Babyschlaf
 
Einschlafprobleme - was hilft?

Sie müssen stundenlang am Bettchen sitzen, bis Ihr Kind endlich eingeschlafen ist und sind langsam am Ende Ihrer Kräfte? Dann könnte ein Schlafprogramm helfen. Aber Vorsicht: Ihnen und Ihrem Kind verlangen die gängigen Methoden einiges ab.

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Babys brauchen auch beim Schlaf Hilfe

Baby hat Einschlafprobleme - Hilft ein Schlafprogramm?

Mit dem Schlaf von Babys und Kleinkindern ist das so eine Sache: Sie müssen erst langsam ihren Rhythmus finden. Und bis der dem Rhythmus der Eltern angepasst ist, dauert es seine Zeit. Nur wenige Babys schlafen problemlos ein und danach sechs oder sieben Stunden am Stück.
Das ist vollkommen normal. Denn Babys brauchen, wie in so vielen anderen Dingen auch, beim Einschlummern unsere Hilfe. Und das heißt in den ersten Monaten: viel Nähe und schöne Abendrituale. Die meisten Kinder schaffen es im zweiten Lebensjahr, allein zur Ruhe zu kommen. Aber leider nicht alle. Manche lassen auch mit zwei oder drei Jahren ihre Eltern am Bett nicht los - oder fordern stundenlange aufwändige Rituale. Verständlich, dass ihre Eltern das irgendwann nicht mehr mitmachen wollen.

Lösung Schlafprogramm?

Können jetzt sogenannte Schlafprogramme eine Lösung sein? Einige Schlafforscher vergleichen sie mit Konditionierung, mit Dressur, andere finden, für gestresste Eltern können sie eine Lösung sein, wenn man sie umsichtig anwendet. Alle Fachleute sind sich einig, dass die bekannte Ferber-Methode ("Jedes Kind kann schlafen lernen") nur etwas für größere Kinder und für den Notfall ist - weil das kontrollierte Weinenlassen auch bei Ein- und Zweijährigen noch zu enormem Stress und Verlustängsten führt.

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Kuss-Methode


Wann die Methode sinnvoll ist
Ihr Kind ist abends besonders unruhig und angespannt. Sie haben das Gefühl, dass sich etwas ändern muss und wollen dies auf sanfte Weise erreichen.
So gehen Sie vor
Dieses Einschlaftraining basiert auf Belohnung. Nach dem Abendritual bringen Sie Ihr Kind ins Bett und geben ihm einen Gutenachtkuss auf seine Wange. Versprechen Sie ihm, dass Sie in einer Minute zurückkommen und es wieder küssen – aber nur, wenn es mit seinem Kopf auf dem Kissen oder der Matratze liegen bleibt. Gehen Sie aus dem Zimmer und kehren Sie kurz darauf für ein Küsschen zurück. Wenn Ihr Kind versucht aufzustehen, schimpfen Sie nicht, sondern drücken Sie es nur sanft wieder zurück und erinnern Sie es daran, dass Sie nur küssen, wenn es liegen bleibt. Versuchen Sie, ein Spiel daraus zu machen. Sie werden merken, dass die Anzahl der Küsse und die Zeit, die Ihr Kind braucht, um einzuschlafen, mit jedem Abend weniger werden.
Das hilft Ihnen
Bleiben Sie streng mit den Regeln und belohnen Sie Ihr Kind nur wortlos mit Küssen – mit nichts anderem. Bereiten Sie sich darauf vor, dass Sie einige Nächte sehr viel und sehr lange küssen müssen. 100 bis 200 Küsse können es anfangs schon sein. Halten Sie sich zurück, sobald Sie merken, dass Ihr Kind dabei ist, einzuschlafen.
Mögliche Fallen
Manche Kinder lassen sich anfangs bis zu drei Stunden küssen. Versuchen Sie trotzdem konsequent und ruhig zu bleiben. Wenn Sie das schaffen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Allerdings kann diese Methode für Ihren Rücken anstrengend sein, denn Sie müssen sich jedes Mal zu Ihrem Kind hinunterbeugen. Wenn Sie Probleme haben, streicheln Sie Ihrem Kind nur sanft über die Hand oder über den Kopf.

Rückzug-Methode

Wann die Methode sinnvoll ist
Sie geraten in immer längere Bettrituale hinein und merken, dass Sie und Ihr Kind (zu) eng miteinander verbunden sind. Möglicherweise schläft es seit einiger Zeit nur noch ein, wenn es sich an Sie kuscheln oder Ihre Hand halten darf.
So gehen Sie vor
Die Idee, die hinter diesem Schlaftraining steckt, ist, dass das Kind viele kleine Veränderungen leichter akzeptiert als eine große Umstellung. Setzen Sie sich auf einen Stuhl neben das Bett, bis Ihr Kind eingeschlafen ist. Am nächsten Abend stellen Sie Ihren Stuhl etwas weiter entfernt vom Bett auf. Am darauf folgenden Tag rücken Sie noch ein Stück weg. Entfernen Sie sich auf diese Weise immer mehr, bis Sie schließlich nicht mehr im Zimmer sitzen, sondern vor der Tür, aber in Rufweite. Wie lange es dauert, bis Ihr Kind allein einschlafen kann, hängt davon ab, wie eng Ihre bisherige Verbindung beim abendlichen Bettritual war.
Das hilft Ihnen
Vermeiden Sie Augenkontakt und ermutigen Sie Ihr Kind nicht, mit Ihnen Verbindung aufzunehmen. Am besten lesen Sie mit einer kleinen Leselampe in einem Buch. Rücken Sie immer nur so weit vom Bett weg, wie es Ihr Kind toleriert, ohne unruhig zu werden. Haben Sie aber das Gefühl, dass Ihr Kind ein Machtspiel betreibt, beschleunigen Sie Ihr Wegrutschen. Wichtig: Kuscheln Sie mit Ihrem Kind ausgiebig, bevor Sie es ins Bett bringen. So bekommt es die Portion Nähe, die es bisher beim Einschlafen erhalten hat.
Mögliche Fallen
Verlieren Sie Ihr Ziel nicht aus den Augen. Bei dieser Technik besteht die Gefahr, dass Sie in einer Position stecken bleiben. Es kann sein, dass Ihr Kind protestiert, wenn Sie das Zimmer verlassen. Halten Sie deshalb noch einige Abende vor der (einen Spalt geöffneten) Tür "Wache". Danach beschäftigen Sie sich in Türnähe, damit Ihr Kind merkt, dass Sie da sind.


