Stillen in der Schwangerschaft
Eins noch an der Brust, wieder eins im Bauch. Und jetzt?

Du bist wieder schwanger, stillst aber noch? Kann Dein Körper damit zurechtkommen? Die rein medizinischen Antworten auf diese Frage sind eindeutig. Vielleicht nicht ganz so klar: Möchtest Du diese Doppel-Forderung wirklich?

Inhalt: 
Soll ich mein Kind weiterstillen oder abstillen? Gefährde ich durch das Weiterstillen mein Baby?Wie verändert sich die Milch?Wie gelingt das Stillen in der Schwangerschaft?Das Baby ist da! Reicht die Milch wirklich für beide?Wie funktioniert das Tandemstillen am besten?Lindert das Tandemstillen die Eifersucht?Fazit: Was mache ich nun?

Dass das Stillen von zwei Kindern tatsächlich funktioniert, beweisen jeden Tag die Mütter von Zwillingen. Warum sollte es dann nicht auch bei Kindern unterschiedlichen Alters gelingen? Das sogenannte Tandemstillen ist in jedem Fall eine Möglichkeit, wenn dicht nach dem ersten Kind das zweite folgt. Aber trotzdem bleiben viele Unsicherheiten und vor allem eine Ausgangsfrage, der bestimmt viele weitere folgen:
 

Soll ich mein Kind weiterstillen oder abstillen?

Diese Frage zu beantworten, ist sicherlich nicht leicht. Vor allem dann, wenn es mit dem Stillen Deines Kleinen bisher so gut geklappt hat und Ihr es beide genießt. Schließlich bekommt Dein Kind an der Brust mehr als nur Nahrung: besondere Nähe und Geborgenheit, Mama ganz für sich. Das ist doch schön, gerade wenn Du Sorge hast, dass Dein Großes die Konkurrenz, die im Bauch wächst, irgendwie schon früh spürt. Und: Auch wenn Dein erstes Kind schon Brei oder Fingerfood isst, bekommt es über die Muttermilch wertvolle Nahrungsbausteine. Wie soll es also jetzt weitergehen? Lies hier gleich die medizinischen Fakten dazu.

Gefährde ich durch das Weiterstillen mein Baby?

Babybauch
© iStock, CentralITAlliance

Es ist wichtig, dass Du Dir darüber zunächst Gewissheit bei Deinem Frauenarzt oder Deiner Hebamme einholst. Wenn sie keine Einwände haben, dann liegt die Entscheidung bei Dir.
Denn wenn Du mit einer unkomplizierten Schwangerschaft rechnen darfst und Du ganz gesund bist, darf Dein Großes weiter an die Brust. Zwar wird beim Stillen das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das ist das Wehen-Hormon. Es sorgt dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht.  Allerdings wirkt Oxydocin in Deinem Körper nur dann, wenn die Geburt kurz bevorsteht. Vorher spürst Du allenfalls kleine Wellen in der Gebärmutter, ähnlich denen, die auch Sex auslöst. Sie gefährden die Schwangerschaft sicher nicht. 
Auch die Entwicklung Deines Babys wird durch das Weiterstillen nicht beeinträchtigt. Allerdings ist es nun noch wichtiger als schon zuvor, dass Du gut auf Deine Ernährung achtest. Um die Kraft für die Schwangerschaft und fürs Stillen aufbringen zu können, musst Du dich ausgewogen ernähren. Etwa 800 Kalorien am Tag brauchst Du mehr, wenn Du noch voll stillst. Ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche kommen noch mal 300 dazu. Den Mehrbedarf bitte nicht mit Schoko und schnellen Snacks auffüllen. Bitte wirklich ausgewogen und gesund - und viel! - essen. Die Waage zeigt Dir gut, ob Du bekommst, was Du brauchst.
 

Wie verändert sich die Milch?

