Risikoschwangerschaft

Was bedeutet dieser Vermerk für mich?

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Was Sie zum Thema "Risikoschwangerschaft" wissen sollten:


Kein schönes Wort, das immer mehr Schwangere zu hören bekommen: "Risikoschwangerschaft". Kaum zu glauben - aber Tatsache: Nur eine von fünf Schwangeren trägt mittlerweile in Deutschland ihr Kind ohne vom Arzt vermerktes Risiko aus. Das Ergebnis ungesunder Lebensweise? Wohl kaum. Dann hätte der Prozentsatz bei unseren Müttern und Großmüttern noch wesentlich höher sein müssen.

Damit Sie nicht erschrecken, falls Ihr Arzt Sie gleich nach der Bestätigung der frohen Botschaft in diese Kategorie einordnet, haben wir Ihnen hier die wichtigsten Fakten zur Risikoschwangerschaft zusammen gestellt:

Woher kommt der Begriff "Risikoschwangerschaft"?

Ursprünglich steckte eine gute Idee hinter dem Fragenkatalog, mit dem mögliche Schwangerschaftsrisiken erfasst werden sollen. Der Arzt fand mit Hilfe der Fragen heraus, auf welche Frauen er besonders gut aufpassen musste und für welche die normale Vorsorge genügte. Die Antworten werden übrigens im Mutterpass eingetragen.

Welche Faktoren gelten als Risikoschwangerschaft?

Ursprünglich gab es 17 identifizierte Risikofaktoren - mittlerweile sind es stattliche 52. Dazu gehören unter anderem:

Nur zwei dieser Umstände, die gemeinsam auftreten, machen die Frau bereits zu einer Risikoschwangeren. Ob jedoch wirklich Gefahr droht, kann niemand mit Bestimmtheit sagen.

Was bedeutet es für mich, wenn eine Risikoschwangerschaft vorliegt?

Zunächst einmal bedeutet der Vermerk "Risikoschwangerschaft" nur, dass Ihr Arzt die Vorsorge-Untersuchungen besonders sorgfältig durchführen (zuerst alle vier Wochen ein Termin, im letzten Schwangerschaftsdrittel sogar alle zwei) und bei Bedarf mit zusätzlichen Tests ergänzen wird.

Auch Ihre Geburtsklinik kann aus den Hinweisen auf eine Risikoschwangerschaft ablesen, ob bei der Entbindung spezielle Vorsichtsmaßnahmen nötig werden können. Oder ob damit gerechnet werden muss, dass Ihr Baby besondere medizinische Betreuung braucht.

Wer zahlt die häufigeren Untersuchungen während einer Risikoschwangerschaft?

Keine Sorge! Bei einer Risikoschwangerschaft übernehmen die Krankenkassen selbstverständlich die Kosten für die häufigeren Untersuchungen.

Verdienen Ärzte und Kliniken an einer Risikoschwangerschaft?

Sicher wird kein Arzt seine Patientin als Risikoschwangere einstufen, bloß um an ihr verdienen zu können. Fakt ist aber: Werdende Mütter mit dem Stempel "Risikoschwangerschaft" können öfter in die Praxis bestellt werden - die Kassen erstatten ja die Kosten. Und: Die Stellenberechnung für das medizinische Personal an Geburtskliniken hängt davon ab, wie viele Risikofälle der Umkreis des Krankenhauses bietet.

Warum sprechen Ärzte bei Frauen ab 35 Jahren automatisch von einer Risikoschwangerschaft?

Bei Frauen ab 35 Jahren sprechen Frauenärzte ganz automatisch von einer Risikoschwangerschaft - egal, wie fit die werdende Mutter ist. Hergeleitet wird das jedoch vor allem aus der Statistik heraus: So haben ältere Schwangere - rein statistisch gesehen - ein etwas höheres Risiko, im Laufe der Schwangerschaft wegen einer Gestose oder Schwangerschaftsdiabetes behandelt zu werden.

