Zwillinge
 
15 Fragen, die Eltern haben

Zwillinge zu haben ist eine doppelte Herausforderung, aber auch doppeltes Glück. Eltern in dieser besonderen Situation haben viele Fragen. Wir haben Antworten, die dir das Leben ein bisschen leichter machen können.

1. Ein Zimmer für beide - geht das gut?

Zwillinge: 15 Fragen, die Eltern haben

Grundsätzlich gilt, wie bei allen Geschwistern: Vor der Einschulung ist ein Kinderzimmer für zwei meist kein Problem. Danach wächst bei vielen Kindern der Wunsch nach Privatsphäre und nach einem eigenen Reich. Also - solange zwei Bettchen in ein Zimmer passen und trotzdem genug Platz zum Toben ist: nur zu!

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2. Kann ich auch beide Zwillinge tragen?

Ja - besonders für kürzere Strecken kann das sehr praktisch sein. Beispielsweise, um zwei Babys von der Wohnung im dritten Stock zum Auto zu transportieren. Der Trick: das Gewicht verteilen! Ein Baby auf dem Rücken, eins vorm Bauch tragen. Zum Beispiel mit einem Tuch und einem Tragesack. Alternative: zwei Tragetücher. Der Vorteil zweier Tragehilfen: Mama und Papa können die Kinder auch mal einzeln tragen. Die Firma Didymos (deren Name übersetzt übrigens "Zwillinge" bedeutet) webt für Zwillings-Eltern aber auch extralange Tragetücher und stellt Anleitungen bereit, wie man damit zwei Babys tragen kann. Wer unsicher ist: Am Anfang ruhig die Hilfe einer Trageberaterin in Anspruch nehmen - es lohnt sich! Ach ja: Didymos und viele andere Hersteller gewähren beim Kauf von zwei Tragehilfen Zwillingsrabatt - fragen Sie ruhig nach! Ganz neu und super einfach: Zwillinge im Doppeltragesack transportieren. Den gibt's ganz neu von der Firma Weego Twin für ca. 129 Euro. Der Vorteil: Die Babys können schon ab einem Gewicht von 1600 Gramm darin getragen werden - also auch für die meisten Frühchen geeignet (http://www.weego.com/weego-twin.htm).

3. Wie kriege ich raus, ob meine Zwillinge eineiig sind?

Wer ein Pärchen kriegt, hat’s leicht: Ein Junge und ein Mädchen, das geht nur bei zweieiigen Zwillingen. Was aber, wenn Zwillinge das gleiche Geschlecht haben und sich total ähnlich sehen? Dann ist Eineiigkeit wahrscheinlich. Sicherheit kann aber nur ein Gentest bringen: Blutabnehmen ist nicht nötig, einige Zellen - etwa mit dem Wattestäbchen von der Mundschleimhaut entnommen - genügen für die Analyse. Kostenpunkt: um die 150 Euro, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Weitere Informationen gibt’s zum Beispiel unter www.medizinische-genetik.de oder Abstammungsanalyse.

4. Soll ich die Zwillinge in unterschiedlichen Kindergartengruppen anmelden?

Das wird unter Zwillingseltern heiß diskutiert. Hauptargument dafür: Die Kinder werden selbstständiger, können sich nicht so sehr als Doppelpack abschotten, knüpfen im Idealfall neue, eigene Kontakte. Und das Gegenargument: Manche Zwillinge sind schier unzertrennlich. Unterschiedliche Gruppen wären deshalb für beide traumatisch. Finde heraus, was ihnen guttut! Steht ein Zwilling häufig im Schatten des anderen? Das könnte für getrennte Gruppen sprechen. Fühlen sie sich nur zusammen wohl - lasse sie beieinander.

