Autokindersitze
 
Kindersitze fürs Auto: Worauf Eltern beim Kauf achten müssen

Der Autokindersitz gehört zu den wichtigsten Anschaffungen junger Eltern. Bis zum zwölften Lebensjahr ist er für dein Kind sogar Pflicht. Wir beantworten für euch die wichtigsten Fragen auf der Suche nach dem richtigen Modell.

Kindersitze fürs Auto: Worauf Eltern beim Kauf achten müssen
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Inhalt: 
Bis zu welchem Alter sollten Kinder rückwärts sitzend mitfahren?Wo im Auto sitzt das Kind am sichersten?Was sind typische Fehler beim Einbau eines Autokindersitzes?Welche Vorteile bietet Isofix?Wie sinnvoll ist ein Kindersitz mit integrierten Airbags?Ist es in Ordnung, einen gebrauchten Autositz zu kaufen?Wie lange müssen Kinder im Autositz sitzen?

Die Auswahl an Kindersitzen ist ziemlich groß, kein Wunder also, dass Eltern schnell den Überblick verlieren. Doch eine intensive Beschäftigung mit der Sicherheit im Auto ist wichtig. Immerhin gehören erst die Babyschale und später der Autokindersitz zu den wichtigsten Anschaffungen für junge Eltern. Einen ersten Überblick auf der Suche nach dem richtigen Modell bietet der jährliche Test des ADAC in Kooperation mit der Stiftung Warentest.

Ergebnisse des aktuellen ADAC-Kindersitztests
Die Experten von ADAC und Stiftung Warentest haben auch in diesem Jahr 23 neue Babyschalen und Kindersitze getestet. Erstmals wurde dabei mit dem "Maxi Cosi AxissFix Air" ein Sitz mit integrierten Airbags getestet. Neben der Sicherheit prüften die Experten dabei auch die Bedienbarkeit und den Schadstoffanteil. Mit insgesamt gutem Ergebnis: 17 Sitze wurden mit „gut“ bewertet, zwei mit „befriedigend“ und einer mit „ausreichend“. Bei den klassischen Kindersitzen von neun bis 36 Kilogramm siegte der „Kiddy Phoenixfix 3“ für 269 Euro. Der „Joie Traver Shield“ für 170 Euro überzeugte mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Bei den Autositzen für 15 bis 36 Kilogramm fielen ebenfalls zwei günstige Sitze positiv auf, und zwar der „Britax Römer Kid II“ und der „Joie Traver“. Insgesamt fielen nur drei der getesteten Modelle komplett durch. Im Unfall-Simulator zerbrach die Sitzschale des „Concord Ultimax i-Size“. Der Hersteller hat den Sitz inzwischen vom Markt genommen.  Im „Jané Gravity“ und „Avionaut Ultralite + IQ base“ fand die Tester von ADAC und Stiftung Warentest eine erhöhte und potentiell Krebs erregende Schadstoffbelastung.

Die Ergebnisse von allen getesteten Modellen sind auf der Seite des ADAC abrufbar. „Die Testergebnisse können Eltern eine gute Orientierung bieten. Trotzdem sollte man den Kindersitz unbedingt im eigenen Auto und am besten auch mit der ganzen Familien ausprobieren“, erklärt ADAC-Unternehmenssprecherin Melanie Mikulla. Ein wichtiger Rat: Immerhin passt längst nicht jeder Kindersitz in jedes Auto. Vor allem bei älteren Fahrzeugen gibt es immer wieder Probleme mit der Isofix Halterung oder ungünstiger Gurthöhe. Im Babyfachhandel können die Verkäufer außerdem den Einbau ins Fahrzeug und die alltägliche Handhabung genau erklären. So lassen sich spätere Fehler bei der Handhabung vermeiden. Bei der Auswahl ist übrigens ein hoher Preis keine aussagekräftige Orientierung. Beim aktuellen Test fiel ein mit 400 Euro sehr teurer Kindersitz durch. Die besten Kindersitze waren dagegen deutlich günstiger.

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Bis zu welchem Alter sollten Kinder rückwärts sitzend mitfahren?

