Wehen

Geht die Geburt jetzt los?

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Bei den ersten Wehen sofort ins Krankenhaus?


 © Corbis

Vor während der ersten Schwangerschaft stellen sich fast alle Frauen diese Frage: Woran erkenne ich, dass die Wehen eingesetzt haben und die Geburt unmittelbar bevorsteht? "Du wirst es spüren", sagen dann Frauen, die bereits ein Kind haben und wissen, wie sich Wehen anfühlen. Doch was hilft einem das, wenn man ungeduldig und auch ein bisschen ängstlich aufs erste Baby wartet?

Wenn der Geburtstermin näher rückt, gelingt es nur wenigen werdenden Müttern, ruhig auf das Einsetzen der Wehen zu warten. Das System der medizinischen Vorsorge macht Schwangere leider auch nicht gelassener. Im Gegenteil: Es erzieht dazu, wegen jeder noch so kleinen Auffälligkeit zum Arzt zu gehen. In sich hineinhören, dem Körper vertrauen - das sehen viele Frauen als Luxus, den man sich erst erlauben kann, wenn medizinisch alles abgecheckt ist.

Die Folge: Heute kommt mehr als die Hälfte der Frauen in die Klinik, wenn es noch gar nicht Zeit dafür ist. Die Wehen sind noch unregelmäßig, entwickeln keine Kraft. Der Muttermund ist nur ein bis zwei Zentimeter offen, man könnte noch ganz entspannt daheim auf dem Sofa oder in der Wanne liegen und die ersten Wehen hier erleben.

Die Wehen - eine aufregende Situation für die werdenen Eltern

Doch die meisten werdenden Eltern bleiben auch dann in der Klinik, wenn die Geburt noch gar nicht richtig begonnen hat. Aus zwei Gründen:

  1. Anders als noch vor ein paar Jahren behalten die Krankenhäuser die Paare lieber an Ort und Stelle, sobald diese mit den ersten Wehen dort ankommen. Zum einen, damit sie nicht doch noch eine andere Klinik anfahren. Und, damit die Frau beim zweiten Anlauf nicht zu lang auf stärkere Wehen wartet und dann im Eiltempo in die Klinik gebracht werden muss. Das Krankenhaus fürchtet in einem solchen Fall rechtliche Folgen, falls es zu Komplikationen kommt - was allerdings extrem selten ist.
  2. Viele werdende Eltern nehmen das Angebot der Krankenhäuser, schon mal zu bleiben, dankbar an. In der Aufregung der ersten Wehen und der bevorstehenden Geburt erscheint ihnen das Krankenhaus wie der rettende Hafen.

Was passiert im Krankenhaus, wenn eine Frau in den Wehen kommt?

Das ist verständlich, aber nicht unbedingt gut. Denn geburtshilfliche Eingriffe wie Geburtseinleitung, Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt werden umso wahrscheinlicher, je länger ein Paar im Krankenhaus ist, um das Kind zu bekommen. Ein Grund dafür: Paare, die schon seit vielen Stunden da sind, werden für Ärzte und Hebammen irgendwann zur "Altlast", wenn die Wehen unverändert schwach bleiben. Also sorgt man mitunter sogar mithilfe von Medikamenten, dafür, dass die Wehen einsetzen, wenn das medizinisch gar nicht notwendig ist.

Mit fatalen Folgen: Denn wenn die Wehen künstlich unterstützt werden, braucht die Frau doppelt so häufig Schmerzmittel wie bei natürlichen Wehen. Auch Saugglocke oder Zange kommen doppelt so oft zum Einsatz. Noch bedenklicher: Ist ein Paar mehr als 24 Stunden in der Klinik, wird das Kind in jedem dritten Fall mit Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

Was können werdende Eltern also tun, damit die Geburt mit den ersten Wehen schön beginnt und glücklich endet? Das Wichtigste: Haben Sie Vertrauen in Ihren Köper! Eine Geburt ist kein Blinddarm-Durchbruch, bei dem von Minute zu Minute die Lebensgefahr steigt. Im Krankenhaus erwartet Sie nicht Rettung, sondern fachkundige Begleitung. Die Geburt nimmt Ihnen niemand ab. Es ist Ihre Entscheidung, wie lange Sie in den Wehen lieber nicht mehr ohne Beistand sind.

Woran erkenne ich, dass die Geburt bevorsteht?

Neben den Wehen gibt es noch weitere Anzeichen dafür, dass die Geburt bald einsetzen wird. Hier die die wichtigsten Signale, mit denen sich die Geburt ankündigt:

  • Mit Wehen. Sie haben aus den letzten Wochen bereits Erfahrung mit diesen Kontraktionen, in diesem Fall den Vorwehen: Der Bauch wird hart, es zieht im Rücken, im Unterleib, manchmal strahlt das Ziehen bis in die Beine aus. Die echten Wehen fühlen sich erst mal genauso an. Deshalb: Beobachten Sie, ob die Wehen regelmäßig sind. Noch wichtiger: Dauern die Wehen zwischen 30 und 60 Sekunden? Kommen Sie dabei aus der Puste, wie beim Treppensteigen, haben Sie das Bedürfnis, laut auszuatmen? Das sind gute Zeichen dafür, dass es losgeht. Wenn Sie ein unentschiedenes Gefühl haben, sollten Sie ein warmes Bad nehmen oder sich ins warme Bett kuscheln. Waren die Kontraktionen nicht der Start für die Geburt, werden sie im Warmen schwächer. Echte Wehen dagegen legen dann richtig los.
  • Mit einem Blasensprung. Nur selten öffnet sich die Fruchtblase mit einem Knalleffekt, meist tröpfelt es nur ein bisschen. Aber sobald Fruchtwasser abgeht, hat die Geburt begonnen. Meist setzen die Wehen unmittelbar mit dem Blasensprung ein. Auf jeden Fall sollten Sie in die Klinik gehen, wenn die Fruchtblase offen ist. Denn Fruchtwasser ist eine warme, nährstoffreiche Flüssigkeit, Bakterien breiten sich darin schnell aus. Es besteht Infektionsgefahr.
  • Mit einer Blutung. Bei etwa einem Viertel der werdenden Mütter zeigt sich der Geburtsbeginn mit einer leichten Blutung. Das Sekret ist mit Schleim vermischt. Wenn sich der Muttermund zu öffnen beginnt, löst sich der Schleimpfropfen, der die Pforte verschloss. Meist setzen spätestens ein bis zwei Tage danach die Wehen ein. Immer noch unsicher?

Unsicher über die Stärke der Wehen? Die Hebamme weiß Rat!

Oft setzen die Wehen mitten in der Nacht ein

Ungern allein mit der Entscheidung, ob Sie die ersten Wehen noch zu Hause abwarten können oder schon in die Klinik sollten? Dann rufen Sie eine freiberufliche Hebamme. Diese kommt zu Ihnen ins Haus, um Sie in der letzten Phase der Schwangerschaft zu begleiten. Und zwar nicht nur dann, wenn Sie eine Hausgeburt möchten (Adressenliste über: Bund freiberuflicher Hebammen Deutschland e.V., E-Mail: bhfd@hebamme.de).

Tipp: Klären Sie mit der Hebamme, wie ihre Rufbereitschaft (oft setzen die Wehen mitten in der Nacht ein) verrechnet wird. Fragen Sie bei Ihrer Kasse, ob diese die Kosten übernimmt. Auf diese Weise betreut, nehmen Sie viel Ruhe von zu Hause mit ins Krankenhaus - und können Ihrem Kind voller Energie auf die Welt helfen.

von Rosemarie Wetscher


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