5. Wie kann ich beiden gerecht werden?

Indem du dir selbst und den Kindern Möglichkeiten schaffst, die einzelnen Personen statt der "Zwillingshälften" zu sehen. Drei Tricks:

  • Konsequent mit Namen ansprechen. Also nicht "Könnt ihr beide den Tisch decken?", sondern: "Melanie, deck du bitte die Teller, und du, Chiara, das Besteck!"
  • Klar: Man kann immer nur einen Zwilling anziehen, kämmen oder in den Autositz schnallen, der andere muss warten. Auch klar: Dir ist egal, wer zuerst drankommt. Aber deinen Kindern nicht. Während du denkst, "Ein Zwilling nach dem anderen", denkt Maxim: "Warum durfte Phillip heute schon dreimal zuerst?" Deshalb: Immer abwechselnd gehört jedem Kind ein Tag, an dem es bei allem zuerst drankommt. Also ganz bewusst: erst Phillip. Dann Maxim. Oder andersrum.
  • Jedes Kind in seinen Interessen fördern. Aber was sind die? Dass deine beiden am liebsten zusammen Duplo spielen, weißt du zwar. Aber dass Clara sich so für das Xylofon im Kindergarten begeistert, erfährst du erst, wenn du mal mit ihr allein spazieren gehst. Während Papa mit Tommi einkauft - und nebenbei erfährt, dass der einen neuen Berufswunsch hat: Zirkusdirektor. Also: auch mal was mit den Kindern getrennt unternehmen. Zweiter Schritt: Clara zur musikalischen Früherziehung anmelden, Tommi zum Kinderzirkus bei der Volkshochschule.

6. Kriegen wir doppeltes Elterngeld?

Eine gute Nachricht für Zwillingseltern: Bislang galt: Für ein Kind wird der normale Elterngeld- Satz, abhängig vom Einkommen, berechnet, fürs zweite gibt's pauschal den Mindestsatz von 300 Euro dazu.
Das Bundessozialgericht hat diese Praxis nun für rechtswidrig erklärt. Künftig hat deshalb jedes Kind bis zu seinem 14. Lebensmonat einen Anspruch auf Elterngeld. Voraussetzung: Beide Eltern sind vollberufstätig - und beide Eltern bleiben gemeinsam zuhause.
Geklagt hatte ein Paar aus Bayern. Sowohl der Vater als auch die Mutter hatten für je einen ihrer Zwillinge zwölf Monate Elterngeld beantragt und zwei weitere Monate für das andere Kind. Das Amt hatte dies zunächst abgelehnt und nur 14 Monate für beide Eltern und beide Kinder zusammen genehmigt.
Das Bundessozialgericht hat dies nun gekippt. Sogar den Geschwisterbonus dürfen nach Meinung der Richter beide Eltern für jeweils ein Kind beantragen. Einzige Einschränkung: Dem Vater wurden nur elf Monate zugestanden, da die Mutter in den anderen drei Monaten noch im Mutterschutz war - und der gelte ausschließlich für die Frau.
Wer mehr als zwei Mehrlinge zu versorgen hat, profitiert allerdings nicht von dem Richterspruch. In der Urteilsbegründung heißt es ganz klar: "Ein mehrfacher Einkommensersatz für denselben Berechtigten wird ausgeschlossen".

7. Wo finde ich tatkräftige Unterstützung und Kontakt zu anderen Zwillingseltern?

Erst mal: Nimm ohne schlechtes Gewissen jede Hilfe an. Stolz ist hier fehl am Platz: Großeltern, Nachbarn, Freunde, Bekannte - alle, die es anbieten, einspannen! Am besten mit ganz konkreten Arbeitsaufträgen. Dann: nicht am falschen Ende sparen! Gegen geringen Aufpreis können Sie sich oft Einkäufe liefern lassen, und eine Putzhilfe muss auch nicht die Welt kosten. Und schließlich: In besonders schweren Situationen, etwa wenn die Zwillinge krank sind: Beantrage bei der Krankenkasse Familienpflege. Wohlfahrtsorganisationen wie die Caritas schicken dir eine Helferin, die den Haushalt weiterführt. Gut zu wissen: Mütter von Zwillingen gelten als besonders belastet und haben deshalb gute Chancen, eine Mutter-Kind-Kur bewilligt zu bekommen. Nähere Infos unter www.mutter- kind.de. Sehr zu empfehlen: Kontakt zu Eltern, denen es ähnlich geht. In vielen Städten gibt’s extra Familienstammtische, Krabbelgruppen und regelmäßige Treffs für Eltern mit Zwillingen. Kennenlern-Tipp Nummer eins ist allerdings mittlerweile das Internet: Rat und Austausch mit Zwillingseltern aus Deutschland und anderswo gibt’s zum Beispiel hier: www.zwillingsforum.de, www.zwillingsecke.de, unter dem Link "Stammtisch und Vereine" gibt’s eine gute Auflistung regionaler Gruppen, denen ihr euch anschließen könnt. Und schließlich: Auch auf www.eltern.de gibt’s ein spezielles Unterforum für Mehrlingseltern.

