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Wunschkaiserschnitt: Wissenswertes für Deine Entscheidung

Wehen? Auf keinen Fall. Schmerzen und Kontrollverlust im Kreißsaal? Nicht mit mir. Angst vor der Geburt? Bitte nicht. Stimmst Du diesen Punkten zu? Einem oder sogar allen? Dann brauchst Du unsere Infos zum Wunschkaiserschnitt.

Schwangere Frau beim Arzt
iStock, KatarzynaBialasiewicz
Inhalt: 
Was ist ein Wunschkaiserschnitt? Wie viele Frauen entscheiden sich dafür? Was bewegt Frauen zu einem Kaiserschnitt auf Wunsch?Du wünscht Dir einen Kaiserschnitt? Was dann?Erlebnisbericht einer MutterWo kannst Du Dir professionellen Rat einholen? Wer trägt die Kosten?Was spricht dafür und was dagegen? Fazit

"Werdende Mütter wissen in der Regel sehr genau, was sie sich zutrauen können. Von daher ist der Wunsch nach einem Kaiserschnitt meist eine sehr bewusste und nachvollziehbare Entscheidung", erklärt Dr. Holger Maul, Chefarzt für Geburtshilfe am Marienkrankenhaus in Hamburg. Entsprechend offen und respektvoll geht der Mediziner mit seinen schwangeren Patienten um. Wir haben bei ihm Hintergründe und Entscheidungshilfen für diesen Beitrag eingeholt.

Was ist ein Wunschkaiserschnitt?

WKS: Wunschkaiserschnitt: Wissenswertes für Deine Entscheidung
Dr. Holger Maul, Chefarzt Geburtshilfe, Marienkrankenhaus Hamburg

Wenn sich werdende Mütter bewusst gegen eine natürliche Geburt entscheiden und sich statt dessen wünschen, dass ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt, ist die Rede von einem Wunschkaiserschnitt – auch "Wunschsectio", "Sectio nach Vereinbarung" oder "Gefälligkeitssectio" genannt. Dabei liegt im Unterschied zum regulären Kaiserschnitt keine zwingende medizinische Indikation für die Geburt im OP vor. Gründe, die für einen primären Kaiserschnitt sprechen, wie zum Beispiel Mehrlinge, eine Plazenta, die vor dem Muttermund liegt, oder ein Kind in Beckenendlage, sind demnach nicht gegeben.

Allerdings sind die Motive, die werdende Mütter zu einem freiwilligen Kaiserschnitt bewegen, genauso ernst zu nehmen. "Wenn ich von einer Patientin mit dem ausdrücklichen Wunsch auf Kaiserschnitt im Krankenhaus aufgesucht werde, weil sie beispielweise Angst hat, dann bin ich als Mediziner in der Verantwortung, diesen Grund ernst zu nehmen – genauso wie ich es im Übrigen tun würde, wenn sich eine Frau trotz Beckenendlage eine natürliche Geburt wünscht", schildert Dr. Maul. "Natürlich gilt es dann gemeinsam im Gespräch abzuwägen, wie es weitergehen soll", so der Chefarzt für Geburtshilfe weiter.

Wie viele Frauen entscheiden sich dafür?

Die geführten Statistiken über Kaiserschnitte verraten so viel: Jedes dritte Kind kommt in Deutschland inzwischen per Kaiserschnitt auf die Welt. Für die Zahl ohne vorliegende medizinische Indikation gibt es keine genauen Angaben. "Im Marienkrankenhaus in Hamburg haben wir circa 300 Geburten im Monat. Darunter sind etwa 3 bis 4 Patientinnen, die ihr Baby auf expliziten Wunsch und ohne Angabe oder Vorliegen von Gründen per Kaiserschnitt entbinden möchten", sagt Dr. Maul.

