Schwangerschaft
Grippe-Impfung für werdende Mütter - echt jetzt?

Ausgerechnet Schwangeren raten Experten zur Grippe-Impfung? Ja, und sie haben große internationale Studien auf ihrer Seite. Danach schützt die Impfung nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern auch die ihres ungeborenen Babys. Hier alle wichtigen Fragen und Antworten.

Schwangere mit Schnupfen
© iStock, Antonio_Diaz
Inhalt: 
Was hat eine Schwangere davon, sich gegen Grippe impfen zu lassen?Nützt die Grippe-Impfung wirklich auch dem Baby?Wann sollen Schwangere sich impfen lassen?Warum wird nicht allen Schwangeren empfohlen, sich schon in den ersten drei Monaten impfen zu lassen?Was kann die Grippe-Impfung nicht?Was kann ich sonst noch tun, um mich vor einer Grippe-Infektion zu schützen?Wo finde ich mehr Infos?

Was hat eine Schwangere davon, sich gegen Grippe impfen zu lassen?

Im Gegensatz zu einer Erkältung, die oft auch Grippe oder grippaler Infekt genannt wird, ist eine echte Grippe ( Influenza) eine schwere Krankheit, die Wochen dauert, den Körper sehr schwächt und anfällig für bestimmte Bakterien macht. Bei schweren Verläufen droht zum Beispiel eine Lungenentzündung. In der Schwangerschaft erhöht eine Influenza die Gefahr von Wachstumsverzögerungen beim Ungeborenen sowie von Fehl- oder Frühgeburten.
Zwar lassen sich die Symptome der Grippe mit bestimmten Medikamenten abschwächen. Wie viele andere Medikamente auch, können virale Grippemedikamente in der Schwangerschaft nur nach strenger Prüfung im jeweiligen Einzelfall gegeben werden. Deshalb ist es sicherer, die Infektion mit der Impfung zu verhindern. Die Kosten für den Impfschutz übernehmen übrigens die Krankenkassen.

Nützt die Grippe-Impfung wirklich auch dem Baby?

Ja. Das Baby kommt ja mit dem Nestschutz auf die Welt, mit dem es in den ersten Lebensmonaten gegen alle Keime geschützt ist, gegen die auch die Mutter immun ist. Wenn sie sich hat impfen lassen, gilt der Impfschutz auch für das Baby.
Was das in der Praxis bedeutet, haben Forscher von der Universität Utah in Salt Lake City genauer untersucht. Sie sahen sich die Gesundheitsdaten von fast 250.000 Schwangeren und ihren Kindern an, und zwar während neun Wintern in den Jahren 2005 bis 2014. (Die Daten hatte eine Krankenkasse gesammelt.) Rund zehn Prozent der Schwangeren hatten sich nach eigenen Angaben gegen Influenza impfen lassen.
Im untersuchten Zeitraum erkrankten 658 Babys (bis sechs Monate) an Influenza, 638 von nicht geimpften Müttern, 20 von geimpften Müttern. 151 dieser Babys mussten sogar im Krankenhaus behandelt werden, bis auf drei alle von ungeimpften Müttern. Wegen dieser klaren Ergebnisse plädieren die Wissenschaftler für eine Grippeimpfung von Schwangeren – zum Schutz der Babys. Hier kann man die Studie nachlesen (auf Englisch).

Wann sollen Schwangere sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO), eine unabhängige Expertengruppe, empfiehlt allen gesunden Schwangeren die Grippeimpfung ab dem vierten Schwangerschaftsmonat. Schwangere mit chronischen Grunderkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck sollten sich bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel gegen Grippe impfen lassen, weil bei ihnen die Gefahr von Komplikationen besonders hoch ist.

Warum wird nicht allen Schwangeren empfohlen, sich schon in den ersten drei Monaten impfen zu lassen?

Das Robert-Koch-Institut erklärt es so: Die Impfung ist grund­sätz­lich in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Allerdings gibt es im ersten Drittel der Schwangerschaft natürlicherweise vermehrt Fehlgeburten. Würden Schwangere sich in den ersten Wochen gegen Grippe impfen lassen und bald darauf zufällig eine Fehlgeburt erleiden, so würde sie das seelisch wahrscheinlich sehr belasten.

Wieso ist sich die Ständige Impfkommission so sicher, dass die Impfung Schwangeren nicht schadet?

Bei der Impfung werden nur Teile abgetöteter Erreger verwendet. Deshalb ist es ausgeschlossen, dass Mutter und Kind sich durch die Impfung mit dem Grippeerreger anstecken. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass nach einer Grippeimpfung die Gefahr einer Frühgeburt oder eines Kaiserschnitts nicht erhöht ist, und dass sich der Gesundheitszustand des Neugeborenen nicht unterscheidet.

Was kann die Grippe-Impfung nicht?

  • Hundertprozentig vor Influenza schützen. Bei Kindern liegt die Erfolgsrate bei bis zu 75 Prozent, bei Erwachsenen bei bis zu 67 Prozent. 
  • Vor Erkältungen schützen. Erkältungen werden von anderen Erregern ausgelöst und haben mit der echten Influenza nichts zu tun.
  • Unbegrenzte Zeit vor Grippe schützen: Jedes Jahr gehen neue Influenza-Viren um die Welt. Damit die Menschen gegen die jeweils neuen Erreger geschützt sind, müssen sie neu geimpft werden.

Was kann ich sonst noch tun, um mich vor einer Grippe-Infektion zu schützen?

Diese Hygiene-Maßnahmen verringern das Ansteckungsrisiko:
  • Regelmäßig die Hände mit warmem Wasser und Seife waschen, auch zwischen den Fingern.
  • Papiertaschentücher möglichst nicht mehrfach benutzen und schnell entsorgen.
  • Niemals in die Hand niesen oder husten, sondern in die Armbeuge.

Wo finde ich mehr Infos?

Am besten beim Robert-Koch-Institut Berlin und bei der Gesundheitszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch die WHO spricht sich für die Influenza-Impfung in der Schwangerschaft aus.
Von:Christine Brasch