Der Vater bei der Geburt
 
Nett, aber nutzlos?

Dass der Vater bei der Geburt dabei ist, ist heute fast normal: Väter trifft man im Kreißsaal genauso häufig wie Ärzte und Hebammen. Studien zufolge sind sie allerdings weniger hilfreich. Was tun, damit Väter eine echte Stütze für ihre Frau sind? Ein Gespräch mit dem Frauenarzt Achim Wöckel.

Was bringt es, wenn der Vater bei der Geburt dabei ist?

Der Vater bei der Geburt: Nett, aber nutzlos?

Neuere Studien bringen ein ernüchterndes Ergebnis: Der werdende Vater im Kreißsaal macht die Geburt weder schneller, erträglicher noch schöner. Brauchen wir die Männer dort gar nicht?
Dr. Achim Wöckel: Betrachten wir es doch lieber umgekehrt. Väter im Kreißsaal schaden nicht. Diese Frage war die Ausgangslage für die Studien, die Sie ansprechen: Behindern Männer vielleicht durch die eigene Hilflosigkeit und die eigenen Ängste den Geburtsverlauf? Stehen sie Ärzten und Hebammen im Weg rum? Das hat man ja tatsächlich jahrelang gedacht! Zum Glück kann man das nun klar verneinen. Und was das "schöner" angeht: Ein nachweisbarer Nutzen von Männern im Kreißsaal ist der, dass die meisten Frauen sich durch ihre Anwesenheit geborgener und sicherer fühlen. Das ist schon eine ganze Menge.

Weder machen Väter die Geburt kürzer, noch sinkt die Rate der Interventionen, etwa der Einsatz eines Wehentropfes oder eines Dammschnitts. Der Schmerzmittelverbrauch steigt sogar! Sollten Männer nicht doch besser draußen bleiben?
Auf keinen Fall! Männer gehören heute bei der Geburt einfach dazu, die meisten möchten ja auch dabei sein, dieses unglaubliche Erlebnis nicht verpassen, ihre Frau unterstützen. Wir wollen ja nicht zurück in die 1950er-Jahre, als die Männer ihre Babys auf der anderen Seite der Glasscheibe begrüßten. Wichtiger ist es, die Männer besser auf die Geburt vorzubereiten. Dann sind sie nämlich durchaus eine Stütze!

Aber dafür gibt es doch die Partnerabende in den Geburtsvorbereitungskursen. Reichen die nicht?
Ganz klares "Nein". Als Anhängsel mit in einen Frauenkurs gehen zu "müssen", empfinden viele Männer als unangenehm. Sie trauen sich dort nicht, ihre Befürchtungen zu äußern und vermeintlich dumme Fragen zu stellen. Männer wollen ihre Schwächen nur ungern zugeben - erst recht nicht in Anwesenheit von einem Dutzend Frauen!

Was ist also die Alternative?
Beispielsweise ein reiner Männer abend. Auch der Dozent sollte nicht unbedingt eine Frau sein. Wenn die werdenden Väter unter sich sind, trauen sie sich eher, zu fragen: "Wie lange dauert eine Geburt? Wo soll ich stehen? Darf ich auch mal rausgehen?" Eigentlich sind das banale Fragen. Aber sie zu besprechen nimmt der Geburt auf einfache Weise ihren Schrecken. Dafür braucht man gar nicht viel Zeit, eine Stunde vielleicht. Männer bevorzugen Informationen in komprimierter Form.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, wann ein Vater bei der Geburt nach Meinung des Experten wirklich nützlich sein kann.

zurück 12