Infektionen
Toxoplasmose: Übertragung und Risiko in der Schwangerschaft

Toxoplasmose ist eine ungefährliche Infektion - es sei denn, Du bist schwanger. Denn beim ungeborenen Kind kann die Krankheit zu schweren Schäden führen. Zum Glück sind viele Frauen in der Schwangerschaft schon immun gegen den Parasiten - und die übrigen können sich gut gegen eine Übertragung schützen. Wir sagen, wie.

Katze im Bett
© iStock, tompfeller
Inhalt: 
Was ist Toxoplasmose?Wie können Menschen sich mit Toxoplasmose anstecken?An welchen Symptomen erkennt man eine Toxoplasmose-Infektion?Wie gefährlich ist Toxoplasmose?Was bringt die Erreger zum Absterben? Wie können Schwangere sich vor einer Übertragung von Toxoplasmose schützen?Was kann eine Frau in der Schwangerschaft noch tun, um sich zu schützen?Kann ich feststellen, ob ich immun gegen Toxoplasmose bin?Lässt sich eine Toxoplasmose in der Schwangerschaft noch behandeln?

Was ist Toxoplasmose?

 Eine Toxoplasmose ist eine Infektion mit bestimmten einzelligen Parasiten, in der Fachsprache wird der Parasit "Toxoplasma gondii" genannt. Wahrscheinlich ist keine Parasiten-Infektion häufiger, man schätzt, dass ein Drittel aller Menschen auf der Welt schon Kontakt mit dem Parasiten hatte.
Toxoplasmen leben in Säugetieren, etwa Rindern, Schweinen und Schafen, aber auch in Ratten und Mäusen. Dort sitzen sie vor allem im Muskelgewebe. Um Eier zu bilden, brauchen die Parasiten aber immer eine Katze. Wenn eine Katze das Fleisch einer infizierten Maus oder Ratte frisst, gelangen die Toxoplasmen in den Darm und bilden dort Eier ("Oozysten"). Diese Oozysten scheidet die Katze dann mit dem Kot aus. Zwei bis vier Tage später sind die Oozysten selbst infektiös und können im Erdreich lange überleben. Wind, Regen und Oberflächenwasser können sie weit verbreiten. Frisst ein Tier mit Oozysten verseuchtes Futter, entwickeln sich Toxoplasmen, die ins Muskelgewebe wandern und dort bleiben.

Wie können Menschen sich mit Toxoplasmose anstecken?

Am häufigsten stecken sich Menschen mit Toxoplasmose an, indem sie rohes oder nicht genügend erhitztes Fleisch von infizierten Tieren essen, außerdem mit Oozysten verseuchtes Obst oder Gemüse. Gefährlich kann auch der Kontakt mit Gartenerde sein, wenn frei laufende Katzen Zugang zum Garten haben, und natürlich der direkte Kontakt mit Katzenkot.

An welchen Symptomen erkennt man eine Toxoplasmose-Infektion?

Oft verläuft die Infektion mit den Parasiten ohne jedes Symptom und bleibt deshalb unentdeckt. Wenn die Betroffenen Symptome spüren, dann ähneln sie meist denen eines leichten grippalen Infekts mit geschwollenen Lymphknoten, Mattigkeit, leichtem Fieber, Gliederschmerzen und manchmal Durchfall.

Wie gefährlich ist Toxoplasmose?

Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich. Im Durchschnitt hat etwa die Häfte aller Erwachsenen schon mal Kontakt mit Toxoplasmen gehabt, oft ohne Symptome, und ist deshalb gegen eine weitere Infektion geschützt. (Bei jüngeren Menschen sind es meist weniger als die Hälfte, bei steigendem Lebensalter werden es immer mehr.)
Auch für Schwangere selbst ist die Toxosplasmose harmlos. Für das ungeborene Kind dagegen kann die Infektion dagegen sehr gefährlich werden. Schwere Entwicklungsstörungen, Frühgeburten und im schlimmsten Fall Totgeburten drohen.
Deshalb ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft eine meldepflichtige Krankheit. Für 2015 meldete das Robert-Koch-Institut für Deutschland nur 14 Infektionen in der Schwangerschaft (auf rund 700.000 Geburten). Das klingt sehr wenig, allerdings werden auch nur die Infektionen erfasst, die überhaupt bemerkt wurden. Fachleute nehmen an, dass es in Wirklichkeit fünfzehnmal so viele Infektionen in der Schwangerschaft gibt.

Was bringt die Erreger zum Absterben?

Toxoplasmen unter dem Mikroskop
iStock, Dr_Microbe

Toxoplasma gondii ist zum Glück recht hitzeempfindlich. Der Erreger stirbt ab, wenn Lebensmittel gekocht, gebraten oder pasteurisiert werden. Wichtig: Überall im Fleisch müssen für ein bis zwei Minuten 67 Grad erreicht werden. Kurzes Erhitzen in der Mikrowelle genügt also auf keinen Fall.
Auch gründliches Einfrieren habe einen abtötenden Effekt auf die Erreger, so das Bundesinstitut für Risikobewertung, allerdings reiche es nicht sicher aus, weil es Stämme von Toxoplasma gondii gibt, die gegen Einfrieren resistent sind.

