Speibaby - 10 häufige Fragen
 
Wie viel Spucken ist bei Babys normal?

Fast alle Babys spucken nach dem Trinken mehr oder weniger. Sind Speibabys wirklich Gedeihbabys? Oder haben sie viel mehr ein medizinisches Problem? Wie viel Speien ist eigentlich normal?

Speibaby spuckt Milch aus
iStock, jonas unruh
Inhalt: 
1. Spucken ist bei Babys ganz normal.2. In den allermeisten Fällen ist das Spucken komplett harmlos.
3. Was oben rauskommt, hat nichts mit Erbrochenem zu tun.
4. Babys spucken nicht so viel Milch, wie Eltern meinen.
5. Speien ist kein Zeichen von Überfütterung.
6. Cluster-Feeding lässt das Spucken weniger werden.
7. Babys brauchen kein Bäuerchen. 8. Nach dem Trinken: schlafen lassen. 9. Mehr als normales Spucken: der gastroösophageale Reflux.
10. Zum Glück sehr selten: der Magenpförtnerkrampf.
Weniger ist mehrBessere Technik
Warum spucken manche Babys ihre Milch in einem großen Schwall wieder aus und andere tröpfchenweise über zwei Stunden? Für Dr. Pamela Douglas, Kinderärztin und Wissenschaftlerin an der Universität Queensland, sind diese Fragen zum Lebensthema geworden. Seit knapp 30 Jahren erforscht sie, was Babys im ersten Lebensjahr für eine gesunde Entwicklung brauchen – und konzentriert sich dabei besonders auf ihr Trink- und Spuckverhalten. Ihre zehn wichtigsten Forschungsergebnisse:
 

1. Spucken ist bei Babys ganz normal.

Etwa zwei Drittel aller Babys speien in den ersten sechs Lebensmonaten einen Teil ihrer Milchmahlzeiten wieder aus. Typischerweise beginnt das Spucken gegen Ende des ersten Monats, wenn die Milchportionen langsam größer werden. Seinen Höhepunkt erreicht es im vierten Lebensmonat. Nach einem Jahr spucken Babys nur noch selten und in kleinen Mengen.


Eltern-Trick: UMZIEHEN, ADE
Um die Wäscheberge trotz Spuckbaby klein zu halten: in wasserdichte Lätzchen investieren, bei denen der Frotteestoff auf der Vorderseite die ausgespuckte 
Milch auffängt und die Plastikfolie auf der Rückseite den Rest der Kleidung sauber und trocken hält.
 

2. In den allermeisten Fällen ist das Spucken komplett harmlos.


Das sieht man schon daran, dass sich so viele Babys trotzdem wunderbar entwickeln: Nimmt Dein Kind ganz normal zu und hat es beim Spucken offensichtlich keine Schmerzen, kannst Du ganz entspannt bleiben. Das „Ventil“ am Mageneingang – es verhindert, dass Essen wieder in die Speiseröhre zurückläuft – muss bei Deinem Baby einfach noch ein bisschen kräftiger werden.
 

3. Was oben rauskommt, hat nichts mit Erbrochenem zu tun.


Was ist es dann? Geronnene Milch. Anders als bei richtigem Erbrechen ist die aufgestoßene Milch bei Speibabys in den ersten zwei Stunden nach einer Mahlzeit mehr oder weniger pH-neutral, also kaum mit Magensäure versetzt. Das heißt: Solange Babys nichts als Muttermilch beziehungsweise Pulvermilch zu sich nehmen, müssen Eltern keine Sorge haben, dass Speiseröhre und Mundraum der unangenehmen Säure ausgesetzt sind, die wir selbst von Magen-Darm-Infekten kennen.
 

4. Babys spucken nicht so viel Milch, wie Eltern meinen.


Sollen Mütter und Väter die Milchmenge abschätzen, die ihr Kleines regelmäßig wieder aufstößt, liegen sie oft meilenweit daneben. Der Grund: Um einen Babybody komplett zu durchnässen, reichen schon wenige Milliliter Milch. Und selbst wenn ein Baby gefühlt die gesamte Stillmahlzeit im großen Schwall erbricht, bleibt im Normalfall mindestens noch mal so viel Milch im Magen zurück. Das einzige zuverlässige Indiz dafür, ob ein Baby tatsächlich genug Milch bekommt, ist die Gewichtsentwicklung. Solange die nach oben zeigt, darf es spucken, so viel es will.
 

5. Speien ist kein Zeichen von Überfütterung.


Auch wenn man es vermuten könnte: Spuckende Babys haben sich nicht etwa „überfressen“. Es ist eher so: Speibabys trinken oft besonders gut, weil sie intuitiv spüren, dass sie aufgrund ihres unreifen Magenventils einen Teil ihrer Kalorien gleich wieder hergeben werden. Deshalb gilt für sie genau wie für alle anderen Babys: Mit Muttermilch oder Pre-Milch kann man ein Baby nicht überfüttern.
 

