Babywatching
 
Fötuspartys - verlockend oder übertrieben?

In den USA ist das so genannte Babywatching längst Trend. Auch bei uns locken die ersten Unternehmen mit einem Ultraschall des Ungeborenen im Beisein von Freunden und Verwandten. Was halten Sie von solchen Fötuspartys?

Babywatching, Fötusparty - was passiert da eigentlich?

Babywatching: Fötuspartys - verlockend oder übertrieben?

So wie vor ein paar Jahren die Welle der Babyshower-Partys aus den USA nach Deutschland schwappte, bei der die Mama in spe mit ihren Freundinnen ein Fest feiert und Geschenke fürs Baby erhält, so wurden auch "Babywatching" oder "Fötusparty" genannte Events zuerst jenseits des großen Teiches populär.

Das Prinzip ist simpel: In eigenen Studios bieten kommerzielle Unternehmen einen Ultraschall des Ungeborenen an, meist sogar in 3D. Der Ultraschall wird jedoch nicht von einem Mediziner durchgeführt, sondern von einem Angestellten im Studio. Und: Die Präsentation des Babys per Ultraschall erfolgt nicht nur unter den Augen der werdenden Eltern, sondern diese dürfen auch Familienangehörige oder Freunde mitbringen. Gemeinsam können sich dann alle an dem kleinen Wunder erfreuen und sich anschließend darüber austauschen, ob etwa die kleine Stupsnase des Ungeborenen nicht jetzt schon genauso aussieht wie die der Mutter. Anschließend haben die Eltern in der Regel noch die Möglichkeit, die Ultraschallbilder als Erinnerung zu erwerben, etwa auf einer DVD.

Das Wirtschaftsmagazin "Capital" hat in England und den USA mittlerweile sogar schon eine Weiterentwicklung des Trends zum Babywatching ausgemacht. Dabei werden die Gäste nicht mehr in ein Ultraschall-Studio geladen, sondern ins eigene Heim - und dort wird dann ein gemietetes Ultraschallgerät aufgestellt.

Was kostet Babywatching?

Die im bayerischen Aiching ansässige Firma "Babyfacing" beispielsweise berechnet für eine zehnminütige 2D-Ultraschallsitzung inklusive vier schwarz-weißer Bilder 35 Euro. Für eine 45-minütige Sitzung inklusive 3D- und 4D-Ultraschall müssen die Eltern 110 Euro berappen. Dafür gibt es aber auch mindestens zehn schwarz-weiße Aufnahmen plus sechs hochauflösende Farbbilder. Zuschläge von zehn Euro werden außerdem fällig, wenn das Babywatching am Feierabend nach 18 Uhr oder am Samstag stattfinden soll. Geschäftstüchtig: Wer ein 3D-Paket bucht, muss sich zumindest nicht mehr so viele Gedanken über die Kosten machen, wenn er das Ungeborene noch öfter sehen möchte. Denn für den zweiten und dritten Besuch gibt es dann 20 Prozent Nachlass auf den Gesamtpreis.

Möchten die werdenden Eltern die Ergebnisse des Babywatchings mit nach Hause nehmen, haben sie die Wahl zwischen dem 4D-Video auf DVD für 20 Euro oder den Fotos auf CD-Rom (zehn Euro). Wer am nächsten Tag im Büro gerne noch mehr als die im Paket bereits enthaltenen Ausdrucke vorzeigen möchte, kann für weitere zehn Euro entweder zwei Bilder im Format 13 x 18 oder vier Fotos im Format 9 x 13 erwerben.

Warum ist Babywatching umstritten?

Babywatching ersetzt keine medizinische Diagnostik!

Keine Frage: Den Trend zu häufigeren Ultraschallaufnahmen als den drei in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen gibt es schon seit Jahren. Schließlich gilt unter Experten mittlerweile als gesichert, dass die Schallwellen dem Ungeborenen nicht schaden. Und wenn man ehrlich ist, darf man nicht unter den Tisch fallen lassen, dass viele Ärzte gut daran verdienen: Immerhin kostet ein 3D- oder 4D-Ultrachall bis zu 250 Euro - und die Krankenkasse zahlt nur bei erwiesener medizinischer Notwendigkeit.

Auch das Geschäft mit der mehr oder weniger künstlerischen Weiterarbeitung von Ultraschallaufnahmen des Ungeborenen boomt: Ob als farbig coloriertes Wandbild oder als Glasgravur - für beinahe jeden Geschmack gibt es das passende Angebot.

