Wehenschmerzen
So kommen Babys in anderen Kulturen zur Welt

Stellen Sie sich vor, die Wehen sind gerade besonders schmerzhaft und Sie dürfen keinen Mucks von sich geben, keine Miene verziehen. Unvorstellbar? Für viele Mütter in anderen Kulturen aber Realität. Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Geburtsritualen in aller Welt - und sind dabei auch auf wunderbare, geheimnisvolle und berührende Bräuche gestoßen.

Inhalt: 
Mythen um die Wehenschmerzen in vielen KulturenUmgang mit dem GeburtsschmerzRituale rund um die GeburtDie Gebärposition
Wehenschmerzen : So kommen Babys in anderen Kulturen zur Welt

Gehe ich ins Krankenhaus oder ins Geburtshaus? Lasse ich mir die Wehenschmerzen durch eine PDA ein wenig erleichtern oder will ich so natürlich wie möglich gebären? Soll der Vater dabei sein oder ist er mir eigentlich mehr Last als Hilfe? Das sind die Fragen, die sich Schwangere in Deutschland stellen, wenn sie sich auf ihre Geburt vorbereiten. In manchen Foren diskutieren die Frauen auch: Ist es eigentlich peinlich, wenn ich meine Schmerzen laut hinausbrülle? Nein, das wird dir helfen, raten dann die meisten.

Mythen um die Wehenschmerzen in vielen Kulturen

Welch ein Glück wir haben! Das denkt, wer erfährt, wie in vielen anderen Kulturen mit den Wehenschmerzen umgegangen wird. Ist es peinlich zu schreien? Das ist dort gar nicht die Frage. Die werdende Mutter muss eisern die Zähne zusammenbeißen - sonst beleidigt sie die Ehre der Familie, bekommt kein braves Kind (Thailand) oder wird gar unfruchtbar (Benin). Die französische Psychologin und Psychotherapeutin Lise Bartoli hat sich auf die Suche gemacht nach den Geburtsritualen in aller Welt und dabei erschreckende, aber auch wunderbar ergreifende Geschichten zusammengetragen*. Denn ist auch der Umgang mit den Wehen in vielen Kulturen Afrikas und Asiens unbarmherzig und hart - so wird den Frauen dort auch unglaublich viel Zuwendung, Unterstützung und Geduld entgegengebracht. Ein Ritual mit geheimnisvollen, uralten Traditionen ist die Geburt. Und deswegen denkt man auch manchmal: Haben die ein Glück! Können wir uns von anderen Kulturen vielleicht etwas abgucken? Entscheiden Sie selbst.

Umgang mit dem Geburtsschmerz

Asien
Eine werdende Mutter in Thailand hat es nicht leicht. Leidet sie während der Geburt, schreit womöglich sogar, dann hat das nach dem dortigen Glauben weitreichende Konsequenzen: Ihr Kind wird wahrscheinlich frech werden und nicht gehorchen. Beißt sie aber die Zähne zusammen und zeigt keine Regung, dann wird sie mit einem äußerst braven Kind belohnt. Ein unglaublicher Druck, der da auf den Frauen lastet. Für die Buddhisten hat der Geburtsschmerz aber auch noch eine andere, negative Bedeutung: Eine Schwangere, die während der Entbindung leidet, bezahlt damit die Sünden, die sie in einem ihrer früheren Leben begangen hat. Welche Frau wird da nicht versuchen, ihre Schmerzen zu unterdrücken? In Taiwan wird von den gebärenden Frauen erwartet, dass sie nicht schreit, damit die anderen Bewohner des Ortes nicht gestört werden. Die Hebammen in Malaysia beschwören während der Geburt Zauberformeln, um die Frauen von ihrem Schmerz abzulenken.

Arabische Welt
Aber auch in muslimisch geprägten Ländern wird von den Frauen oft mehr Selbstbeherrschung erwartet als das in christlich geprägten Gesellschaften der Fall ist. In Marokko unterdrücken die gebärenden Frauen den Schmerz, indem sie auf ihre Haare beißen. In Ägypten legen sich die Mütter ein Tuch in den Mund. Kein Laut soll nach außen dringen - so können die Frauen beweisen, wie tapfer sie sind.

Schwarzafrika
In Schwarzafrika aber ist der Druck auf die Frauen, ihren Schmerz zu beherrschen, am höchsten. In zahlreichen Kulturen ist das Schreien während der Geburt absolut verpönt, damit beschmutzt die Frau die Ehre ihrer Familie. Aber die Menschen haben auch Angst, dass die Schreie der werdenden Mutter böse Geister oder Hexen herbeirufen könnten. Die Bariba in Benin glauben, dass eine Frau, die sich während der Geburt wünscht, sie wäre nie schwanger geworden, zur Strafe sofort unfruchtbar wird. In Nigeria wird eine Frau auch getadelt, wenn sie nach der Geburt jemanden bittet, ihr beim Aufstehen zu helfen. Bei den Diola im Senegal ist die Geburt des ersten Kindes die Eintrittskarte der Mutter in die Gemeinschaft der Frauen des Dorfes. Schreit sie aber während der Geburt, wird sie nicht aufgenommen.

Amerika
Und wie sieht es auf dem amerikanischen Kontinent aus? In Mexiko ist den Frauen zwar erlaubt, ihre Schmerzen zu zeigen, aber sie müssen dann mit dem Spott der anderen Frauen rechnen. Gebärende auf den Antillen, weiß Bartoli, sind hingegen bekannt dafür, dass sie ihre Schmerzen laut herausschreien.

War es Ihnen peinlich, im Kreißsaal laut zu werden?

Rituale rund um die Geburt

In vielen Kulturen Afrikas und Asiens ist die Geburt ein mystisches Ereignis, bei dem es böse Geister zu bannen und gute Geister herbeizulocken gilt. Es gibt unzählige faszinierende Rituale, die die Ankunft eines neuen Menschen begleiten - einige stellen wir hier vor.
Lesen Sie hier mehr über die Geburtsrituale

Die Gebärposition

Die meisten Frauen in Deutschland gebären auf dem Rücken liegend. Das hat vor allem zwei Gründe: Der Geburtshelfer kann den Geburtsverlauf gut beobachten. Und viele Frauen können in der Zeit zwischen den Wehen im Liegen am besten entspannen. Es gibt aber auch viele Argumente dafür, in einer aufrechten Position zu gebären: So haben die Frauen mehr Kraft, können viel besser mitarbeiten und die Geburten verlaufen damit auch meist schneller. In vielen anderen Kulturen bekommen die Frauen ihre Kinder daher im Sitzen, im Stehen, in der Hocke oder kniend.
Lesen Sie hier, wie Mütter in anderen Kulturen gebären.

* "Vernir au monde. Les rites de l’enfantemant sur les cing continents." Petit Bibliothque Payot.