Kindersitze fürs Auto: Worauf Eltern beim Kauf achten müssen
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Kleinkinder sollten möglichst lange rückwärtsgerichtet in einem sogenannten Reboarder fahren. Bei einem frontalen Unfall sind sie so deutlich besser geschützt. Der Hauptgrund: Wenn der Kopf beim Crash nach vorn geschleudert wird, kann der Nacken des Kindes den Kräften noch nicht standhalten. In einem modernen, nach der neuen europäischen i-Size Norm zugelassenen Autositz muss das Kind deshalb bis zum Alter von 15 Monaten rückwärts im Fahrzeug sitzen. Auch die ADAC-Expertin rät zur Nutzung eines Reboarders bis zum zwei Jahren. Danach ist das Vorwärtsfahren völlig in Ordnung und wird von größeren Kindern oft sogar eingefordert. Wer bei nach vorne ausgerichteten Kindersitzen auf Nummer Sicher gehen will, sollte einen Sitz mit Fangkörper kaufen. Dieser wirkt wie ein schon aufgeblasener Airbag und verhindert bei einem Unfall, dass die Kraft nur auf den Kopf und Nacken deines Kindes wirkt. So wird die Wirbelsäule besser vor schweren Verletzungen geschützt. Der Fangkörper wird mit dem Gurt vor dem Bauchbereich des Kindes angebracht. Einziger Haken: Manche Kinder fühlen sich von einem Fangkörper eingeengt.

i-Size Regelungen

Seit Juli 2013 gilt die neue i-Size-Regelung. Die wesentlichen Änderungen lauten:

  • In i-Size zertifizierten Auto-Kindersitzen wird der rückwärts gerichtete Transport von Kindern bis zu einem Alter von 15 Monaten vorgeschrieben
  • Ein Seitenaufpralltest für i-Size taugliche Kindersitze wird Pflicht und verbessert damit noch mal deutlich die Sicherheit der Auto-Kindersitze
  • Der passende Kindersitz wird nach Alter und Größe des Kindes bestimmt und nicht mehr nach Gewicht

Auf der Seite des ADAC kannst Du die detaillierten Testergebnisse angucken und auch Modelle miteinander vergleichen.

Wo im Auto sitzt das Kind am sichersten?

Die Antwort ist ganz eindeutig: auf der Rückbank. US-Unfallforschern zufolge ist die Gefahr für tödliche Verletzungen hinten im Fahrzeug um 27 Prozent geringer als vorne. Trotzdem sieht man oft Eltern, die einen Maxi Cosi oder den Kindersitz rückwärtsgewandt auf dem Beifahrersitz des Fahrzeuges platziert haben – oft sogar mit aktiviertem Airbag. Das ist sehr gefährlich. Die meisten Crashs sind Frontallunfälle. Neben den Auswirkungen des eigentlichen Unfalls gefährdet der aktivierte Airbag zusätzlich das Leben des Kindes. Den Vordersitz sollte man deshalb nur im allergrößten Notfall für die Babyschale oder einen Reboarder nutzen und wenn nur mit ausgeschalteten Airbag.

Was sind typische Fehler beim Einbau eines Autokindersitzes?

Ein guter Autokindersitz kann beim Unfall Leben retten und dein Kind vor schweren Verletzungen bewahren. Vorausgesetzt, er wird richtig genutzt. Genau dabei haben viele Eltern offensichtlich Schwierigkeiten, wie der TÜV warnt. Bis zu 50 Prozent der Sitze werden falsch genutzt. Drei typische Fehler: Die Kinder werden zu früh von der Babyschale in den Kindersitz oder in Fahrtrichtung gesetzt. Der Einbau ist ebenfalls eine häufige Fehlerquelle. Gerade mit Gurten gesicherte Sitze sind oft zu locker befestigt. Auch beim Anschnallen der Kinder sollten die Eltern aufpassen, dass die Gurte straff genug angezogen sind. Sonst besteht die Gefahr, dass das Kind bei einem Aufprall aus dem Gurt rutscht. Mehr als eine flache Hand sollte nicht zwischen Kind und Gurt passen.