Der große Unterschied beim Babywatching: Hier wird das Baby nicht von medizinisch ausgebildetem Personal geschallt, sondern von Laien. Zwar betont "Babyfacing" auf seiner Website, dass der Ultraschall von Mitarbeiterinnen mit einer "geburtshilflichen, sonographischen Ausbildung" durchgeführt würde. Eine medizinische Diagnostik findet jedoch nicht statt - auch darauf weisen sowohl die Betreiber von "Babyfacing" als auch die des Erfurter Unternehmens "Baby 4D" hin. Bei "Babyfacing" unterschreibt die Schwangere sogar vor Beginn des Babywatchings, dass es sich eben nicht um eine medizinische Untersuchung handelt. Andererseits bietet das Unternehmen schon beim 2D-Ultraschall auch eine Geschlechtsbestimmung an. "Babyfacing"-Gründer Markus Heckemann stellt jedoch klar: "Wenn die werdenden Eltern zu uns kommen, haben sie von Ihrem Arzt bereits eine Aussage zum Geschlecht bekommen. Bei uns geht es den Eltern dann eher darum, in entspannter Atmosphäre noch mal nachzuschauen."

Was aber, fragen Kritiker, wenn auf dem Bildschirm aus heiterem Himmel für alle Anwesenden ersichtlich ist, dass mit dem Kind etwas nicht in Ordnung ist? Wer fängt dann die schockierte Schwangere auf, wer leitet das weitere Vorgehen in die Wege? Oder anders herum: Wenn die Studio-Mitarbeiterin auf dem Ultraschall eine Unstimmigkeit nicht bemerkt - besteht dann nicht die Gefahr, dass die Eltern sich in falscher Sicherheit wiegen und eventuell beim Gynäkologen auf eine Untersuchung verzichten, die eine rechtzeitige Behandlung hätte einleiten können?

Zusammen mit dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) solche Fötuspartys deshalb scharf kritisiert. Mehr noch: Mit Blick auf das Medizinproduktegesetz seien solche Angebote der Auffassung ihrer Mitglieder nach sogar illegal. Denn das Gesetz schreibe vor, dass Ultraschallgeräte als Medizinprodukte in Deutschland nur "ihrer Zweckbestimmung entsprechend" betrieben werden dürften. Und das auch "nur von Personen ..., die dafür die erforderliche Ausbildung, Kenntnis oder Erfahrung besitzen." Bei einer Schwangeren und ihrem ungeborenen Kind etwa gehörten dazu zwingend nicht nur ein abgeschlossenes Medizinstudium als Frauenarzt, sondern darüber hinaus noch eine besondere Qualifikation für Ultraschalluntersuchungen.

Vorwürfe, die Markus Heckemann von "Babyfacing" nicht treffen. "Ein Ultraschallgerät wird bei uns nur von ausgebildeten und von der 'DEGUM', der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin zertifizierten Personen betrieben." Auch die Sorge, dass die Schwangeren sich nach einem Besuch in seinem Studio in falscher Sicherheit wiegen würden, teilt Heckemann nicht: "Die schwangeren Mütter kommen zu einem relativ späten Zeitpunkt der Schwangerschaft zu uns, so dass sie vorher von ihren Frauenärzten immer Bescheid wissen über die aktuelle Entwicklung ihres Babys."

Eine richtige Fötus-Party werde es zudem bei "Babyfacing" nicht geben, betont der Firmengründer, denn: "Eine derartige Ausgestaltung des Baby-Ultraschalls halten wir für moralisch äußerst bedenklich." Meist seien im Studio nur die Eltern zugegen, ab und zu vielleicht noch die Großeltern. Und auch die anderen Mitbewerbern würden in Deutschland seiner Kenntnis nach bislang jeden "Party-Charakter" vermeiden. "Das Einzige, was wir machen ist, Müttern und Vätern in einer angenehmen Umgebung mit ein paar schönen Bildern von ihrem in der Entwicklung befindlichen Kindlein eine Freude zu bereiten."

Was halten Sie von Babywatching?

Zugegeben: Die Vorstellung, etwa den eigenen Eltern nicht nur die Ultraschallbilder zu präsentieren, sondern sie direkt beim Schallen dabei zu haben, ist schön. Trotzdem haben die Kritiker des Babywatching gewichtige Argumente auf ihrer Seite. Und was halten Sie von diesem neuen Trend? Machen Sie mit bei unserer Umfrage - und wenn Sie mögen, schreiben Sie uns auch noch gerne Ihre ausführliche Meinung in Form eines Kommentars unter diesen Artikel.

Babywatching, Fötuspartys - wie stehen Sie zu solchen Angeboten?