Neu geboren
 
Die erste Stunde nach der Geburt

Ein liebevoller Blick, eine zarte Berührung - es braucht Zeit, bis die Mutter begreift: Das ist mein Baby! Dazu die glücklichste Erschöpfung des Lebens. Wie reagieren Körper und Seele der Frau in den allerersten Minuten als Mutter?

Neu geboren: Die erste Stunde nach der Geburt

Geschafft! Weich und warm und noch nass liegt das Neugeborene auf dem Bauch seiner Mutter. Sein Duft ist wie eine Glückswolke. Und doch: Viele Frauen empfinden in der ersten Stunde mit dem Kind weit weniger Muttergefühle als in der Schwangerschaft. Was sie spüren, ist zuerst einmal nur Erleichterung. Ruhe nach dem aufwühlenden Sturm der Wehen. Euphorie, weil endlich nichts mehr wehtut. Bis das Glück ganz und gar Platz hat, brauchen fast alle Frauen ein bisschen Zeit. Zu viel ist auf sie eingestürzt, was sie erst einmal verkraften müssen. Ganz oft sind es deshalb die Väter, die beim ersten Blick auf das Kind Rührungstränen in den Augen haben. So manche Frau wundert sich, wie nüchtern sie ihr Neugeborenes betrachtet. Alles dran? Wem sieht es ähnlich? Warum sind die Fingernägel so blau?

Noch ist die Geburt nicht zu Ende

Nach der ersten Betrachtung des Kindes fordert wieder der eigene Körper Aufmerksamkeit. Das ist nur zu verständlich, wenn man weiß, was sich jetzt innerhalb von kürzester Zeit verändert:

  • Wird das Baby geboren, ist die Frau sofort um etwa fünf Kilo leichter. Zum Gewicht des Kindes kommt noch Fruchtwasser dazu, das bei der Entbindung abfließt.
  • Wenn sich die Plazenta löst - ungefähr fünf Minuten bis zwei Stunden nach der Geburt - entsteht in der Gebärmutter eine etwa handgroße Wunde. Das weiche Gewebe blutet. Allerdings weit weniger heftig, als viele denken: Es sind nur etwa 300 Milliliter. Eine Blutmenge, die der Körper aus dem Vorrat, den er in der Schwangerschaft geschaffen hat, leicht ausgleichen kann.
  • Die Gebärmutter zieht sich rasch zusammen, wenn sie das Kind freigegeben hat. Sie schrumpft von der Ausdehnung eines Medizinballs auf die Größe einer Honigmelone. Das wirkt wie ein Druckverband auf die offenen Gefäße des Uterus.
  • Die Bänder, die die Gebärmutter halten, sind noch weit gedehnt und schnurren erst allmählich auf die richtige Länge zurück. Deshalb fühlt sich so kurz nach der Geburt innen alles etwas wackelig an.
  • Herz, Leber, Magen, Lunge - bis vor kurzem noch von der prallen Gebärmutter nach oben gedrängt, haben die Organe mit einem Mal wieder viel Raum. Das ist erleichternd, aber noch ein bisschen fremd, als wäre alles nach unten gerutscht.
  • Der Endorphinspiegel bleibt auch nach der Geburt auf schwindelnden Höhen. Endorphine sind Schmerzmittel, die der Körper selbst bildet. Sie machen hellwach.
  • Das Wehenhormon Oxytozin kreist ebenfalls weiter im Blut. Es sorgt für Nachwehen der Gebärmutter, damit sie kleiner wird. Außerdem weckt dieser Stoff Muttergefühle: Er hilft der jungen Mutter, ihr Baby anzunehmen und alle Kräfte zu mobilisieren, um das Kleine zu beschützen.
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