Babysitter
 
Mama beim Auswärtsspiel

Die Babysitter-Suche

Als Lotta sechs Monate alt ist, träume ich wieder: Von Konzerten statt Kinderliedern. Von Mojitos statt Stilltee. Von Kneipen-Nächten statt Fernseh-Abenden. Und von Zeit zu Zweit. Denn seit Lotta da ist, ist bei Mikko und mir die Romantik weg. Unser Abendprogramm: Abspülen, Aufräumen und angeregte Diskussionen über Windelinhalte und Schlafprobleme.

Wir verordnen uns einen Babysitter. Aber: "Ein gutes Exemplar ist seltener als ein Lottogewinn", finden die Mädels aus der Krabbelgruppe. Nicole zum Beispiel, rekrutierte die Nachbarstochter zum Sophia-Hüten, weil sie endlich mal wieder zum Friseur wollte. Die Begrüßung bei ihrer Rückkehr: großes Geheul. Sophia weinte vor Hunger, die Babysitterin, weil sie den Flaschenwärmer nicht ankriegte. Und die Nobel-Nanny mit Doppel-Diplom kassierte bei Anna nicht nur fünfzehn Euro die Stunde sondern auch den neuen I-Pod ein. Ich wage es trotzdem: Ich setze eine Anzeige in ein Baby-Forum im Internet.

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Wiederentdeckt: meinen Mann

Fünf Kandidaten sind beim Nanny-Casting dabei. Unsere Favoritin: Maria, 20, Kunst-Studentin. Bei Lotta punktet sie mit Hoppe-Hoppe-Reiter in Endlosschleife, bei mir mit Geduld und Babysitter-Diplom. Unser Deal? Zwei Abende im Monat, sechs Euro die Stunde, dreimal Probesitten.

Während Lotta und Maria Bechertürme bauen, pflastere ich die Wohnung mit Post-it-Zetteln: Lottas Schlafenszeiten, ihr Ins-Bett-Geh-Ritual, das Rezept für den Abendbrei, Notfallnummern. Und: Ich buche einen Tisch bei unserem Lieblingsitaliener. Alles bereit für die Lotta-freie Zeit!

Bis ich Lotta einen Abschiedskuss auf die Stirn drücke. Da fangen die Entzugserscheinungen an: In der U-Bahn schiebe ich einen unsichtbaren Kinderwagen vor und zurück, im Lokal summe ich gedankenverloren "Schlaf, Kindlein, schlaf". Das beste Gegenmittel: Mojitos. Nach 15 alkoholfreien Monaten garantiert mit Sofortwirkung. Plötzlich habe ich Schmetterlinge im Bauch. Weil ich vergessen hatte, wie witzig Mikko ist. Weil ich mich so entspannt und frei fühle. Und ein ganz kleines bisschen, weil ich an Lotta denke.

Fazit: Lotta hat den elternlosen Abend gut überstanden - zwar nicht im Schlaf, dafür aber mit abwechslungsreicher Abendshow: Mobile-Gucken, Gymnastikball-Hopsen und Disco-Dancing. Bei uns werden die Symptome des Lotta-Entzugs mit jedem Mal Ausgehen weniger, die Gefühle füreinander dafür wieder mehr. Wir haben das große Babysitter-Los gezogen! Andere Eltern leider auch. Maria hat immer viel zu tun, Mikko und ich wenig Gelegenheit zum Ausgehen. Die Lösung: Zum Geburtstag wünsche ich mir Gutscheine fürs Lotta-Sitten. Ein paar davon hebe ich mir für den Sommer auf. Warum? Mikko und ich fahren zur EM nach Österreich. Denn Fußball-Alpträume habe ich bis jetzt noch nicht wieder gehabt.

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