Feindiagnostik
Wird der zweite Ultraschall jetzt noch genauer?

Beim zweiten, so genannten großen Ultraschall ab der 19. Schwangerschaftswoche untersucht der Arzt unter anderem die Organe Ihres Babys. Worauf er dabei besonders achtet und was er mit Ihnen noch besprechen wird, erklären wir Ihnen hier.

Feindiagnostik: Wird der zweite Ultraschall jetzt noch genauer?
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Inhalt: 
Was genau untersucht der Frauenarzt bei der Feindiagnostik?Was ändert sich jetzt bei der Feindiagnostik?Wer wird die Feindiagnostik vornehmen?Worüber wird in der Beratung zur Feindiagnostik gesprochen?Welche Krankheiten können mit dieser Feindiagnostik festgestellt werden?Tauschen Sie sich aus - in unserem Pränataldiagnostik-Forum!Der ELTERN online-Schwangerschaftskalender

Was genau untersucht der Frauenarzt bei der Feindiagnostik?

Die Mutterschaftsrichtlinien sehen in der Schwangerschaft drei Ultraschalltermine vor: einen in der neunten bis zwölften Schwangerschaftswoche, einen weiteren in der 19. bis 22. Schwangerschaftswoche und einen dritten in der 29. bis 32. Schwangerschaftswoche. Die Kosten für diese Untersuchungen tragen die Krankenkassen. Gibt es Anlass zur Sorge, ob mit dem Ungeborenen alles in Ordnung ist, kann der Frauenarzt auch weitere Ultraschalltermine ansetzen.
Der zweite Ultraschalltermin wird auch als "großer Ultraschall" bezeichnet. Denn dieses Mal untersucht der Arzt das Baby unter ganz vielen verschiedenen Gesichtspunkten: Zunächst misst er Kopfdurchmesser, Brustumfang und Länge des Ungeborenen, um sein Entwicklungsalter zuverlässig festzulegen und gegebenenfalls den Geburtstermin zu korrigieren. Anschließend überprüft er den Sitz der Plazenta und die Fruchtwassermenge. Meist kann er den werdenden Eltern nun auch sagen, welches Geschlecht das Baby hat - sofern diese das wissen wollen.
Bei diesem Untersuchungstermin nimmt der Arzt jedoch auch die so genannte Feindiagnostik vor: Er begutachtet die Organe des Babys, ob diese sich normal entwickeln. Das ist wichtig, denn viele Fehlbildungen lassen sich mittlerweile gut behandeln - wenn sie frühzeitig entdeckt werden! Bemerkt der Gynäkologe beispielsweise einen Herzfehler des Babys, so kann die Geburt auf eine für das Baby möglichst schonende Art geplant werden, um die Fehlbildung anschließend sofort zu behandeln. Vielfach ist es heutzutage sogar möglich, das Baby noch im Mutterleib zu operieren.

Was ändert sich jetzt bei der Feindiagnostik?

Der zweite Ultraschall ist nach wie vor der Termin, an dem die Organe des Ungeborenen besonders gründlich untersucht werden. Gemäß den Mutterschaftsrichtlinien soll der Frauenarzt dabei systematisch unter anderem folgende Aspekte beim Ungeborenen begutachten:

  • Das Kleinhirn
  • Die linksseitige Herzposition
  • Alle vier Kammern des Herzens
  • Die Haut am Rücken
  • Die vordere Bauchwand
  • Der Magen
  • Die Nieren
  • Die Harnblase
Messung der Femurlänge in SSW 21

Wer wird die Feindiagnostik vornehmen?