8. Sollen wir - ganz gerecht - alle Spielsachen doppelt kaufen?

Das ist nicht nötig: Auch andere Geschwister müssen Spielzeug teilen. Wichtig: klare Regeln vereinbaren - was ist deins, was meins, was unseres? Zwillinge haben meistens kein Problem damit, Bauklötze, Spielautos und Co. zu teilen - solange sie sich drauf verlassen können: Meine Puppe gehört mir ganz allein und mein Bobbycar auch.

9. Wie lange kann ich für meine Zwillinge Erziehungszeit nehmen?

Bis zu fünf Jahre! Der Grund: Seit Januar 2004 haben alle Eltern das Recht auf Elternzeit bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres - pro Kind. Das ist für Zwillingseltern erst mal natürlich ungeschickt: Die beiden werden ja gleichzeitig drei. Der Clou: Nach der neuen Regelung dürfen zwölf Monate der Elternzeit pro Kind später genommen werden, und zwar bis die Kinder acht Jahre alt sind. 3+1+1 = 5 Jahre, die nur dir und deinen Zwillingen gehören. Das heißt im Klartext: Für jedes Kind kriegst du noch ein Jahr extra! Der Haken: Der Chef muss zustimmen - also früh das Gespräch suchen! Die genaue Regelung findest du in einer Broschüre des zuständigen Ministeriums, als PDF abrufbar unter www.bmfsfj.de.

10. Kann ich Zwillinge stillen?

Auf jeden Fall. Angst, dass die Milch nicht reicht, ist genauso unbegründet wie bei Müttern mit nur einem Baby: Die Nachfrage regelt das Angebot! Es gibt sogar Mütter, die Drillinge voll gestillt haben... Doch wie geht’s ganz praktisch?
1. Möglichkeit: Die Babys nach Bedarf und einzeln stillen. Der Vorteil: Das Anlegen fällt gerade Still-Anfängerinnen leichter. Und: Die Mutter kann sich ganz auf ein Kind konzentrieren. Außerdem kann das kräftigere Baby durch sein Saugen den Milchspendereflex für sein Geschwisterchen auslösen. Der Nachteil: Bei zwei Säuglingen im Wachstumsschub ist Dauerstillen angesagt. Und: Was, wenn beide gleichzeitig Hunger haben?
2. Möglichkeit: Den Rhythmus möglichst synchronisieren - und dann beide gleichzeitig stillen. Lohnende Investition dafür: ein spezielles Stillkissen für Zwillinge. Die Vorteile: Zeitersparnis und bessere Planbarkeit. Die großen Nachteile: Ein Still- Rhythmus, der beiden gerecht wird, ist gar nicht so leicht zu finden. Extra zum Trinken aufgeweckte Babys saugen schlechter, hungrige Babys, die warten müssen, werden nörgelig. Und: Gerade für Still-Anfängerinnen ist es ganz schön schwer, beide Babys korrekt anzulegen.

11. Wie kann ich mit Zwillingen Geld sparen?

  • Bei der Anmeldung zu Kursen wie Babymassage oder PEKiP auf die besondere Situation hinweisen: Oft kann man einen Geschwisterpreis aushandeln.
  • Richtige Schnäppchen gibt's oft auf sogenannten Baby-Basaren. Auch eine gute Idee: Auf der Wöchnerinnen-Station mancher Krankenhäuser gibt's Pinnwände, an denen Eltern die nicht mehr benötigten Babysachen ihrer Kinder anbieten können. Extra Zwillingsbedarf ist vor allem im Internet gut zu kriegen: Große Zwillings- Homepages, die auch Online-Flohmärkte und eine Tauschbörsen haben, sind zum Beispiel www.twins.de.
  • Manche Zwillingseltern können sich vor Produktproben kaum retten. Der Grund: Sie haben fleißig Briefe mit ein paar süßen Zwillings-Fotos an die einschlägigen Windelhersteller, Gläschenfabrikanten und Co geschickt. Dort reagieren die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit oft großzügig. Eine gute Adressliste geeigneter Unternehmen gibt’s bei www.zwillingsecke.de unter dem Link "Hilfe von Firmen".
  • Manche Spielzeug- und Kinderbekleidungsläden gewähren Zwillingseltern bei jedem Einkauf Rabatt. Bei Baby Walz gibt’s gegen Vorlage der Geburtsurkunden zehn Prozent Rabatt auf alle Einkäufe bis zum zweiten Lebensjahr der Zwillinge, bei Jako-o immerhin fünf Prozent.