Wie können Schwangere sich vor einer Übertragung von Toxoplasmose schützen?

Vor allem durch Vorsicht bei der Ernährung:

  • Schwangere sollten Fleisch nur durchgebraten oder gekocht essen, also kein rohes Fleisch, etwa in Form von blutigen Steaks, Tatar, Mett oder Roastbeef
  • Auch keine rohen Wurstwaren wie Mettwurst, Rohschinken, Teewurst oder Salami verzehren
  • Rohes Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich abwaschen, schälen beziehungsweise kochen
  • Lebensmittel mit anhaftender Erde wie Kartoffeln oder Karotten nicht mit anderen Lebensmitteln lagern, da die Erreger dann weitergegeben werden können
  • Beim Umgang mit rohem Fleisch oder Gemüse auf sorgfältige Hygiene achten, vorher und hinterher sorgfältig Händewaschen und Messer, Bretter etc. reinigen
  •  Auf Salatblättern können ebenfalls Toxoplasmose-Erreger sitzen - vor allem auf solchen aus Freilandanbau. Die ganzen Salatblätter in einer großen Schüssel (am besten eine weiße Plastikschlüssel) mit sehr viel kaltem Wasser waschen. Das Wasser so oft erneuern, bis Du auf dem Grund nichts mehr findest
  • Auf fertig geschnittene Salate und Smoothies auf frischem Gemüse aus Saftbars besser verzichten
  • Ziegenmilch: Es passiert zwar selten, doch auch in Ziegen- und Schafsmilch wurden Toxoplasmose-Erreger gefunden. Deshalb nur pasteurisierte Produkte aus solcher Milch konsumieren

Was kann eine Frau in der Schwangerschaft noch tun, um sich zu schützen?

Erreger, die von freilaufenden Katzen mit dem Kot ausgeschieden werden, können in feuchter Erde oder feuchtem Sand bis zu 18 Monate lang ansteckend bleiben und auch in Gewässer geschwemmt werden. Deshalb:

  • Bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen und die Hände hinterher gründlich waschen
  • In der Natur kein ungefiltertes Wasser aus Seen oder Bächen trinken
  • Sandspielkästen möglichst abdecken, wenn sie nicht benutzt werden
  • Möglichst Kontakt mit Sand von öffentlichen Sandkästen vermeiden. Das ist natürlich schwierig, wenn man schon ein größeres Kind hat. In dem Fall nach dem Spielpaltzbesuch immer gründlich Hände waschen
  • Keine freilaufenden Katzen streicheln, oder danach gründlich die Hände waschen
  • Die eigene Katze nicht mit rohem Fleisch füttern
  • Wenn die eigene Katze keine reine Wohnungskatze ist: während der Schwangerschaft die Reinigung des Katzenklos besser einem Familienmitglied überlassen. Falls das nicht geht: Gummihandschuhe verwenden und anschließend die Hände waschen
  • Das Katzenko sollte täglich mit heißem Wasser gereinigt werden, weil Parasiten mindestens zwei Tagen nach dem Ausscheiden brauchen, um infektiös zu werden

Kann ich feststellen, ob ich immun gegen Toxoplasmose bin?

Ja, beim Frauenarzt kannst Du als IGeL-Leistung einen relativ unkomplizierten Toxoplasmose-Test mit einer Blutuntersuchung durchführen lassen. Dazu nimmt der Arzt ein wenig Blut ab. Anschließend wird dieses auf mögliche Antikörper untersucht. Sind Antikörper vorhanden, ist das ein sicheres Zeichen, dass Du Dich in der Vergangenheit bereits infiziert hattest und nun immun bist - dem ungeborenen Kind kann also nichts mehr passieren. Die Kosten für den Toxoplasmose-Test (etwa 15 bis 20 Euro) werden übrigens nicht von den Krankenkassen übernommen, es sei denn, es besteht ein begründeter Verdacht, dass die Schwangere sich akut mit der Krankheit infiziert hat.

Lässt sich eine Toxoplasmose in der Schwangerschaft noch behandeln?

Ja, eine Erkrankung der Mutter kann auch während der Schwangerschaft mit bestimmten Antibiotika behandelt werden. Wichtig auch: Selbst wenn die Mutter eine akute Toxoplasmose-Infektion hat, heißt das nicht unbedingt, dass das Baby sich auch infiziert, und selbst wenn, dass es Schaden nimmt. Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Zeitpunkt der Infektion, dem Immunsystem der Mutter, der Art und der Menge der Erreger. Auf jeden Fall wird die Schwangerschaft bei der Behandlung einer akuten Erkrankung engmaschig überwacht. 

Von:Christine Brasch