Tendenziell ist die Zahl derer, die sich bewusst für eine Entbindung im Krankenhaus entscheiden, in den letzten Jahren gestiegen. Aber das ist noch lange kein Vergleich zu der Situation in Brasilien: Hier entscheiden sich mehr als die Hälfte aller Schwangeren für die Entbindung auf Termin. Auch immer mehr schwangere Promis machen es vor. Sich entscheiden zu können, wie das Kind auf die Welt kommen soll, ist somit auch auf gewisse Weise zu einem Lifestyle-Phänomen geworden.

Was bewegt Frauen zu einem Kaiserschnitt auf Wunsch?

Schwangere Frau
iStock, Zanzibarz

Die Gründe sind unterschiedlich und auch häufig mit einer sehr persönlichen Vorgeschichte aus ihrem Leben verbunden. Vor allem, so erlebt es Dr. Maul immer wieder, sei der Kontrollverlust ein wesentliches Kriterium für die Entscheidung. Die Ungewissheit, die eine natürliche Geburt bedeutet, sei für manche schlichtweg nicht ertragbar. Wie schlimm werden die Schmerzen sein? Halte ich diesen stand? Was passiert mit meinem Körper? Wird er jemals wieder so sein wie vorher? Gefährde ich meine Gesundheit? Wie groß ist das Risiko, dass etwas schief geht? Fragen wie diese bewegen letztlich dazu, sich für einen geplanten Eingriff zu entscheiden.

Du wünscht Dir einen Kaiserschnitt? Was dann?

Egal ob für Dich schon lange feststeht, dass Du nicht auf natürlichem Weg entbinden willst oder ob Du erst einmal nur mit diesem Gedanken spielst – es ist wichtig, nicht zu lange zu zögern und Dich Deinem Umfeld zu öffnen. Sprich mit Deinem Partner, vertraue Dich Deiner Familie oder engsten Freunden an. Es wird Dir guttun, Deine Vorstellungen und Zweifel jemandem mitteilen zu können. Vielleicht hilft es Dir auch, über die Erfahrungen anderer Frauen zu lesen - sowohl über jene, die sich für einen Wunschkaiserschnitt entschieden haben als auch über jene, die eine natürliche Geburt meisterten.

Auch wenn Du vielleicht nicht überall auf Verständnis stoßen wirst, wirst Du durch den Austausch wichtige Impulse gewinnen, die Dich in Deiner Entscheidung weiterbringen werden.

Erlebnisbericht einer Mutter

Petra Seyrer, 29, hat sich für eine Wunschsectio entschieden. Für sie stand im Laufe ihrer Schwangerschaft fest: "Warum soll ich in die Wehen gehen, warum soll ich mich quälen, wenn es vielleicht doch ein Kaiserschnitt wird? Dann planen wir lieber gleich anders!" Wir haben sie von der Entscheidung bis zur Geburt begleitet.

Wunschkaiserschnitt: Von der Entscheidung bis zum OP

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Wo kannst Du Dir professionellen Rat einholen?

Wende Dich mit Fragen an Deinen Frauenarzt und mache – um Dir bald Klarheit zu verschaffen – schnellstmöglich einen Termin in der Klinik, in der Du gerne entbinden möchtest. Nutze das Gespräch mit dem verantwortlichen Arzt, um offen über Deine Gedanken und Vorstellungen zu sprechen. Das Thema wird sicherlich von Klinik zu Klinik und von Arzt zu Arzt unterschiedlich gehandhabt. Bestimmt wird man genau von Dir wissen wollen, was Dich zu einem Wunschkaiserschnitt bewegt und wie entschieden Du bist.

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die zu einem frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft das Gespräch bei mir suchen, meist sehr entschieden sind. In diesen Fällen ist es nicht in Ordnung, ihnen den Wunschkaiserschnitt einfach auszureden", betont Dr. Maul und fügt hinzu: "In Vorgesprächen mit Patientinnen, bei denen ich eine ambivalente Haltung feststelle, die also noch abwägen, ob nicht doch eine natürliche Geburt für sie in Frage käme, versuche ich die Entscheidung bis zur 37. Woche oder auch darüber hinaus zu vertagen. Wenn dann immer noch der Wunsch nach einem Kaiserschnitt besteht, dann ist die OP einer natürlichen Geburt vorzuziehen." Vielleicht auch interessant in diesem Kontext: Unser Beitrag zum Thema Angst vor der Geburt, in dem wir eine Hebamme um Meinung gebeten haben.

