Zwillinge
 
Kuscheln Zwillinge schon im Mutterleib?

Verhalten sich Babys schon im Mutterleib sozial? Italienische Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden: Zwillinge fangen schon früh an, sich gegenseitig vorsichtig zu berühren. Nicht per Zufall oder als Reflex, sondern offenbar ganz zielgerichtet.

Berührungen nur ein Reflex?

Zwillinge : Kuscheln Zwillinge schon im Mutterleib?

Wenn Neugeborene auf die Welt kommen, fangen sie an, soziales Verhalten zu erlernen. Sie beobachten Mama und Papa, kommunizieren mit ihnen und versuchen, sie nachzuahmen. Aber dass sich Babys auch schon im Mutterleib sozial verhalten können, ist eine neue, überraschende Erkenntnis. Um dies herauszufinden, beobachtete eine Forschergruppe um Umberto Castiello von der Universität Padua Zwillinge im Mutterleib. Dass sich diese gegenseitig berühren, wurde bereits vielfach erforscht. Nur: Bisher wurde davon ausgegangen, dass die Berührungen eher als Reflex und nicht bewusst ablaufen.

Vorsichtig nähern sie sich dem Geschwisterkind

Die Ergebnisse der neuen Studie deuten aber eher auf eine zielgerichtete Handlung hin: Wenn die Zwillinge sich gegenseitig berühren, dann tun sie dies vorsichtiger als wenn sie sich selbst berühren, so die Forschergruppe, die ihre Studie im Fachmagazin "Plos One"(Zum Artikel: www.plosone.org) veröffentlicht hat. Eine Beobachtung, die darauf schließen lässt, dass Menschen offenbar schon sehr früh zu sozialem Verhalten fähig sind.

Das Interesse am Zwilling wächst

Auf der Ultraschall-Aufnahme kann man erkennen, wie ein Zwilling den anderen am Kopf berührt.
www.plosone.org
Auf der Ultraschall-Aufnahme kann man erkennen, wie ein Zwilling den anderen am Kopf berührt.

Für ihre Studie "filmten" die italienischen Wissenschaftler fünf Zwillingspaare im Mutterleib - jeweils in der 14. und dann wieder in der 18. Schwangerschaftswoche. Sie nutzten dazu den 4D-Ultraschall, bei dem das dreidimensionale Bild zusätzlich in Echtzeit wiedergegeben wird. Das heißt, es werden ständig aktualisierte Bilder von den Bewegungen der Föten gezeigt, aus denen kleine Videos entstehen. Beim Vergleich der Filme aus den jeweiligen Schwangerschaftswochen konnten die Wissenschaftler sehen, dass die ichbezogenen Handlungen im Vergleich eher zurückgingen, während die Bewegungen zum Geschwisterkind hin in der 18. Woche mehr wurden.

Langsamere Bewegungen deuten auf Vorsicht hin

Woran erkannten die Forscher aber, dass sich die Zwillinge gegenseitig vorsichtiger und zielgerichteter berührten? Sie beobachteten auch, wie sich die Föten selbst berührten oder wie sie sich auf die Uteruswand hinbewegten und stellten fest: Die Bewegungen zum Geschwisterkind hin waren langsamer und wurden auch stärker abgebremst. Die Forscher konnten auch beobachten, dass die Föten ihre Hände langsamer zu den Augen als zum Mund führten. Bewegten sie ihre Hand hingegen auf den Zwilling zu, wurden sie noch langsamer. Es scheint also möglich, dass schon Föten in der Lage sind, die Konsequenzen ihres Handels zu begreifen und zu verstehen, dass das Geschwisterkind anders berührt werden sollte als die Uteruswand.

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