Experteninterview
 
Baby Blues oder Depression?

Experteninterview: Baby Blues oder Depression?
iStock, monkeybusinessimages

Beeinflusst das Verhalten des Kindes die Krankheit?
Ein 'v' kann mit seiner Unruhe die Depression sicherlich indirekt verstärken. Erkrankte Frauen befinden sich in einem Teufelskreis: Sie geben sich die Schuld am Verhalten des Babys und fühlen sich durch das Schreien überfordert, was wiederum die Depression verstärkt.

Worin liegen die Unterschiede zwischen 'Baby Blues' und postpartaler Psychose?
Den 'Baby Blues' oder auch Heultage genannt, haben acht von zehn Frauen. Ursache dafür, ist die plötzliche Veränderung des Hormonspiegels nach der Geburt. Die jungen Mütter sind niedergeschlagen. Manche weinen grundlos oder denken, sie könnten ihr Kind nicht versorgen. Das gibt sich aber innerhalb der ersten Woche nach der Geburt wieder. Die Psychose spiegelt sich in einem anderen Krankheitsbild wider. Es kommt zu einem Realitätsverlust. Die Betroffenen hören Stimmen, fühlen sich verfolgt und haben Wahnvorstellungen. Die Gründe dafür liegen vor allem in einer angeborenen Anlage, die bei großem Stress ausbrechen kann. Gerade die Zeit nach der Geburt und während des Wochenbetts ist für Mütter sehr anstrengend und belastend.

Wie kann den Betroffenen geholfen werden?
Wichtig ist, dass depressive Frauen nicht denken, sie hätten etwas falsch gemacht oder seien unnormal, weil sie ihr Kind nicht lieben können. Die Beziehung zwischen Mutter und Kind muss genauso, wie die zwischen Partnern, langsam wachsen. Die Betroffenen sind keine schlechten Menschen, sie sind nur krank. Sie sollten sich an den Partner, die Familie oder Freunde wenden und danach an den Arzt oder Psychotherapeuten. In einer Psychotherapie ist es für die Mütter wichtig, ihr Verhältnis zu sich selbst zu bearbeiten. Bei schweren Fällen halte ich Antidepressiva für eine wichtige und nützliche Hilfe, um den Frauen erst einmal aus ihrer Krise zu helfen. Bei einer Psychose ist es notwendig, sofort ärztlich Hilfe aufzusuchen und sich in medizinische Behandlung zu begeben.

Kommt es beim zweiten Kind zu einem Rückfall?
Wenn die Betroffenen nach der ersten Geburt eine Therapie gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall gering. Manchmal fällt den Frauen mit dem zweiten Kind sogar vieles leichter. Sie sind bereits in die Mutterrolle hineingewachsen, kennen die Situation, haben idealerweise viele Kontakte geknüpft und können sich Hilfe holen.

Dipl.-Psych. Eleonore Poensgen arbeitet seit 1990 als psychologische Psychotherapeutin in Frankfurt am Main. Im Rahmen ihrer Tätigkeit hat sie sich in den letzten 25 Jahren auf das Schwerpunktgebiet psychische und emotionale Krisen rund um die Geburt spezialisiert.