Geburtstermin überschritten
 
Wehen auslösen: 15 Maßnahmen, um die Geburt anzustoßen

Der errechnete Geburtstermin Deines Kindes ist verstrichen und es ist nichts passiert? Manchmal braucht der Körper nur einen kleinen Schubs, damit sich das Baby auf den Weg macht. Wir stellen Euch einige Möglichkeiten vor, mit denen Ihr Euer Kind auf natürliche Weise ein bisschen locken könnt und auch jene, die garantiert die Geburt einleiten.

Inhalt: 
1. Spaziergänge2. Akupunktur3. Brustwarzenstimulation4. Heiße Bäder5. Zimtsterne, Zimttee6. Sex7. Fußreflexzonen-Massage8. Bauchmassage9. Schwangerschaftstee10. Himbeerblättertee Und wenn das Baby einfach nicht kommen möchte?11. Muttermund-Massage12. Wehencocktail13. Nelkenöl-Tampon14. Prostaglandin15. Wehentropf
Hochschwangere Frau steht am Kinderbettchen
iStock, Drazen_

Je näher der Geburtstermin rückt, desto größer wird die Anspannung. Jede Schwangere ist so fixiert auf den Termin, dass die Unruhe mit jedem Tag, der weiter verstreicht, stark zunimmt. Das Warten fällt zunehmend schwer. So ist der Wunsch jeder werdenden Mutter absolut (und auch der ihres Partners) nachvollziehbar, etwas tun zu wollen, bevor eine Einleitung aus medizinischen Gründen erforderlich wird. Es gibt viele Möglichkeiten, um die Wehen auf sanfte Weise zu fördern und damit die Geburt möglicherweise in Gang zu bringen.

Wichtig: Bevor Du eine dieser Methoden ausprobieren willst, sprich bitte unbedingt mit Deiner Hebamme. Sie kann Dir noch einmal genau erklären, welche Maßnahme wie wirkt. Manches darunter sorgt dafür, dass Dein Baby richtig ins Becken rutscht. Anderes hilft, um die Durchblutung gerade im Beckenbereich anzukurbeln und den Muttermund zu öffnen. Wiederum eignen sich andere Methoden am besten, wenn Du bereits leichte Wehen hast, um sie weiter zu fördern.

Nutze das Expertenwissen Deiner Hebamme. Sie wird einiges zu dem Thema zu erzählen haben. Und es gibt Dir ein besseres Gefühl, wenn Du nach ihrer Empfehlung handelst und nicht auf eigene Faust. Harmlos erscheinende Hausmittel sind nicht zu unterschätzen, andere Mittel lassen sich wiederum gar nicht erst ohne Hilfe umsetzen - alles ist zweifelsohne besser, wenn es unter professionellem Rat geschieht. Und eines sei noch vorweg gesagt: Was auch immer Du jetzt in den letzten Tagen Deiner Schwangerschaft probierst, die Geburt wird letztlich erst dann losgehen, wenn Dein Körper bereit ist und Dein Baby wirklich geboren werden möchte.

Du bist Dir bezüglich des Geburtstermins nicht ganz sicher oder möchtest gerne noch einmal nachrechnen? Dies kannst Du hier mit unserem Geburtsterminrechner. Übrigens: Medizinisch gesehen ist der Entbindungstermin (ET)  ein Zeitraum und umfasst die drei SSW vor und die zwei SSW nach dem Stichtag. Es ist also alles andere als ungewöhnlich, wenn Dein Baby nicht auf den Tag genau kommt.
 

Das kannst Du tun, wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist

1. Spaziergänge

Anwendung: Bequeme Schuhe an und los! Doch halt! Bitte nicht das Handy vergessen und besser auch eine Begleitung für den ausgedehnten Spaziergang, denn es kann jetzt ja jederzeit losgehen.
Wirkung: Aufrecht und in Bewegung wirkt die Schwerkraft besser - das Köpfchen des Kindes bekommt Kontakt mit dem Becken, oft ein Auslöser oder auch Verstärker für Wehen.
Nebenwirkung: Überanstrengung. Und dann tut der Körper genau das Richtige: keine Wehen, bis man sich wieder erholt hat. Was für Gewaltmärsche gilt, trifft auch auf exzessives Treppensteigen und Fensterputzen zu - zu viel bremst die Wehen.
 