6. Cluster-Feeding lässt das Spucken weniger werden.


Drei, vier Stunden Pause zwischen zwei Milchmahlzeiten gelten vielen Eltern als normal und erstrebenswert. Douglas’ Untersuchungen zeigen jedoch: Genau diese Fütterpraxis in westlichen Industriestaaten führt dazu, dass Babys bei uns viel mehr spucken als in anderen Kulturen. Der Grund: Wenige große Milchmahlzeiten sind für den Babymagen deutlich schwerer zu verdauen als mehrere kleine Mahlzeiten. Das sogenannte Cluster-Feeding, bei dem Babys insbesondere in den Abendstunden dazu neigen, im Viertelstundentakt einige Schlucke Milch zu trinken, ist deshalb eine natürliche Spuck-Prophylaxe.
 

7. Babys brauchen kein Bäuerchen.

Nach dem Trinken muss der Säugling aufstoßen – diese Weisheit wird in unserem Teil der Welt seit Generationen unhinterfragt weitergegeben. Dabei befördert das Hochnehmen und Auf-den-Rücken- Klopfen laut Douglas vor allem eins: Spucken. Die Wahrheit ist, dass Babys gar keine Hilfe brauchen, um überschüssige Luft aus ihrem Magen zu befördern. Lässt man sie nach dem Milchtrinken einfach ruhig im Arm liegen, stoßen sie ganz von selbst auf, wenn sie müssen – und spucken dabei deutlich weniger, als wenn sie aufrecht über Mamas oder Papas Schulter liegen.
 

8. Nach dem Trinken: schlafen lassen.

Den typischen Rhythmus eines Babys stellen sich viele Eltern so vor: erst trinken, dann spielen, dann schlafen. Aus physiologischer Sicht ist es aber sinnvoller, die Reihenfolge umzudrehen: Nach dem Stillen (beziehungsweise dem Fläschchen) sind viele Babys intuitiv eher auf Ruhe als auf Action gepolt. Lassen Eltern ihr Kleines an der Brust oder am Fläschchen wegdämmern, anstatt es aufzunehmen und zum Spielen zu animieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Spuck-Attacken deutlich.
 

9. Mehr als normales Spucken: der gastroösophageale Reflux.


Falls ein Baby nicht nur Milch, sondern auch rotbraune Fäden spuckt oder vom Stillen beziehungsweise von der Pre-Milch einfach nicht richtig zunimmt, ist es Zeit für einen Kinderarztbesuch. Denn auch wenn Spucken im Babyalter meist harmlos ist: Manchmal steckt ein sogenannter gastroösophagealer Reflux dahinter, der das normale Maß übersteigt und dazu führt, dass das Baby eine handfeste Gedeihstörung entwickelt. In diesem Fall kann es notwendig sein, dem Baby mit Medikamenten zu helfen.
 

10. Zum Glück sehr selten: der Magenpförtnerkrampf.


Babys mit diesem Krankheitsbild geht es richtig schlecht: Nach jeder Milchmahlzeit erbrechen sie ihren gesamtem Mageninhalt. Ihre Windeln bleiben trocken, ihre Haut wird fahl, ihr Blick apathisch. Gleichzeitig trinken sie wie verrückt, weil sie ja trotzdem Durst und Hunger haben – sie können nur nichts bei sich behalten. Schuld daran ist ein verdickter Muskelring, der den Magenausgang in Richtung Darm so zusammendrückt, dass sich der gesamte Mageninhalt rückstaut – bis er irgendwann in einer schwallartigen Fontäne nach oben schießt. Bei einer solchen Magenpförtnerkrampf hilft dem Baby nur eine Operation, bei der der Muskelring durchtrennt wird. Klingt dramatisch, doch zum Glück kann diese OP heute dank moderner Medizintechnik durch einen winzigen Bauchschnitt durchgeführt werden. Und verspricht schnelle, zuverlässige Besserung.
 

Weniger ist mehr

Babys, die viel 
spucken, bekommen seit der Jahrtausendwende europaweit immer häufiger sogenannte Säureblocker verordnet, die das Speien eindämmen sollen. Das Problem: In mehr
 als vier Fünftel aller Fälle gibt es keine medizinische Indikation dafür. Die Europäische Gesellschaft für Magen- Darmerkrankungen
 bei Kindern (ESPGHAN) mahnt deshalb zu
 mehr Zurückhaltung: Gesunde Speibabys brauchen keine Medizin!
 

Bessere Technik

Je mehr Luft ein Baby beim Trinken schluckt, desto mehr muss es danach wieder loswerden – und dabei kommt oft ein Schwall Milch mit. Schluckt ein Stillbaby beim Trinken zu viel Luft, kann eine Stillberaterin helfen: Mit verbesserten Stilltechnik lässt oft auch das Spucken nach. Fläschchen-Eltern helfen ihren Babys, indem sie Milchpulver und Wasser in der Flasche nicht einfach schütteln, sondern durch langsames Rühren vermischen und ihr Kleines beim Füttern halb aufrecht im Arm halten.