Stillen
 
Das hilft Müttern bei Stillproblemen

Muttermilch ist das Beste für Mutter und Kind: optimal auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt, wohltemperiert und immer vorhanden. Doch auch Stillen will gelernt sein! Worauf man achten sollte, erfahren Sie hier.

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Keine falschen Erwartungen

Stillen: Das hilft Müttern bei Stillproblemen

Die beste Nahrung fürs Baby kommt aus Mamas Brust: optimal auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt, wohltemperiert und in ausreichender Menge. Auch für die Mütter hat Stillen viele Vorteile: Die Gebärmutter zieht sich schneller auf ihre ursprüngliche Größe zurück, die zuviel gewonnenen Pfunde der Schwangerschaft schmelzen schneller dahin, inzwischen vermutet man auch, dass langes Stillen das Brustkrebsrisiko senkt. Und natürlich bedeutet Stillen auch die innigste Verbindung von Mutter und Kind. Umso mehr Sorgen machen sich junge Mütter, wenn es bei ihnen mit dem Stillen nicht auf Anhieb klappt. Keine Sorge - Stillen will auch gelernt sein und die meisten Probleme beim Stillstart geben sich nach einer Weile von selbst. Lassen Sie sich nicht verunsichern von irgendwelchen Vorgaben: Jedes Kind ist anders und jede Mutter auch. Mit ein bisschen Zeit und der nötigen Gelassenheit renkt sich meist alles wieder ein.

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Die ersten Stunden nutzen

Direkt nach der Geburt ist der beste Zeitpunkt zum ersten Anlegen, das Neugeborene fängt von alleine an, die Brust zu suchen. Nicht jedem ist es vergönnt, diesen Augenblick zu nutzen - nach einer schweren Geburt können alle Beteiligten zu erschöpft sein, vielleicht ist die Mutter noch unter Narkose. Keine Sorge - auch das lässt sich nachholen. Selbst wenn die Mutter einige Tage braucht, um wieder auf die Beine zu kommen, kann man dann immer noch anfangen zu stillen. Versuchen Sie, sich nicht durch einen missglückten Versuch entmutigen zu lassen und dann gleich zu Flaschennahrung zu greifen. Manchmal braucht es eben mehrere Anläufe, bis der Groschen gefallen ist.

Vielleicht ist das Baby zu müde von den Strapazen und muss erst mal schlafen? Dann versuchen Sie es eben später erneut. Es ist normal, dass Neugeborene in der ersten Zeit nach der Geburt an Gewicht verlieren - ob sie gleich gestillt werden können oder nicht. Der Kinderarzt muss entscheiden, wann es Zeit wird für das Fläschchen, wenn es mit dem Stillen länger nicht klappt. Hilfreich ist es übrigens auch, sich schon vor der Geburt in einer Stillberatung oder einer Stillgruppe zu informieren: Das bringt mehr Sicherheit und sie können dem Stillstart gelassener entgegenblicken. Im Krankenhaus ist die Säuglingsschwester oder eine spezielle Stillschwester Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Stillen. Wenn Sie ambulant oder zu Hause entbunden haben, kann Ihnen die Nachsorgehebamme helfen.

Video: Stillpositionen

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Wunde Brustwarzen

Einige Frauen sind erstaunt, wie weh das Stillen tun kann: Manchmal sind am zweiten oder dritten Tag nach dem Stillstart die Brustwarzen so gereizt oder sogar wund, dass man die Zähne zusammenbeißen muss, wenn das Kind anfängt zu trinken. Das ist jedoch völlig normal, schließlich ist Stillen eine völlig ungewohnte Belastung für die ansonsten ja sehr sensiblen Körperteile. Auch wenn man seine Brustwarzen schon während der Schwangerschaft abhärtet (durch Bürstenmassagen, kalte Duschen oder Sonstiges), durchlebt man diese Phase mehr oder weniger heftig. Ein Trost: die Beschwerden gehen ziemlich schnell vorbei. Folgendes sollten Sie beachten:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Baby beim Trinken immer die ganze Brustwarze plus Vorhof im Mund hat. Das mag Ihnen am Anfang noch komisch vorkommen, aber anderenfalls wird die Warze zu sehr beansprucht und die Milch kann nicht richtig fließen.
  • Wenn das Baby während des Trinkens eingeschlafen ist, nehmen Sie ihm unbedingt die Brust aus dem Mund. Dazu fahren Sie mit einem Finger seitlich zwischen seine Lippen und lösen vorsichtig den Unterdruck. Auf keinen Fall einfach rausziehen!
  • Lassen Sie nach dem Stillen die Mischung aus Muttermilch und Babyspeichel auf Ihrer Brust an der Luft trocknen. Das wirkt entzündungshemmend.
  • Wechseln Sie häufig zwischen verschiedenen Stillpositionen, damit die Belastung nicht einseitig ist. Je nachdem, ob Sie im Liegen oder Sitzen stillen, mit dem Baby vor dem Bauch oder an der Seite, werden verschiedene Regionen der Brust beansprucht. Weiterer Vorteil: Die Brüste werden so auch gleichmässiger leergetrunken.
  • Wechseln Sie häufiger die Seiten beim Stillen und lassen Sie Ihr Baby lieber nicht zu lange und dafür öfter trinken.
  • Auch wenn Sie der Meinung sind, Sie können die Schmerzen nicht mehr aushalten: Meist ist nach ein bis zwei Tagen alles vorbei. Und dann haben Sie das Schlimmste überstanden. Falls Sie länger Probleme haben oder die Brustwarzen nicht verheilen, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder die Hebamme fragen. Es kann wohl manchmal sein, dass eine Pilzinfektion die Ursache für die schlechte Heilung ist. Diese muss dann behandelt werden.

