfer betrachten den Kaiserschnitt, auch wenn keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, daher als echte Alternative zur normalen Entbindung. Viele Kliniken werben bereits auf ihren Internetseiten mit dem Kaiserschnitt auf Wunsch. Und lassen die Nachteile der Schnittentbindung dabei weitestgehend außer Acht. Man könnte deshalb schon fast von einer Verharmlosung des Kaiserschnitts sprechen.

Wie riskant ist ein Kaiserschnitt wirklich?

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Eine aktuelle Studie in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt: Nach einer Kaiserschnittgeburt ist das Risiko schwerer Komplikationen für die Mutter deutlich höher als nach einer normalen Entbindung. Ähnliches gilt für Spätfolgen, wie zum Beispiel Verwachsungen oder Probleme, die in späteren Schwangerschaften auftreten können, wie etwa ein Gebärmutterriss.

Bei Kindern mit geplantem Kaiserschnitt steigt allerdings auch das Risiko für Atemprobleme. Die Gründe: ein oft sehr frühzeitiger Operationstermin sowie der fehlende Reiz auf die kindliche Lunge bei einer normalen Geburt. Häufig wird dann sogar noch ein Aufenthalt in der Kinderklinik nötig.

Lediglich wenn Kinder in Steißlage entbunden werden müssen, scheint der Kaiserschnitt mehr Sicherheit zu bieten - weil damit das Risiko von Komplikationen kleiner wird. Zumindest gilt dies für Kliniken, die mit vaginalen Steißlagenentbindungen nicht viel Erfahrung haben.

Krankenkassen zahlen den Kliniken mehr Geld pro Kaiserschnitt

Was mir auffällt: Der finanzielle Druck wächst. Zahlreiche kleine Krankenhäuser und geburtshilfliche Abteilungen schließen, und bei den anderen rückt das wirtschaftliche Denken zunehmend in den Vordergrund. Ökonomische Strategien beschäftigen sich mit Marketing, Erlösoptimierung und Einsparmaßnahmen.

Da passt der Anstieg der Kaiserschnitt-Geburten ins Bild: Schließlich ist es eine Tatsache, dass ein Kaiserschnitt von den Krankenkassen deutlich besser honoriert wird. Im Vergleich mit der vaginalen Entbindung bekommt die Klinik für einen Kaiserschnitt nahezu das Doppelte. (...) die Entwicklung (...) führt dazu, dass die meist zeitintensivere Spontangeburt langsam an Wert verliert.

Wünschen auch die Frauen häufiger einen Kaiserschnitt als früher?

Jüngste Studien zeigen, dass das medizinische Personal heute eher bereit ist, nicht nur bei schwerwiegenden, sondern schon bei geringfügigen Risiken auf eine normale Entbindung zu verzichten und sich für den Kaiserschnitt zu entscheiden (...) Häufig ist es die Angst vor rechtlichen Folgen, die hier eine Rolle spielt. Wenn Eltern eine Klage anstreben, dann meist wegen unterlassenen oder zu spät durchgeführten Kaiserschnitts - nie wegen unterlassener vaginaler Entbindung.

Nur zwei Prozent der Schwangeren wollen von Anfang an einen Kaiserschnitt

Es sieht so aus, als wiege das Sicherheitsdenken der Ärzte mittlerweile schwerer als das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren. Studien zeigen nämlich auch, dass lediglich zwei Prozent der Schwangeren schon früh den Wunsch nach einem Kaiserschnitt haben. Die überwiegende Mehrheit hofft auf eine ganz normale Entbindung - und ist der absolut richtigen Meinung, dass der Kaiserschnitt einer medizinischen Indikation bedarf.

Erst im Lauf ihrer Schwangerschaft werden viele durch äußere Einflüsse (vor allem der betreuenden Ärzte) verunsichert und denken über eine Schnittentbindung nach - weil sie glauben, damit die risikoärmere Variante zu wählen. Frauen, die sich zu einem Kaiserschnitt überreden ließen, sind damit im Nachhinein oft gar nicht glücklich. Nicht wenige Kaiserschnittmütter bedauern, dass sie eine normale Geburt nicht erleben durften. Viele setzen sich noch nach Jahren schmerzhaft damit auseinander.

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  • von Linda am 20. Mai 2009, 11:31 Uhr

    Eben Anja, gut geschrieben!


