Unfallgefahr
 
Ausgerenkter Arm: Engelchen, flieg vorsichtig!

Eben noch hat sich das Zweijährige juchzend beim „Engelein, flieg!“ durch die Luft wirbeln lassen, jetzt schreit es vor Schmerzen: Der kleine Kinderarm ist am Ellenbogengelenk ausgerenkt. Ein seltener Unfall? Leider nein. Hier steht, in welchen Situationen Eltern ihrem Kind leicht den Arm ausrenken und wie sie vorbeugen können.

Vater wirbelt Kind durch die Luft
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Inhalt: 
Was passiert da genau?Warum passiert das gerade bei kleinen Kindern? Passiert so etwas nur bei wilden Spielen?Woran erkennt man einen ausgerenkten Arm?Was tun im Notfall?Wie wird der ausgerenkte Arm beim Kind behandelt?Was kann man tun, wenn sich ein Kind den Arm mehrmals ausrenkt?Wie können Eltern vorbeugen?

Schon mal vom „Sonntagsarm“ gehört? So hieß ein ausgerenkter Arm bei Kindern früher. Der Hintergrund: Damals hatten viele Väter nur sonntags Zeit für ihre Kinder. Und da Väter meist eher wilde Spiele spielten, tauchten Kinder mit ausgekugeltem Arm vor allem sonntags in der Notaufnahme auf.

Was passiert da genau?

Im Unterarm liegen zwei Knochen nebeneinander: Elle und Speiche (auch Radius genannt). Am oberen Ende, im Ellenbogengelenk, werden sie von einem elastischen Ringband zusammengehalten. Dadurch liegt der Radiuskopf, also das Ende der Speiche, korrekt an seinem Platz im Gelenk. Wird am Unterarm stark oder ruckartig gezogen, dann kann es passieren, dass der Radiuskopf aus dem Ringband herausrutscht.

Warum passiert das gerade bei kleinen Kindern?

Bei kleinen Kindern stimmt das Größenverhältnis von Ringband und Radiuskopf noch nicht so gut, deshalb kann der Radiuskopf leicht herausrutschen. Nach dem fünften Lebensjahr kommt solch eine „Radiuskopfsubluxation“, so der Fachausdruck, nur noch sehr selten vor.

Passiert so etwas nur bei wilden Spielen?

Eltern mit Kleinkind in der Mitte
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Nein. Typisch ist auch folgende Situation: Ein Erwachsener hält ein Kleinkind an der Hand, das gerade eine Treppe hinunter geht. Das Kind stolpert, der Erwachsene erschrickt und zieht es ruckartig am Arm hoch, damit es nicht fällt.
Ist das Gelenk bei einem Kind besonders empfindlich, kann es auch schon genügen, wenn ihm jemand ungeduldig eine Jacke auszieht. Mehr Risiko haben außerdem kleine Kinder mit einer generell niedrigen Muskelspannung.

Woran erkennt man einen ausgerenkten Arm?

Das Ausrenken selbst ist sehr schmerzhaft, das Kind weint und klagt über Schmerzen. Dann dreht es den Arm in eine typische Schonhaltung, es beugt den Ellenbogen etwas an und dreht die Handfläche nach hinten. Der Arm wirkt schlaff und wie gelähmt, Ärzte nennen das die „Chassaignac-Lähmung“. Allerdings ist der Arm nicht wirklich gelähmt. Meist lassen in der Schonhaltung die Schmerzen auch schnell nach.

Was tun im Notfall?

Am besten gleich zum Kinderarzt! Der kann im Zweifelsfall schon an der Schonhaltung und an der Schilderung des Unfalls erkennen, dass es sich um eine Radiuskopfsubluxaktion handelt. Eine Röntgenuntersuchung muss dann gar nicht sein.

Wie wird der ausgerenkte Arm beim Kind behandelt?

Meist genügt ein einziger schneller Handgriff, um den Ellenbogen wieder einzurenken. Eine Betäubung oder Narkose ist nicht nötig. Fast immer kann das Kind schon Minuten danach den Arm wieder normal und schmerzfrei bewegen. Gelingt dieses Einrenken nicht, wird der Arzt den Arm wahrscheinlich röntgen wollen, um einen Knochenbruch auszuschließen.

Was kann man tun, wenn sich ein Kind den Arm mehrmals ausrenkt?

Dann wird der Arzt wahrscheinlich empfehlen, dass der Arm für einige Wochen in einer Schiene ruhiggestellt wird.

Wie können Eltern vorbeugen?

Wilde Bewegungsspiele sind kein Problem – solange man sein Kind in den ersten fünf Lebensjahren dabei nicht an den Händen festhält, sondern an den Oberarmen, über den Ellenbogen. Im Alltag ist es wichtig, das Kind möglichst nicht an einem oder zwei Armen ruckartig hochzuziehen – auch wenn das in Schrecksituationen sicher nicht komplett zu vermeiden ist.