Pendel-Methode

Wann die Methode sinnvoll ist
Sie können es nicht ertragen, wenn Ihr Kind weint, haben aber das Gefühl, dass es durchaus in der Lage ist, allein einzuschlafen. Und: Sie sind entschlossen, ihm dabei zu helfen.
So gehen Sie vor
Nach dem Abendritual legen Sie Ihr Kind wach ins Bett. Erklären Sie ihm, dass Sie jetzt rausgehen, aber in der Nähe bleiben, und dass es liegen bleiben soll. Wählen Sie einen Gutenachtsatz ("Jetzt wird geschlafen", "Du schläfst jetzt ein, mein kleiner Schatz" o. Ä.), dann verlassen Sie entschlossen das Zimmer. Wenn Ihr Kind aufsteht, laut protestiert oder schreit, kehren Sie zurück, legen es wieder hin und wiederholen den Satz. Dann gehen Sie wieder raus. Wiederholen Sie diese Aktion immer wieder, bis Ihr Kind schläft.
Das hilft Ihnen
Vermeiden Sie Augenkontakt zu Ihrem Kind und achten Sie darauf, dass Ihre Stimme ruhig bleibt. Ihr Kind soll sich langweilen – und schlafen. Wichtig ist, dass sich nichts verändert - weder Ihre Stimme noch Ihr Verhalten. Sobald Sie gestresst wirken, geht diese Anspannung auf Ihr Kind über, und es findet keine Ruhe.
Mögliche Fallen
Diese Methode ist zwar erfolgreich, es kann aber lang dauern, bis sich der Erfolg einstellt. Deshalb besteht die Gefahr, dass Sie ungeduldig und gestresst reagieren. Denn Sie werden möglicherweise weniger schlafen als jemals zuvor. Versuchen Sie deshalb, sich mit Ihrem Partner abzuwechseln. Oder schaffen Sie sich eine Möglichkeit, tagsüber etwas zu schlafen.


Ferber-Methode*

Wann die Methode sinnvoll ist
Sie haben das Gefühl, alles ausprobiert zu haben. Das abendliche Einschlafen ist zu einem Machtkampf geworden, über den Ihr Kind genauso unglücklich ist wie Sie. Ihr Kind ist nicht viel jünger als zwei Jahre – und Sie stehen in engem Kontakt mit Ihrem Kinderarzt, einem Kinderpsychologen oder einem Schlaflabor.
So gehen Sie vor
Nach dem Gutenachtkuss verlassen Sie das Zimmer. Schreit Ihr Kind, kehren Sie nach 30 Sekunden zurück, beruhigen es, nehmen es aber nicht aus seinem Bettchen. Dann gehen Sie wieder raus. Schreit Ihr Kind erneut, warten Sie fünf Minuten, bevor Sie zurückkehren. Sie beruhigen Ihr Kind wieder (nicht länger als zwei, drei Minuten) und gehen raus. So geht es weiter, allerdings erhöht sich die Zeit, nach der Sie zu Ihrem Kind zurückkehren, um jeweils fünf Minuten. Am ersten Tag bis auf 15 Minuten. Am zweiten Tag beginnen Sie bei zehn Minuten und steigern auf 20 Minuten. Bis Sie bei einem 30-Minuten-Rhythmus angelangt sind. Dabei bleiben Sie, bis Ihr Kind nach einigen Tagen "aufgibt" und schnell einschläft.
Das hilft Ihnen
Diese Methode kann anstrengend sein. Denn manche Kinder schreien ziemlich lange, was für die meisten Eltern schwer auszuhalten ist. Am besten nehmen Sie eine Uhr, um zu wissen, wann Sie wieder zu Ihrem Kind gehen dürfen. Aber bitte keinen Küchenwecker, damit Ihr Kind beim Einschlafen nicht gestört wird. Gehen Sie nicht mehr ins Zimmer, wenn Sie merken, dass Ihr Kind ruhiger wird. Ihr Auftauchen könnte es zu neuem Protestgeschrei animieren.
Mögliche Fallen
Sie brauchen viel Entschlossenheit, es besteht die Gefahr, dass Sie zu schnell aufgeben. Wechseln Sie sich deshalb tageweise mit Ihrem Partner ab. Wenn Sie Ihr Kind allein erziehen, sorgen Sie dafür, dass jemand anwesend oder telefonisch erreichbar ist, der Ihnen den nötigen Rückhalt geben kann. Das kann Ihre Mutter, eine Freundin oder Nachbarin sein.

*) benannt nach ihrem "Erfinder", dem amerikanischen Kinderarzt Dr. Richard Ferber