  • von Anja@die_windesheimer am 15. Mai 2009, 21:53 Uhr

    Ich hatte einen Notkaiserschnitt und war nach 9 Tagen aus dem KH raus. In der Zeit haben sich die Kinderkrankenschwestern und Krankenschwestern super um mich und meine Tochter gekümmert. Voll-Service. Auch habe ich diese Tage genutzt, soviel Wissen wie möglich "abzusaugen". Sie ist meine erste und ich war total unsicher. Meine Narbe hat super geheilt und die Nachsorge durch die Ärzte und Hebamme war sehr gut. Und ich weiss, dass die Entscheidung richtig war und ich habe keinerlei schlechte Gefühle/Gedanken. Und als Versager... fühle ich mich schon gar nicht. In meinem Bekanntenkreis hat man die Mutter so lange in den Wehen gelassen, bis es zu spät war und der Kaiserschnitt nur noch das tote Baby zur Welt brachte : DAS ist HORROR !!!


  • von Christine am 27. April 2009, 08:34 Uhr

    Also ich hatte leider überhaupt nicht die Wahl. Und wer meint, dass man im Kreissaal nach mehreren Stunden Wehen und einer durchwachten Nacht noch frei wählen kann, der spinnt!
    Die Entscheidung hat man doch nur, wenn man einen Wunschkaiserschnitt plant. Nach 14 Stunden Wehen und nur 2 cm Muttermundöffnung hat man mir "erklärt", dass ich gerne weiter versuchen soll, mein Kind vaginal zu entbinden, aber wahrscheinlich wird es in einem Notkaiserschnitt enden. Da wäre es doch "besser", wenn ich jetzt schon einwillige, dann bräuchte ich keine Vollnarkose und alles läuft ganz locker ab... wenn einem in so einem Moment erzählt wird, dass man das Leben seines Kindes aufs Spiel setzt nur weil man weiterhin auf die vaginale Geburt setzt, dann unterschreibt man eben, ohne das Kleingedruckte zu lesen! Also erzählt mir nicht, dass Frau die freie Wahl hat. Das ist einfach nicht wahr! Man wird mit ein paar unverständlichen Fachwörtern unter Druck gesetzt, da traut sich doch keiner Nein zu sagen!


  • von Nina am 23. April 2009, 21:22 Uhr

    Ich habe mittlerweile meine dritte Kaiserschnittentbindung hinter mir und hatte beim ersten und zweiten von Anfang an die freie Wahl, ob ich einen haben möchte oder nicht. Ich würde es immer wieder genau so machen, da es für mich die beste Alternative ist. Auch unser "neues" Baby wird wieder per Kaiserschnitt kommen und ich freue mich jezt schon darauf. Ich kann nicht verstehen, warum diese Art der Entbindung immer so schlecht gemacht wird. Ich finde man sollte uns Frauen die Wahl lassen und jeden den Weg gehen lassen, für den man sich entscheidet.


  • von Andrea am 22. April 2009, 20:04 Uhr

    Wie der Name sagt, wir wohnen in Schweden und hier habe ich auch unsere Tochter entbunden - mit Kaiserschnitt. Da der Arzt mit dem Geburtsverlauf (zu keiner Zeit bestand allerdings Gefahr, Herztöne waren normal) nicht zufrieden war, entschied er sich fuer die OP. In dem Moment war mir alles egal und ich hatte keine Kraft fuer Diskussionen. Es stellte sich dann heraus, dass unsere Tochter ziemlich gross war (4400 g bei 54 cm, 37 cm Kopfumfang)und mein Becken zu klein wäre. Ich musste nach der Geburt ein umständliches Röntgen ueber mich ergehen lassen, mein Becken ist demnach doch nicht zu eng. Da hier nur 1 Ultraschall gemacht wird (18-20 SSW), waren wir nicht im geringsten auf ein so grosses Baby vorbereitet. Mein Bauch war zwar riesig, aber die Hebamme sagte immer nur, dass muss nichts heissen. Nach der OP fing ich dann doch an zu zweifeln, ob das die richtige Entscheidung war, denn ich konnte mich nicht um meine Tochter kuemmern und war ziemlich fertig deswegen. Zwar gab es keine Probleme mit dem Stillen, aber ich hatte und habe noch immer das Gefuehl, dass uns etwas fehlt. Natuerlich bin ich dankbar, dass alles ohne Probleme abgelaufen ist, aber wenn keine wirkliche lebensgefährliche Situation besteht, wuerde ich mich gegen die OP entscheiden.
    Was den Beckenboden anbelangt, da erklärte mir die Hebamme, ich solle die Uebungen nur nicht vernachlässigen, bloss weil ich einen Kaiserschnitt hatte, was ich auch brav befolgt habe!


(36 Kommentare)

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