Da die Feindiagnostik während des regulären zweiten Ultraschalls durchgeführt wird, soll sie durch den behandelnden Frauenarzt in seiner Praxis durchgeführt werden. Den Mutterschaftsrichtlinien zufolge sollen deshalb alle Gynäkologen entsprechend weiter qualifiziert werden.
Die Ultraschall-Experten der DEGUM sind jedoch skeptisch, ob eine solche Weiterbildung ausreicht. So seien viele Fehlbildungen so selten, dass mancher Frauenarzt sie unter Umständen während seines gesamten Berufslebens überhaupt nicht oder höchstens ein Mal zu Gesicht bekommen würde. Ob er eine solche Anomalie dann als solche erkennen würde, sei fraglich.
Werdende Eltern, die ganz sicher sein wollen, sollten sich daher für die Feindiagnostik an einen speziell geschulten Mediziner wenden, der zudem über modernste Geräte verfügt. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt am besten ganz offen nach seiner DEGUM-Qualifikationsstufe. Bei einer "I" sollten Sie im Zweifel um die Überweisung an einen gemäß Qualifikationsstufe "II" ausgebildeten Kollegen bitten - denn der ist dann tatsächlich ein Experte für Feindiagnostik.

Worüber wird in der Beratung zur Feindiagnostik gesprochen?

Zusätzlich zu dem um die Feindiagnostik erweiterten Ultraschall-Srceening zwischen der 19. und der 22. Schwangerschaftswoche sollen die werdenden Eltern künftig auch umfassend über die Untersuchung informiert werden - und zwar auch schon vor der Untersuchung. Dabei soll der Arzt abklären, ob die werdenden Eltern überhaupt Ultraschalluntersuchungen wünschen, und ob sie beim zweiten Ultraschalltermin das erweitertes Screening durchführen möchten. So soll die Grenze zwischen normalem Ultraschall und Pränataldiagnostik deutlicher gezogen werden. Auch das Recht der Eltern auf Nichtwissen soll so gestärkt werden.
Dabei soll der Gynäkologe nicht nur die Besonderheiten der Untersuchung erläutern, sondern auch die Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse sowie die möglichen Konsequenzen. "Wichtig ist nicht nur, dass die Beratung umfassend erfolgt, sondern dass sich der Arzt auch mit dem nötigen Einfühlungsvermögen versichert, dass die Botschaft bei den Frauen angekommen ist", mahnt Professor Annegret Geipel, Leiterin der Pränatalen Medizin in der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn. Außerdem müssten die Schwangeren darüber informiert werden, welche Untersuchungen tatsächlich zur regulären Schwangerenvorsorge gehörten - und welche sie als IGEL-Leistungen aus eigener Tasche bezahlen müssten

Welche Krankheiten können mit dieser Feindiagnostik festgestellt werden?

Profil in SSW 20
Profil in SSW 20
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Stoffwechselerkrankungen oder Chromosomenstörungen des Ungeborenen wird man leider nicht immer bloß per Ultraschall feststellen können. Doch die Feindiagnostik kann durchaus helfen, eine ganze Reihe von Anomalien noch vor der Geburt festzustellen. Dazu gehören bei der in Spezialpraxen angebotenen Feindiagnostik neben weniger gravierenden und gut behandelbaren Fehlbildungen wie Lippenspalten, Fehlbildungen der Finger oder Lücken in der Herzscheidewand zahlreiche weitere Störungen. Einige davon skizzierte Dr. Ute Germer, Vorsitzende der Sektion Gynäkologie und Geburtshilfe der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), bei der Vorstellung der neuen Mutterschaftsrichtlinien. Dazu gehören:

  • Lücken in der vorderen Bauchwand oder im Zwerchfell, die nach der Geburt operativ verschlossen werden müssen.
  • Schwerwiegendere Herzfehler, die aber an einem Herzzentrum versorgt werden müssen.
  • Zystische Lungenerkrankungen, die die Lungenreife des Ungeborenen beeinträchtigen und beim Neugeborenen einen Sauerstoffmangel verursachen können.
  • Zystische Veränderungen der Niere oder Harnaufstau im Nierenbecken - beides erhöht das Risiko einer Niereninfektion.
  • Fehlender Verschluss der Wirbelsäule mit Störungen der Nerven in den Beinen.
  • Erweiterung der Hirnkammern - ein häufiges Zeichen für eine Infektion, die behandelt werden muss.
  • Extremitäten- und Skeletterkrankungen.
  • Größere Lippen-Kiefer-Spalten.

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Von:Jennifer Litters