Welche Vorteile bietet Isofix?

Kindersitze fürs Auto: Worauf Eltern beim Kauf achten müssen
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Im Gegensatz zur Befestigung mit einem Gurt ist Isofix deutlich einfacher und bequemer in der Handhabung. Über Metallschlaufen am Sitz wird der Isofix-Kindersitz direkt an der Karosserie des Autos befestigt. Das erhöht die Sicherheit deutlich. Einbaufehler sind dazu fast ausgeschlossen. So können die Schulter- und Beckengurte nicht vertauscht werden oder eine zu lockere Befestigung ist ausgeschlossen. Einziger Nachteil: Nicht alle Autos haben Isofix, das gilt gerade für ältere Fahrzeuge. Deshalb sollte man einen Kindersitz mit Isofix-Halterung unbedingt vor dem Kauf ausprobieren – am besten mit dem eigenen Auto und wenn es geht auch im Beisein des Kindes. Bei manchen Modellen hat die Isofix-Base noch einen zusätzlichen Standfuß, der im Fußraum des Autos aufgestellt wird. Diese Stütze bietet mehr Stabilität, verhindert das Nachvornekippen bei einem Unfall und sorgt damit für zusätzliche Sicherheit.

Wie sinnvoll ist ein Kindersitz mit integrierten Airbags?

Mit dem „AxissFix Air“ hat Maxi Cosi den ersten Kindersitz mit integriertem Airbag entwickelt. Der Ansatz: Bei einem Frontal- und Seitenaufprall reagiert das Auslösesystem auf der Rückseite des Sitzes. Innerhalb Sekundenbruchteilen öffnet sich ein in den Gurten integrierter Airbag. Laut Hersteller sollen die Kräfte, die im Moment des Aufpralls auf Nacken, Hals und Kopf des Kindes wirken, so um 55 Prozent gesenkt werden. Kurz nach dem Unfall entweicht die Luft aus dem Airbag. Außerdem kann man den Maxi Cosi AxissFix um 360 Grad in der Isofix-Base drehen. Das erleichtert das Hineinsetzen und Anschnallen, außerdem kann der Sitz sowohl vorwärts- also auch rückwärtsfahrend genutzt werden. Der Auto-Kindersitz eignet sich für eine Körpergröße zwischen 61 und 105 Zentimeter. Allerdings hat diese Sicherheit auch ihren Preis. Mit knapp 650 Euro ist der AxissFix deutlich teurer als die airbaglose Konkurrenz. Ein Preis, der nur bedingt gerechtfertigt ist. Zwar schnitt der Sitz im Kindersitz-Test von ADAC und Stiftung Warentest mit „gut“ ab. Allerdings zeigten auch deutlich günstigere Sitze ähnlich gute Ergebnisse in Sachen Sicherheit. Vor allem, wenn sie entgegen der Fahrtrichtung einbaut wurden. Ein Airbag sei dann nicht notwendig, so ein Urteil der Tester.

Ist es in Ordnung, einen gebrauchten Autositz zu kaufen?

Die Antwort ist ein klares Jein. Grundsätzlich spricht nichts gegen den Kauf eines gebrauchten Kindersitzes, erklärt Mikulla. Allerdings sollte der Sitz in ausgezeichneten Zustand, nicht zu alt und vor allem unfallfrei sein. Auch das gesamte Zubehör wie zum Beispiel die Sitzverkleinerer oder die Stützpolster sollte noch vorhanden sein. Die ADAC-Expertin rät deshalb nur zu einem Kauf im Bekannten- oder Verwandtenkreis.

Wie lange müssen Kinder im Autositz sitzen?

Die deutsche Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und unter einer Körpergröße von 1,50 Meter einen Kindersitz benutzen müssen.

Quiz: Autokindersitze

Wenn du Kinder hast, dann ist dir das Thema Autokindersitze sicherlich vertraut. Doch kennst du wirklich alle Aspekte, die du beim Kauf eines Kindersitzes beachten sollten? Beantworte unsere Quiz-Fragen und teste dein Wissen.