Medizin
Jeder 5. Kaiserschnitt zu früh

20 Prozent aller Kaiserschnitte auf Wunsch werden in Deutschland zu früh ausgeführt. Zu dieser Einschätzung kommt ELTERN nach umfangreichen Recherchen.

Nach einem Kaiserschnitt in der 37. Schwangerschaftswoche haben 75 Prozent der Kinder Sauerstoffprobleme, müssen häufig sogar auf die Neugeborenen-Intensivstation. Kommt das Baby nach den regulären 40 Schwangerschaftswochen auf normalem Weg zur Welt, liegt dieses Risiko unter fünf Prozent.

Eine Tatsache, die nicht nur Kinderärzten, sondern auch Gynäkologen bekannt ist. Warum holen sie dann so viele Babys zu früh auf die Welt?

Materieller Hintergrund vermutet

Oft hat dies einen erschreckend materiellen Hintergrund: Kaiserschnitte von Montag bis Freitag, passend zum Operationsrhythmus des jeweiligen Arztes, bringen dem Krankenhaus den größten Gewinn. Bei minimalem Zeitaufwand (ein Kaiserschnitt dauert etwa eine halbe Stunde) werden um die 3000 Euro berechnet. Operationen außerhalb der normalen Dienstzeiten und am Wochenende sind schon weniger lukrativ. Deshalb legen viele Kliniken einen Kaiserschnitt-Termin fest und lassen die Frau nicht auf Wehen warten - das natürliche Zeichen, dass ein Kind geburtsreif ist.

Selbstverständlich arbeiten nicht alle Krankenhäuser auf diese Weise. So erklärt Dr. Wolf Michael Lütje, Chefarzt am Krankenhaus Viersen:

"Etwa sechs Stunden bevor die Wehen einsetzen, weicht das Wasser aus den Lungenbläschen des Ungeborenen. Hormone werden ausgeschüttet, die das Baby auf die größte Anpassungsleistung im Leben eines Menschen vorbereiten – seine Geburt. Wir warten deshalb die Wehen ab, wenn ein Kaiserschnitt notwendig ist oder wenn die werdende Mutter einen solchen wünscht."