2. Akupunktur

Anwendung: Akupunktur soll, sofern regelmäßig in der Schwangerschaft praktiziert, dazu beitragen, dass die Geburt pünktlich losgeht. Kurz vor der Geburt können die Nadeln an den richtigen Stellen aber auch die Geburt einleiten.
Wirkung: Durch das Einstechen und Verweilen der Nadeln wird die Durchblutung angeregt, der Muttermund kann sich besser öffnen.
Nebenwirkung: keine.
Aber: Bitte nur von jemanden durchführen lassen, der auch was davon versteht.
 

3. Brustwarzenstimulation

Anwendung: Durch sanftes Reiben und Kneten Deiner Brustwarzen kannst Du das Wehenhormon Oxytozin anregen. Du kannst dies in kleinen Minutenabständen probieren. Wenn sich innerhalb einer halben Stunde nichts tut, dann besser sein lassen.
Wirkung: Die Stimulation ist nur dann wirkungsvoll, wenn Du Dich insgesamt entspannt fühlst. Das kräftige Massieren Deiner Brustwarzen kann dann zur Ausschüttung von Oxytozin führen, das Kontraktionen in der Gebärmutter auslöst und Wehen fördern kann.
Nebenwirkung: Wenn Du es übertreibst, werden Deine Brustwarzen möglicherweise wund.
 

4. Heiße Bäder

Anwendung: Etwa 38 Grad warmes Wasser einlassen, ein paar Tropfen ätherisches Öl dazugeben (zum Beispiel persische Rose oder Lavendel), zehn Minuten ruhig in der Wanne liegen.
Wirkung: tiefe Entspannung. In der Wärme werden die Muskeln locker, auch die Bauch- und Beckenmuskeln. Eine gelockerte Umgebung gibt dem Uterus Kraft für Wehen.
Nebenwirkung: Der Kreislauf kann schlappmachen! Deshalb nur baden, wenn noch jemand mit in der Wohnung ist.
 

5. Zimtsterne, Zimttee

Anwendung: Pro Tag etwa 200 Gramm Zimtsterne essen. Haben ganz schön Kalorien, aber Du nascht ja nur ein paar Tage. Ohne Dickmacher kommt der Zimttee aus. Rezept für Zimttee (zweimal täglich): Zwei bis drei Zimtstangen zerbröckeln, mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, nach zehn Minuten abseihen.
Wirkung: Zimt regt die Durchblutung in den Beckenorganen an. Das kann Wehen anstoßen.
Nebenwirkung: Bei Überdosierung im schlimmsten Fall Übelkeit.
 

6. Sex

Anwendung: Eine Stellung wählen, bei der der große Bauch nicht stört, zum Beispiel Bauch an Rücken ("Löffelchen"). Alternative: Du sitzt auf ihm.
Wirkung: Entspannung und beim Orgasmus ein Kick an der richtigen Stelle. Außerdem enthält das Ejakulat das Hormon Prostaglandin, das den Muttermund geburtsbereit macht.
Nebenwirkung: keine.
 

7. Fußreflexzonen-Massage

Anwendung: Die Hebamme (oder eine andere Fachkraft) stimuliert bestimmte Punkte am Fuß.
Wirkung: Das Becken wird besser durchblutet, die Gebärmutter stimuliert.
Nebenwirkung: keine.
 
 

8. Bauchmassage

Anwendung: Den Kugelbauch sanft mit einer Ölmischung einreiben. Diese besteht bestenfalls aus zehn Milliliter hochwertigem Mandelöl mit je zwei Tropfen naturreinem Zimt-, Ingwer, Nelken- und Eisenkrautöl vermischt. Lass Dich dazu am besten in der Apotheke oder in einem Reformhaus beraten. Bevor Du Deinen Bauch einölst, befeuchte ihn kurz mit warmen Wasser.
Wirkung: Es wird nicht sofort ein Effekt eintreten. Nach zwei Tagen könnte es aber losgehen.
Nebenwirkung: keine.
 

9. Schwangerschaftstee

Anwendung: Der Schwangerschaftstee, auch Wehentee genannt, wird aus verschiedenen Kräutern oder Gewürzen zubereitet. Frag Deine Hebamme am besten gleich mal nach dem Rezept. Es gibt unterschiedliche. Das Ganze sollte in jedem Fall mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen werden und lange ziehen. Den Tee kannst Du dann warmgehalten in einer Thermoskanne den ganzen Tag über zu Dir nehmen.
Wirkung: Nach ein bis zwei Tagen solltest Du eine Veränderung spüren.
Nebenwirkung: keine.
Aber: Bitte an die Rezeptvorgaben und Dosierung halten.
 

