Geburt
Eine Wochenstation zum Wohlfühlen

Einfach wunderbar nach der Geburt: Die ersten Tage als Familie. Zu schade, dass zumindest Mutter und Baby die meist auf der Wochenstation verbringen. In der Heidelberger "Villa Menge" wird aus dem Krankenhausaufenthalt jedoch fast so etwas wie ein Wellness-Trip. Aber sehen Sie selbst - und staunen Sie!

Wochenstation oder Wellness-Oase?

Geburt: Eine Wochenstation zum Wohlfühlen
Wochenstation oder Wellness-Oase?

Ein prächtiger weißer Gründerzeitbau direkt neben dem Krankenhaus Salem in einer der schönsten und teuersten Gegenden Heidelbergs - das ist die "Villa Menge". Wer hier durch den akkurat gepflegten Vorgarten mit Springbrunnen geht und das historische Portal eintritt, fühlt sich wie in einem Wellness-Hotel: Helle, mit edlem Eichenparkett ausgelegte Flure, florale Wandbehänge, überall frische Blumen. In der Besucher-Lounge mit Le Corbusier-Sesseln erwartet man denn auch eher Damen mittleren Alters, die einen Vitamin-Cocktail schlürfen - und nicht Freunde und Verwandte, die einen neuen Erdenbürger begrüßen möchten. Und doch: Die Villa Menge ist die Wochenstation des Krankenhauses Salem (weitere Infos unter www.geburt-im-salem.de).

Einst diente das Prachtstück im neoklassizistischen Stil dem Gründer der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik, Professor Carl Menge, als Wohnhaus. Später wurde sie als Schwesternwohnheim genutzt. In den Jahren 2007 und 2008 wurde sie schließlich aufwändig saniert und zur Wochenstation umgebaut. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der Stiftung von SAP-Gründer und 1899-Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Möchten Sie sich gerne selber einen Eindruck von der Villa Menge verschaffen? Dann klicken Sie sich hier durch unsere Bildershow:

Ein Rundgang durch die Villa Menge

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Designer-Zimmer statt Krankenhausatmosphäre

Designer-Zimmer statt Krankenhausatmosphäre

Seit August 2008 stehen jungen Eltern in der Villa Menge vier Einzel- und sechs Doppelzimmer sowie zwei Familiensuiten zur Verfügung. So verlockend, wie die Aussicht auf einen Aufenthalt in der Villa Menge ist, liegt die Vermutung nahe, dass nur wenige Glückliche es schaffen, einen der doch sicher raren Plätze hier zu bekommen. Oder? "Überhaupt nicht!", lacht der stellvertretende Chefarzt Dr. Florian Schütz. Obwohl im Krankenhaus Salem im vergangenen Jahr über 1.000 Kinder zur Welt kamen, hätte bislang jede Frau, die ihr Kind dort zur Welt bringen und sich anschließend in der Villa Menge von der Geburt erholen wollte, auch einen Platz bekommen. Möglich sei das durch die immer kürzeren Liegezeiten, so Schütz. "Okay, als wir im vergangenen August 120 Geburten hatten, musste eine Mutter mal drei Stunden im Krankenhaus nebenan warten, bis das Zimmer hier frei war", fällt ihm dann noch ein.

Nun ja, das kann ja auch in den besten Hotels mal passieren. Und genau das ist der Eindruck, der sich beim Blick in die Zimmer erneut aufdrängt: Statt einer sterilen Krankenhausatmosphäre erwartet die Eltern viel Design in modernen, warmen Farben. Der Kleiderschrank ist so groß, dass die junge Mutter reichlich Garderobe zur Auswahl mitnehmen kann, wenn ihr danach ist. Auf dem Bett liegt ein verlockendes Betthupferl, und auch sonst liest sich die Auflistung des gebotenen Komforts wie eine Beschreibung aus dem Urlaubskatalog:

  • TV- und Internetanschluss auf allen Zimmern
  • Visite erst ab zehn Uhr morgens
  • Verpflegung: Üppiges Frühstücksbuffet mit frischem Obst, Joghurt oder Müsli im freundlichen Frühstücksraum, abends erneutes Buffett (zubereitet von einem Sterne-Koch)
  • Wer ein wenig Ruhe braucht, hängt einfach das "Bitte nicht stören"-Schild an seine Zimmertür