Der Geschmack der Milch ändert sich im Verlauf der Schwangerschaft, meistens ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche. Es kann sein, dass Dein Kleines sehr empfindlich darauf reagiert und nicht mehr an die Brust will. Auch wird sich die Milchbildung durch die Schwangerschaftshormone verringern. Vielleicht versiegt die Milch auch ganz. Statt der normalen Muttermilch produziert der Körper wieder Kolostrum, das ist eine dickflüssige und nahrhafte Vormilch. Sofern Dein Milchfluss nicht aussetzt und Dein Kleines die Milch aus der Brust weiterhin gerne trinkt, kommt es auch mit dieser gehaltvollen Vormilch zurecht. Wahrscheinlich ist es aber länger satt, der Abstand zwischen den Stillmahlzeiten wird größer.
 

Wie gelingt das Stillen in der Schwangerschaft?

Dein Bauch wächst und wächst. Es wird nicht einfacher, eine gemütliche Stillposition für Dich und Deinen Zwerg zu finden. Am einfachsten könnte es in der Seitenlage klappen oder Du nutzt ein Stillkissen, um für Dich und Dein Kind eine bequeme Position zu finden.
 
Das Stillen kann zudem beschwerlicher werden, weil Deine Brustwarzen in der Schwangerschaft wesentlich empfindlicher auf Berührungen und das Saugen reagieren. Den Milchfluss kannst Du, bevor Du dein Kind anlegst, selbst durch eine Brustmassage, eine heiße Dusche oder warme Umschläge anregen

Das Baby ist da! Reicht die Milch wirklich für beide?

Stillende Frau
© iStock, skynesher

Ja, und das ist wirklich faszinierend! Weil Du schon während der Schwangerschaft weitergestillt hast, weiß Dein Körper, dass er nach der Geburt gleich für zwei Milch produzieren muss. Dabei ist es aber immer beruhigend zu wissen: Wenn ein Kind nicht satt wird, gibt es immer Ausweichmöglichkeiten.
 

Wie funktioniert das Tandemstillen am besten?

Beide haben Hunger und beide ihren eigenen Rhythmus. Das kann schon mal zu einem nervenaufreibenden Unterfangen werden! Am besten bereitest Du Dein älteres Kind schon während der Schwangerschaft darauf vor, dass sehr bald auch sein Geschwisterchen an die Brust der Mama darf. In den ersten Wochen ist es ratsam, zunächst Dein Baby an die Brust zu lassen, damit es genügend von der wertvollen Vormilch abbekommt. Später ist es nicht mehr so wichtig, wer als erstes darf. Deine Kinder werden ohnehin Ihren Rhythmus vorgeben. Um einen eventuellen Wettstreit zu entgehen, kannst Du mit einer Milchpumpe vorab Milch abpumpen. Dann kann Papa mit der Flasche füttern und Du in Ruhe stillen.
 

Lindert das Tandemstillen die Eifersucht?

Mutter mit Baby und Geschwisterchen
© iStock, NiDerLander

Das ist nicht so einfach zu beantworten, denn jedes Kind hat ja bekanntlich seinen eigenen Kopf. Häufig setzen sich Mütter zu sehr unter Druck. Sie denken, dass ihr Kind es ihnen übel nehmen könnte, wenn sie es nicht mehr weiterstillen. Sicherlich ist eine Entwöhnungsphase nicht einfach. Trotzdem wäre es falsch, sich nur aus schlechtem Gewissem heraus für das Tandemstillen zu entscheiden. Denn Stillen ist bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, dem Kind Liebe und Geborgenheit zu geben. Und bei all dem darfst Du Dich und Deine Bedürfnisse nicht vergessen.
 

Fazit: Was mache ich nun?

Die Entscheidung fällst Du selbst. Lass Dich nicht von Deinem Umfeld unter Druck setzen. Hole Dir professionellen Rat bei Deiner Ärztin oder Hebamme. Egal ob Du Dich für oder gegen das Weiterstillen entscheidest – wichtig ist, dass Du zu Deinem Entschluss stehst und damit zufrieden bist, denn dann werden es Deine Kinder sicherlich auch sein.
 

Von:Mareike Lenz