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für einen geplanten – also medizinisch erforderlichen – Kaiserschnitt werden von der Krankenkasse getragen. Es liegt also in der Hand des Arztes, ob er auch im Falle eines Wunschkaiserschnittes die Gründe als Indikatoren bewertet, die ihn schließlich aus medizinischer Sicht notwendig machen. Dr. Maul hat dazu eine klare Meinung: "Krankenkassen haben keine andere Wahl, als auch die Kosten eines Wunschkaiserschnittes zu übernehmen. Es ist moralisch nicht vertretbar, eine Frau zu einer normalen Geburt zu zwingen."

In diesem Kontext war es Dr. Maul wichtig, mit einer weitverbreiteten Hypothese aufzuräumen: "Es stimmt nicht, dass Ärzte mit Kaiserschnitten mehr verdienen. Zwar steht mehr Geld für einen Kaiserschnitt zur Verfügung, dafür ist aber auch der Personalaufwand erheblich höher. Mir ist kein Arzt bekannt, der Interesse daran hat, möglichst viele Kaiserschnitte zu machen - aus welchem Grund auch immer."

Was spricht dafür und was dagegen?

Das spricht dafür:

  • Babyglück nach Zeitplan                                                            
  • ohne Angst auf die Geburt warten                                              
  • auch Papa weiß, was auf ihn zukommt                                       
  • keine Schmerzen während der Geburt                                        
  • routinierter und kurzer Eingriff                                                            
  • Intimbereich bleibt unberührt                                                     

Das spricht dagegen:

  • die Überraschung bleibt aus: Wann geht es wohl los?
  • das Erlebnis einer vaginalen Geburt ist einmalig und stärkt die Bindung zum Neugeborenen
  • Schmerzen und eingeschränkte Bewegung durch Narbe
  • Wahrscheinlichkeit eines erneuten Kaiserschnitts höher
  • bezahlt die Krankenkasse?
  • Rückbildung dauert länger

Fazit

WKS: Wunschkaiserschnitt: Wissenswertes für Deine Entscheidung
Dr. Holger Maul, Chefarzt Geburtshilfe, Marienkrankenhaus Hamburg

Das Thema polarisiert. Frauen, die sich bewusst gegen eine natürliche Geburt entscheiden, werden häufig verurteilt, vor allem aus eigenen Reihen. Das kommt nicht von ungefähr: Die natürliche Geburt ist und bleibt der gesündeste Weg der Entbindung für Mutter und Kind – vorausgesetzt es geht alles gut. Frauen, die sich bewusst dagegen entscheiden, wird häufig Rücksichtslosigkeit gegenüber ihrem Kind und eine generelle Leichtfertigkeit vorgeworfen.
 
So erlebt es auch Chefarzt Dr. Maul und kommt daher zu dem Fazit: "Es wäre wünschenswert, wenn sich Mütter mit mehr Akzeptanz gegenüber ihren persönlichen Entscheidungen begegnen würden. Denn: So wie sich die einen wünschen, ihr Baby auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen und damit akzeptiert werden möchten, so sollten auch die anderem mit dem Wunsch eines Kaiserschnitts akzeptiert werden."
 
Damit das in Zukunft besser gelinge, sei ein offener Umgang mit dieser Entscheidung umso wichtiger. Denn auch wenn der Wunschkaiserschnitt sehr umstritten ist, so bleibt dieser Weg der Entbindung immer eine Option, für die sich Frauen mit Kinderwunsch bewusst entscheiden können – eben genau wie eine natürliche Geburt.