Babysitter
 
Mama beim Auswärtsspiel

ELTERN-Autorin Isabell Hartmann und ihre Tochter haben schon einige Erfahrungen mit Babysittern gesammelt. Das erste Mal jedoch war hart für die junge Mutter.

Babysitter: Mama beim Auswärtsspiel

Seit ein paar Tagen habe ich Alpträume: Ich stehe mitten in einem Fußballstadion, die Zuschauer brüllen "Rabenmutter". Der Schiedsrichter zeigt mir die rote Karte, dann überrollt mich ein riesiger Fußball. Der Grund für meine schlaflosen Nächte: Tickets für ein Fußballspiel. Die schenkte uns meine Mutter kurz vor Lottas Geburt: "Damit das Leben auch mit Kind weitergeht." EM-Qualifikation? Babysitten inklusive? "Klar gehen wir", jubelte ich. Was ich vor sechs Wochen nicht wusste: Lotta macht süchtig.

Stundenlang schaue ihr beim Schlafen zu. Schon ein winziges Lächeln von Lotta zaubert ein idiotisches Grinsen auf mein Gesicht. Gehe ich alleine zum Supermarkt, macht sich sofort ein dicker Kloß im Hals breit. Hilfe! Wie soll ich da 90 Lotta-lose Minuten überstehen? "Mit den Alpträumen verarbeitest Du die neue Situation", diagnostiziert meine Hebamme. "Ihr könnt Lotta ruhig für ein paar Stunden mit jemandem alleine lassen, den sie gut kennt."

Einfach mal weg? Das braucht tagelange Vorbereitung

Der Ausflug in mein altes Leben hat Spaß gemacht

Unsere Taktik für das große Spiel: Ich perfektioniere meine Milch-Abpump-Technik, Lotta und Papa Mikko üben Aus-der-Flasche-Trinken, meine Mutter feilt an ihrem Kinderlieder-Repertoire. Am Samstag um sechs ist Anpfiff. Da befinden wir uns noch in der Aufwärmphase: Joggen zur U-Bahn, weil ich unbedingt noch einmal das Babyfon checken musste.

20. Spielminute: Wir sind endlich im Stadion, meine Gedanken immer noch bei Lotta: Hoffentlich weint sie nicht. Schafft meine Mutter das? 35. Spielminute: Elfmeter! Total verpasst, weil ich verzweifelt auf mein Handy starre: Kein Empfang! In der Halbzeit bekommt Mikko die Entwarnung per SMS: "Flasche leer. Lotta schläft." Puh! Langsam schalte ich um, von Superglucke auf Fußballfan. Ich fluche und juble mit wie früher. Der Endstand: 0:0.

Genauso fühle ich mich auch, als ich Lotta endlich wieder im Arm halte: Unentschieden. Der Ausflug in mein altes Leben hat Spaß gemacht. Aber: 90 Minuten haben sich noch nie so lange angefühlt. Und Lotta? Die hat unseren Ausflug ins Stadion einfach total verpennt.

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