Und: Die Kinder später Mütter sind häufiger von Chromosomenstörungen betroffen. Das heißt, sie bekommen entweder zu viel oder zu wenig Erbinformation mit. Die bekannteste Abweichung ist das Down-Syndrom (oder Trisomie 21), bei der ein Kind drei statt zwei Chromosomen 21 besitzt. Die Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit Down-Syndrom steigt mit zunehmendem Alter: Bei einer 35-jährigen Frau liegt das Risiko, ein Kind mit dieser Chromosomentstörung zur Welt zu bringen, bei 1:356 - bei einer 20-Jährigen liegt es bei 1:1500. Da solche Gen-Defekte mit Hilfe der Pränataldiagnostik erkannt werden können, sind Ärzte übrigens verpflichtet, Schwangere über 35 über die Möglichkeiten dieser Untersuchungen aufzuklären. Aber: Der Arzt muss die werdende Mutter darauf hinweisen - dazu drängen darf er sie nicht! Die Entscheidung für oder gegen solche Untersuchungen liegt allein bei der Frau.

Doch keine Sorge, falls Sie zu den späten Schwangeren gehören: Hier erfahren Sie, warum Sie trotz der Einstufung als Risikoschwangere jede einzelne Schwangerschaftswoche genießen dürfen.

Wie gehe ich damit um, wenn bei mir eine Risikoschwangerschaft vermerkt wird?

Ganz wichtig: Lassen Sie sich keine Angst einjagen! Die Bremer Frauenärztin und Psychotherapeutin Dr. Edith Bauer sagt:

  • Sie entscheiden, wie viel Medizin Sie zulassen! Ein Kind zu erwarten ist etwas Natürliches. Ärzte haben damit nicht zwangsläufig etwas zu tun. Versuchen Sie, nach dieser Grundhaltung zu leben.
  • Vertrauen Sie Ihrem Körper! Proportional zur anwachsenden medizinischen Vorsorge steigt das Sicherheitsbedürfnis werdender Mütter. Doch 97 Prozent der Kinder kommen gesund zur Welt. Dazu trägt ärztliche Vorsorge höchstens einen kleinen Teil bei.
  • Suchen Sie einen Arzt, der mit der Hebamme kooperiert und nicht konkurriert! Viele gute Ärzte arbeiten mit Hebammen gleichberechtigt zusammen. Ich persönlich mache das seit über zwanzig Jahren und habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Wir bieten wechselnde Termine an, die Schwangeren können sich aber auch nur ärztliche oder nur Hebammenbetreuung wünschen.
  • Ihr Arzt sollte sich wirklich für Ihr Befinden interessieren und nicht nur Befunde abhaken! Gute seelische Betreuung ist in der Schwangerschaft genauso wichtig wie vernünftige medizinische Vorsorge.

Kann die Einstufung als Risikoschwangerschaft auch wieder zurückgenommen werden?

Ja. Eine vorerst als risikoschwanger eingestufte Frau kann im Laufe der Schwangerschaft durchaus wieder auf "normal" zurückgestuft werden. Zum Beispiel, wenn sich die Blutungsneigung gelegt hat.

Wie wird in anderen Ländern mit einer Risikoschwangerschaft umgegangen?

Andere Länder (etwa unsere niederländischen Nachbarn) sind da flexibler: Hier liegt die Schwangeren-Vorsorge in erster Linie in den Händen der Hebamme. Erkennt sie einen Faktor für eine Risikoschwangerschaft (zum Beispiel hohen Blutdurck), schickt sie die werdende Mutter für weitere Vorsorge und Behandlung zum Frauenarzt. Ist die Gefahr nach einiger Zeit vorbei, wird das im Mutterpass eingetragen und die Schwangere geht wieder als normale Patientin zur Hebamme.

Das Ergebnis: In Holland (und auch in den skandinavischen Ländern, die ein ähnliches System haben) gibt es deutlich weniger Risikoschwangerschaften als bei uns. Und das Ziel - gesunde Mutter, gesundes Baby - wird auch ohne Risikokatalog genauso oft erreicht.

von Rosemarie Wetscher, Email schreiben »


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