Gesundheit
 
Akupunktur in der Schwangerschaft

In der östlichen Lehre seit Jahrtausenden verbreitet, in der westlichen Welt teils gepriesen, teils verpönt: Akupunktur bleibt kontrovers. Dennoch empfiehlt sie die Weltgesundheitsorganisation WHO als alternative Therapieform bei bestimmten Schwangerschaftsbeschwerden. Welche das sind und was wir über ihre tatsächliche Wirkung in der Schwangerschaft wissen, liest du hier.

Akupunktur in der Schwangerschaft
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Auf einen Blick
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  • Akupunktur ist eine jahrtausendealte Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die inzwischen auch immer häufiger in westlichen Kulturen angewandt wird.
  • In der Schwangerschaft soll die Akupunktur vor allem bei Übelkeit, Erbrechen oder Rückenschmerzen helfen.
  • Auch wenn es bisher kaum eindeutige Ergebnisse gibt, ob diese Therapieform tatsächlich wirkt, sind negative Folgen von Akupunktur in der Schwangerschaft verschwindend gering.

Ursprünglich kommt die Akupunktur aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und basiert auf der philosophischen Lehre, dass alles auf der Welt in einem Gleichgewicht zueinandersteht. Gerät diese natürliche Balance durcheinander, muss sie wiederhergestellt werden. Bei dieser Therapieform werden dünne Nadeln in die Haut des Patienten gestochen, wo sie zwischen 20 bis 30 Minuten verbleiben. Für unterschiedliche Beschwerden gibt es unterschiedliche Therapiepunkte. Durch das Einstechen der Nadeln sollen Blockaden gelöst werden. Es wird angenommen, dass bei der Akupunktur eine verstärkte Ausschüttung von sogenannten Glückshormonen ausgelöst wird. Dazu zählen beispielsweise Endorphin, das körpereigene Morphin sowie Serotonin. Diese Ausschüttung kann dann einen schmerzlindernden Effekt haben.

Was sind die Vorteile von Akupunktur in der Schwangerschaft?

Es herrscht Uneinigkeit unter Medizinern, wenn es um die Wirkung dieser fernöstlichen Behandlungsmethode geht. Studienergebnisse sind teilweise schwer zu deuten. Gibt es nun tatsächliche Behandlungserfolge oder nicht? Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt jedenfalls speziell Übelkeit in der frühen Schwangerschaft sowie Rückenschmerzen bei Schwangeren mit Akupunktur zu behandeln (2018). Dennoch konnten Studien bisher nicht eindeutig nachweisen, ob die Methode Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft tatsächlich lindert. Bei Rückenschmerzen und Beschwerden im Beckenbereich scheinen die Ergebnisse schon eindeutiger erfolgreich zu sein. Akupunktur wird übrigens auch gerne in der Geburtsvorbereitung verwendet. Mehr zum Thema geburtsvorbereitende Akupunktur.

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Gibt es Risiken?

So schwer es sein mag, handfeste Beweise für die positive Wirkung einer Akupunkturbehandlung bei Schwangerschaftsbeschwerden zu finden, so gering sind dafür die möglichen Nebenwirkungen. In einer groß angelegten Untersuchung von insgesamt 105 Studien zum Thema konnten in nur 1,3 Prozent aller Fälle überhaupt Nebenwirkungen festgestellt werden, die auf eine Behandlung mit Akupunktur zurückzuführen waren. Die am häufigsten auftretende Nebenwirkung war hier ein durch die Nadeln ausgelöstes Schmerzgefühl. Grundsätzlich waren die negativen Auswirkungen fast ausschließlich mild und hatten keinen Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Das ist tatsächlich von der Leistung (also, was behandelt werden soll) und der Krankenkasse selbst abhängig. Seit 2007 übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten für eine Therapie von Rückenschmerzen sowie bei Schmerzen in den Kniegelenken. Allerdings sollten die Schmerzen hier seit mindestens sechs Monaten auftreten. Das ist bei Schwangeren natürlich nicht immer der Fall. Viele Frauen entwickeln erst im dritten Trimester Rückenbeschwerden, da der wachsende Bauch ihr Gleichgewicht nach und nach immer stärker beeinträchtigt. Es ist wahrscheinlicher, dass du Leistungen für die Behandlung von schwangerschaftsbedingten Rückenschmerzen als für die Behandlung von Übelkeit in der Frühschwangerschaft erstattet bekommst. Denn wie bereits oben erwähnt, ist die Wirkung bei Rückenproblemen bei Studien deutlicher nachgewiesen. Es lohnt sich aber, in jedem Fall nachzufragen!
 
Die Verbraucherzentrale schreibt hierzu: „Viele Krankenkassen bezahlen oder bezuschussen Akupunktur auch bei anderen Erkrankungen oder bei der Geburtsvorbereitung. Dies geschieht für die Versicherten der jeweiligen Kasse dann als sogenannte freiwillige Satzungsleistung oder im Rahmen von Bonusprogrammen. Akupunktur ist also keineswegs immer eine kostenpflichtige IGeL-Leistung. Eine Nachfrage bei der eigenen Kasse vor Behandlungsbeginn lohnt sich.“

Ist Akupunktur in der Schwangerschaft das Richtige für mich?

Akupunktur in der Schwangerschaft
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Sie ist zumindest nicht grundsätzlich falsch. Du musst selbst für dich herausfinden, ob Akupunktur etwas ist, dass dir deine Schwangerschaft erleichtern kann. Viele Frauen sprechen von einem positiven warmen Gefühl, dass durch die Behandlung ausgelöst wird, andere halten es für Hokuspokus. Egal wo du dich auf dieser Skala wiederfinden magst, das Risiko einer Therapie ist verschwindend gering. Und falls du unter den oben genannten Beschwerden leidest und bereit bist etwas anderes auszuprobieren, ist Akupunktur sicherlich eine Möglichkeit. Und mal ganz abgesehen von allen anderen Faktoren, wenn du nach einer Sitzung feststellst, das ist nicht das Richtige für dich, dann brauchst du ja nicht weiter hinzugehen. Sorgen um deine Gesundheit oder Schwangerschaft musst du dir jedenfalls nicht machen.