Zu viel Milch oder zu wenig Milch

Nach der Geburt bekommt das Baby die äußerst nährreiche Vormilch zu trinken, am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt schießt die reife Milch ein. Manchmal ist dieses Einschießen der Milch mit Schmerzen verbunden, die Brust wird schwer und prall. Wenn das Baby nun anfängt zu trinken, kann es passieren, dass die Milch zu stark herausschießt. Viele Babys verschlucken sich, werden daraufhin hektisch und schreien. Es ist ganz normal, dass die Milchmenge zu Anfang nicht mit den Bedürfnissen des Babys übereinstimmt: entweder gibt es zu viel oder zu wenig. Angebot und Nachfrage pegeln sich beim Stillen erst im Laufe von ein paar Wochen ein.

Was Ihnen hilft, wenn Sie zu viel Milch haben:

  • Hin und wieder ein Glas Salbeitee trinken, nach Absprache mit Arzt oder Hebamme. Auf keinen Fall mehr als eine Tasse täglich. Der Erfolg stellt sich meist nicht sofort, sondern erst nach ein paar Tagen ein.
  • Wenn das Baby Hunger hat, schon vor dem Trinken etwas Milch herausstreichen mit der Hand. Wenn der Druck etwas nachlässt in der Brust, schießt auch die Milch nicht mehr so raus.
  • Die Milch nicht abpumpen - es sei denn, Sie wollen noch ein weiteres Kind damit ernähren. Wird die Milch abgepumpt, bildet sich immer mehr nach - und das wollten Sie schließlich vermeiden, oder?

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Was Ihnen hilft, wenn Sie zu wenig Milch haben:

  • Auch hier gibt es eine Teemischung, die milchbildend wirkt: Anis, Kümmel und Fenchel, meist fertig gemixt als Stilltee. Davon kann man getrost schon in der Schwangerschaft trinken, sollte es aber nicht übertreiben.
  • Legen Sie Ihr Baby möglichst häufig an die Brust, das regt die Milchbildung an - auch wenn es nur nuckelt. Aber passen Sie auf Ihre Brustwarzen auf, für die kann das anstrengend werden.

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Milchstau und Brustentzündung

Fast jeder Stillmutter passiert es, daß sie mal einen Milchstau bekommt. Gründe können sein, dass das Baby entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten eine Mahlzeit verschläft oder immer nur von einer Seite trinken will. Die betroffene Brust wird dann heiß und hart und fängt an zu schmerzen. Jetzt müssen Sie schnell handeln, sonst wächst sich der Stau zu einer Brustentzündung aus. Versuche, dass Baby zu wecken und zum Trinken zu überreden, enden meist erfolglos. Machen Sie sich also warme Umschläge auf der Brust und streichen Sie dann mit der Hand die Milch von allen Richtungen aus. Das kann eine Weile dauern und Sie sollten erst aufhören, wenn die Schmerzen ganz nachgelassen haben. Wenn Sie nur mit Ausstreichen nicht weit kommen, können Sie auch eine Milchpumpe verwenden: Allerdings nur, bis der Milchfluss einsetzt. Auch wenn die Schmerzen jetzt weg sind, kann es trotzdem noch sein, dass Sie Schüttelfrost bekommen. Legen Sie sich warm ins Bett und schlafen ein bisschen.

Eine Brustentzündung lässt sich trotzdem nicht immer vermeiden. Wenn Sie Schüttelfrost, hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen haben, sollten Sie sich unbedingt vom Arzt untersuchen lassen. Wichtig: Auch mit einer Brustentzündung muss man nicht zwangsläufig abstillen. Sie können sich mit homöopathischen Medikamenten behandeln lassen und Ihrer Brust viel Wärme gönnen - durch Duschen, Rotlicht oder Wickel - , damit die Milch besser fließen kann. In manchen Fällen helfen nur Antibiotika - dann sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie eine Stillpause einlegen müssen.

Sonstige Probleme

  • Flachwarzen: Auch Frauen mit Flach- oder Schlupfwarzen können stillen. Es gibt bestimmte Übungen, mit denen man während der Schwangerschaft schon versuchen kann, die Warze hervorzuholen. Ansonsten kann man auch Stillhütchen verwenden.
  • Zwillinge: Zwei Babys satt zu kriegen ist sicher anstrengend, aber es funktioniert. Auch hier richtet sich das Angebot nach der Nachfrage. Und wenn man "nur" Zwillinge hat, kann man sie sogar gleichzeitig trinken lassen - das ist weniger aufwändig, als zehnmal am Tag Fläschchen zu machen.
  • Keine Ruhe: Wenn Mütter schon ältere Kinder haben, nutzen diese die Stillzeiten oft aus, um ihre Eifersucht ungebremst auszuleben. Milch wird auf den Boden geschüttet, die Musik laut aufgedreht, gequengelt und geweint. Die Großen erkennen sehr genau, wann die Mutter am empfindlichsten ist. Hier helfen leider nur gute Nerven, die Ruhe zu bewahren und konsequent zu sein. Dann hören diese Störungen von alleine wieder auf.
  • Arbeit: Viele Frauen müssen nach dem Mutterschutz wieder anfangen zu arbeiten. In dem Fall kann man Milch auf Vorrat abpumpen und per Fläschchen geben lassen. Oder Sie nutzen die Mittagspause für ein Rendezvous mit dem Baby. Stillende Mütter haben allerdings auch ein Recht auf Stillpausen während der Arbeit. Je nachdem, wo sie arbeiten und wie lange, dürfen sie bis zu zwei Stillpausen für je eine halbe Stunde einlegen.

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