12. Auf welche finanziellen Hilfen haben Zwillingseltern Anspruch?

Leider auf wenige. Unterstützungsprogramme vom Bund gibt es nicht. Es gibt zweimal Kindergeld und gegebenenfalls Kindergeldzuschlag. Familien, die durch eine Zwillingsgeburt in drastische finanzielle Schwierigkeiten kommen, erhalten bei entsprechenden Stiftungen (zum Beispiel "Mutter und Kind") einmalig Unterstützung. Der Haken: Der Antrag dazu muss meist schon in der Schwangerschaft gestellt werden. Tipp: Das Recht auf Beratung so früh wie möglich nutzen! Ob Schwangerschaftsberatungsstelle, Jugendamt oder Wohlfahrtsverband: Hier gibt’s alle Informationen zu Fördermöglichkeiten und, wenn nötig, Hilfe beim Ausfüllen der Anträge.

13. Meine Zwillinge können lange noch nicht so gut sprechen wie das gleichaltrige Nachbarskind - dafür verstehen sie sich perfekt in ihrer "Zwillingssprache". Ist das schlimm?

Nein. Es ist völlig normal, dass Zwillinge ein bisschen langsamer sprechen lernen - durchschnittlich hinken sie Einlingen um etwa ein halbes Jahr hinterher. Warum? Erstens sind Zwillinge häufig auch Frühchen - und die haben eben eine Menge aufzuholen. Und zweitens haben Forschungen gezeigt, dass in Zwillingsfamilien oft so großer Zeitmangel herrscht, dass weniger mit dem einzelnen Kind gesprochen wird. Tipp: Kinderreime, Fingerspiele und Vorlesezeiten in den Tagesablauf einbauen - durch die ständige Wiederholung fällt den Kleinen das Lernen leichter. Bis zum Schulbeginn hat sich der Sprach-Rückstand meist ausgeglichen. Und das Geheimnis der Zwillingssprache? Ein paar Gesten, einige genuschelte Worte - und die Kinder verstehen sich blind. Der Grund: Zwillinge sind miteinander so vertraut, dass sie blitzschnell die Körpersprache "lesen" und verstehen können - Worte sind da oft überflüssig. Meist verliert sich die Zwillingssprache spätestens im dritten Lebensjahr von selbst. Wenn du allerdings den Eindruck hast, deine Zwillinge schotten sich durch die Geheimsprache in ihrer Zwillingswelt ab und kommen in der "normalen" Sprachentwicklung nicht weiter: sicherheitshalber den Kinderarzt fragen, ob logopädische Förderung sinnvoll ist.

14. Ein Babysitter für meine zwei - wem kann ich das zutrauen?

Oft machen den Job Schülerinnen oder Studentinnen ohne eigene Kinder. Dann Zwillinge? Schnell eine Überforderung! Mögliche Lösungen: zwei Freundinnen einstellen. Jede nimmt ein Kind, sie kriegen einen gemeinsamen (etwas großzügigeren) Stundenlohn, den sie sich teilen - dafür haben sie auch immer jemanden zum Quatschen dabei. Oder: eine erfahrene Tagesmutter finden. Wer seit Jahren bis zu fünf Kinder betreut, kommt auch mit Zwillingen klar. Tipp: Viele Tagesmütter nehmen Kinder auch nur für einige Stunden - einfach mal nachfragen.

15. Gleiche Klamotten für die zwei?

Zunächst einmal: Wer es süß findet, seinem Zwillingspärchen die gleichen Strampler anzuziehen - tu dir keinen Zwang an! Babys ist es total egal, was sie anhaben, solange sie darin gut strampeln können. In der Praxis sieht’s allerdings meistens so aus: Partnerlook-Pläne scheitern oft daran, dass ein Zwilling sich beim Frühstück vollkleckert und du keine Lust hast, deshalb zwei Kinder umzuziehen. Eineiige Zwillinge sind außerdem als Kleinkinder oft froh um unterschiedliche Kleidung - und die Großeltern, die sie voneinander unterscheiden sollen, auch.