So viel Komfort hat sicher seinen Preis - denkt man. Für die Doppelzimmer wird jedoch nur die normale Zuzahlung von zehn Euro pro Nacht fällig. Möchten die Eltern allerdings ein Einzelzimmer oder eine Familiensuite, so müssen sie einen Aufschlag von 96 Euro pro Nacht zahlen. Dafür können dort der Vater und auch ältere Geschwister bei der Mutter und dem jüngsten Familienmitglied übernachten.

Doch auch in den Doppelzimmern der Villa Menge sind die Zeiten, in denen der Besuch der Bettnachbarin beim Stillen zusehen konnte, längst vorbei. Um ein Maximum an Privatsphäre zu erzeugen, wurden die Bäder hier nämlich einfach in die Mitte des Raumes eingebaut - die Mauern fungieren nun als Raumteiler und Sichtschutz.

Von der Elternschule bis zur Nachsorgehebamme

Von der Elternschule bis zur Nachsorgehebamme

"Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Angelegenheit", sagt Chefarztstellvertreter Dr. Florian Schütz mit Nachdruck. Werdende Eltern seien heute einer solchen Informationsflut ausgesetzt, dass viele in ihrer Verunsicherung die Schwangerschaft gar nicht mehr richtig genießen könnten. Dabei wollten die Frauen heute, so Schütz' Erfahrung, eine möglichst natürliche Geburt - aber mit der bestmöglichen medizinischen Betreuung. Das im Krankenhaus Salem vertretene Konzept bezeichnet er als "innovativ zurückhaltend". Und meint damit: Mehr Personal als in einem Krankenhaus sonst üblich für die drei Stockwerke umfassende Villa Menge - in der Frühschicht arbeiten hier drei Schwestern, in der Spätschicht mindestens zwei, und in der Nachtschicht sind zwei Hebammen sowie zwei Kinderkrankenschwestern eingeteilt. Er meint damit auch: eine Anmeldesprechstunde, eine Eltern- und sogar eine Geschwisterchenschule oder auch die Vermittlung einer Nachsorge-Hebamme.

Entspannte Mütter, zufriedene Babys

Entspannte Mütter, zufriedene Babys

Von den sonst auf Wochenstationen üblichen Geräuschen - Babygeschrei, Tellerklappern, Besuch, der freudig begrüßt wird - ist hier nichts zu hören. Kein Wunder: Die dicken Mauern dämpfen jedes Geräusch, nur die imposante Treppe knarzt leise. "Die besonders harmonische Atmosphäre in diesem Gebäude übt außerdem eine beruhigende Wirkung auf die Babys aus", ist Dr. Schütz überzeugt.

Auch den Müttern scheint das Wellness-Flair der Villa Menge gut zu bekommen. "Das war wie im Urlaub", findet etwa Diana Kernbach. Die 34-Jährige muss es wissen, schließlich ist sie Rezeptionistin eines Vier-Sterne-Hotels. Im vergangenen Jahr hat sie im Krankenhaus Salem ihr Töchterchen Amelie zur Welt gebracht. "Die Entscheidung für dieses Krankenhaus war genau richtig", sagt sie. Zu schätzen wusste sie vor allem die ausführlichen Antworten von Ärzten und Schwestern auf ihre Fragen - vor allem, als es am Ende doch ein Kaiserschnitt wurde. "Ich habe mich total wohl gefühlt, alle kümmern sich sehr nett um mich".

Was haben Sie auf der Wochenstation erlebt?

Was haben Sie auf der Wochenstation erlebt?

Haben Sie sich nach der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus gut aufgehoben gefühlt? Oder gab es Kritikpunkte? Hier können Sie uns von Ihren Erfahrungen auf der Wochenstation erzählen.

Darf ich im Kreißsaal eigentlich etwas essen? Wo findet der Papa in anderen Krankenhäusern nach der Geburt ein Plätzchen? Wir beantworten Ihnen diese und andere Fragen zur Geburt.

Von:Jennifer Litters