10. Himbeerblättertee

Anwendung: Himbeerblättertee ist ein Kräutertee bestehend aus den getrockneten Blättern der Himbeere. Er hat einen herb-süßlichen Geschmack und ist in der Apotheke, Drogerie oder Reformhäusern erhältlich. Du kannst ihn nach Rücksprache mit Deiner Hebamme oder Deinem Arzt ab der 37. Woche trinken.
Wirkung: Dem vitaminreichen Himbeerblättertee werden gleich mehrere positive Wirkungen nachgesagt. Vor allem aber soll er die Wehen anregen und somit die Geburt einleiten. Ob dem so ist, ist bislang noch nicht wissenschaftlich erwiesen.
Nebenwirkung: Es wird davor gewarnt, ihn zu früh in der Schwangerschaft und in zu großen Mengen zu trinken. Dann können Übelkeit oder Hautausschläge auftreten. Lass Dich also gut beraten!
 

Und wenn das Baby einfach nicht kommen möchte?

Hochschwangere Frau
iStock, Umkehrer

Das Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind steigt, je länger der eigentliche Geburtstermin verstrichen ist. Es kann auch zu Komplikationen kommen, wenn die Plazenta das Ungeborene nicht mehr optimal versorgt. Der Arzt wird entscheiden, wenn die Zeit reif ist, um Dein Baby zu holen. Bevor die Medziner direkt zu medikamentösen Mitteln greifen, gibt es noch weitere Maßnahmen, um die Geburt einzuleiten:

11. Muttermund-Massage

Anwendung: Hebamme oder Arzt massieren den Muttermund sanft und versuchen, den Eipol (das hinter dem Muttermund liegende unterste Ende der Fruchtblase) zu lösen.
Wirkung: Stimulation am Muttermund regt den Körper oft dazu an, mehr vom Wehenhormon Oxytozin auszuschütten.
Nebenwirkung: Muttermund-Massage kann wehtun! Sofort Bescheid sagen.

12. Wehencocktail

Anwendung: Jede Hebamme hat ihr eigenes Rezept, aber immer ist im Cocktail Rizinusöl mit drin.
Wirkung: Der Mix sorgt für gute Durchblutung der Verdauungsorgane und pustet den Darm durch. Auf die Unruhe antwortet die Gebärmutter oft mit Wehen.
Nebenwirkung: Bauchkrämpfe, Kreislaufprobleme!
Deshalb: Den Wehencocktail anwenden, wenn die Hebamme mit dabei ist.

13. Nelkenöl-Tampon

Anwendung: Hebamme oder Arzt legen einen mit Nelkenöl getränkten Tampon in die Scheide. Das geschieht in der Klinik.
Wirkung: Die Inhaltsstoffe des Öls lassen den Muttermund reifen, das heißt, weich und nachgiebig werden für die Geburt. Weil die Wirkung nicht vorhersehbar ist, dürfen Nelkenöl-Tampons nur im Krankenhaus (oder Geburtshaus) angewendet werden.
Nebenwirkung: keine.

14. Prostaglandin

Anwendung: Wenn das Baby auf die Welt soll, der Muttermund aber noch nicht weich ist, wird in der Klinik ein Zäpfchen oder Gel mit dem Hormon Prostaglandin in die Scheide gelegt.
Wirkung: Die Muskelfasern am Muttermund ziehen sich rhythmisch zusammen - das ergibt vorbereitende Wehen.
Nebenwirkung: Schmerzen, die auch in der frühen Phase schon richtig wehtun.
 

15. Wehentropf

Anwendung: Über eine Nadel in der Armbeuge wird das Hormon Oxytozin in den Körper getropft. Alternativ werden auch Tabletten verabreicht, die die Wehen auslösen.
Wirkung: Auf den hohen Oxytozin-Spiegel im Blut antwortet die Gebärmutter mit Wehen.
Nebenwirkung: Oft heftige Wehenschmerzen. Bescheid sagen, die Tropfgeschwindigkeit lässt sich drosseln! Etwa 80 Prozent der Frauen brauchen bei einer eingeleiteten Geburt eine PDA.