Mittagsschlaf
 
Ein Nickerchen am Mittag

Braucht's den Mittagsschlaf eigentlich noch? Und wie lange sollte er dauern: 20 Minuten oder zwei Stunden? Fragen zu einem heiß diskutieren Thema - und was Experten antworten.

Kleinkind liegt mit Vater im Bett
Thinkstock, NadyaSabeva
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Mittagsschlaf - ist er wirklich wichtig?

Im Schlaf wird das Gelernte so lange wiederholt, bis es sich fest verankert hat

Ja, weil er wie ein Lebenselixier wirkt. Kleine Kinder erholen sich in den Schlafpausen von den vielen neuen Eindrücken, denen sie täglich ausgesetzt sind. Und: der Schlaf hilft, die Eindrücke zu verarbeiten. "Im Schlaf wird das Gelernte so lange wiederholt, bis es sich fest verankert hat", sagt Schlafforscher Professor Jürgen Zulley von der Uni Regensburg. Wenn wir schlummern, werden die gleichen neuronalen Verbindungen aktiviert wie beim Lernen im Wachzustand. Schlaf lässt Kinderhirne reifen und hilft auch beim Wachsen: Denn im Standby-Betrieb schüttet der Körper ein Wachstumshormon aus.

Immer zur gleichen Zeit hinlegen?

Besser wär's. Die Schlafforscher sind sich einig: Ein geregelter Tagesablauf tut kleinen Kindern gut. Und reguliert am Ende auch den Nachtschlaf, er wird so immer zuverlässiger. "Man verschiebt den Mittagsschlaf seines Kindes möglichst nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn man einen wichtigen Termin hat", empfiehlt Dr. Bernhard Hoch, Kinderarzt und Schlafexperte am Josefinum in Augsburg. Unser Biorhythmus (und auch der von Babys) bevorzugt für den kleinen Schlummer die Zeit zwischen 12 und 14 Uhr. Nach dem Mittagessen, wenn der Körper seine Energie für die Verdauung braucht, sind Kinder, wie Erwachsene auch, ein bisschen schlapp und müde - die beste Voraussetzung, sie hinzulegen.

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Sind mehrere Schlafpausen auch okay?

Sehr interessierte, lebhafte Kinder brauchen eher mehrere Schlafpausen

Warum nicht? Schlaf ist etwas sehr individuelles. Er hängt vom Typ ab, vom Temperament. Sehr interessierte, lebhafte Kinder brauchen eher mehrere Schlafpausen, weil sie zwischendurch Erholung von ihren vielen Eindrücken benötigen. "Aber im Grunde ist es egal, wie man dahin kommt - ob mit einmal eineinhalb Stunden Mittagsschlaf oder zweimal 45 Minuten", sagt Dr. Hoch. Wird Dein Kind also am Nachmittag immer zappelig und quengelig, tut ihm vielleicht eine zweite kurze Schlafpause gut. Natürlich nicht zu spät, sonst kann Dein Kind abends nicht einschlafen.

Gibt es den richtigen Ort für den Mittagsschlaf?

Ganz klar: das Bett. Am besten das eigene. Auch wenn nichts dagegen spricht, den Mittagsschlaf gelegentlich in den Kinderwagen zu verlegen, weil das Wetter einen in den Stadtpark lockt. Mit zunehmendem Alter werden Kinder allerdings immer störanfälliger. Straßenlärm, Kaufhausgeräusche und Passanten können sich dann zu ungebetenen Weckern entwickeln. Babys dagegen bringt so schnell nichts aus der Ruhe: "Bis zu einem halben Jahr schlafen sie eigentlich überall", so Professor Zulley.

Sollte das Zimmer möglichst ruhig und dunkel sein?

Nicht nötig! "Tagesbedingungen" sind völlig okay. Es reicht also aus, das Zimmer nur halb abzudunkeln und Geräusche etwas herunterzufahren, aber nicht ganz auszuschalten. Das Signal "Ruhe" genügt. "Das Kind sollte ja auch lernen, dass tagsüber eine andere Zeit ist als nachts", erklärt Dr. Hoch. Außerdem: Der Tagesschlaf soll gar nicht so tief sein wie der Nachtschlaf, schließlich soll er ja auch nicht so lange dauern, damit das Kind abends einschläft. Wie am Abend kannst Du Deinem Kind aber auch für den Mittagsschlaf den gewohnten Schlafsack anziehen, damit es weiß: Jetzt ist Schlafenszeit.

Was mache ich, wenn mein Kind nicht einschlafen möchte?

Wer nicht schlafen kann oder will, darf sich still beschäftigen oder lesen

Wenn es nach 15 bis 20 Minuten noch nicht weggedöst ist, nimm es wieder aus dem Bett. Schlafzwang bringt gar nichts, sagt Jürgen Zulley: "Zwingt man ein Kind zum Schlafen, passiert genau das Gegenteil - es schläft sicher nicht ein. Durch den Druck entsteht Anspannung, und wer angespannt ist, kann nicht schlafen. Außerdem wird das Im-Bett-Liegen damit negativ besetzt." Versuche es also lieber eine halbe Stunde später noch mal. Ab zwei Jahren können Kinder statt Mittagsschlaf wenigstens eine Mittagsruhe halten - also ruhig, aber wach im Bett liegen lassen. Das ist besser als gar keine Entspannung. So handhaben es heute übrigens auch die meisten Kindergärten: Wer nicht schlafen kann oder will, darf sich still beschäftigen oder lesen. Grundsätzlich klappt es mit dem Mittagsschlaf am besten, wenn ein Kind sich vormittags ausreichend austoben konnte. Und eine gute Portion frische Luft abbekommen hat.

Wie lange sollte der Mittagsschlaf dauern?

Kommt aufs Kind an. Und aufs Alter. Eine Schweizer Studie mit knapp 500 Kindern zwischen Säuglingsalter und 16 Jahren zeigte: Es gibt enorme individuelle Unterschiede. So schliefen beispielsweise manche Einjährige tagsüber vier Stunden, andere nur eine halbe Stunde. Die Durchschnittswerte: bei einem sechs Monate alten Kind etwa dreieinhalb Stunden. Bei einem Einjährigen zweieinhalb Stunden. Mit eineinhalb Jahren zwei Stunden. Aber wie gesagt: Abweichungen von bis zu zwei Stunden sind normal. Wichtig ist, dass der Tagschlaf zum Nachtschlaf passt. Wenn Du feststellst, dass Dein Kind nachts schlechter schläft, also sich beim Ein- oder Durchschlafen schwertut oder schon morgens um fünf fit ist, dauert eventuell der Mittagsschlaf zu lange. Falls Du unsicher bist: Führe eine Woche lang ein Schlaftagebuch, in dem Du alle Schlafphasen aufzeichnest. „Wenn Du feststellst, dass Dein Kind mittags zu lange schläft, dann weck es regelmäßig nach einer bestimmten Zeit“, rät Professor Zulley. "Es wird sich ziemlich schnell an den neuen Rhythmus gewöhnen."

Bis zu welchem Alter brauchen Kinder überhaupt einen Mittagsschlaf?

In der Regel ist im vierten Lebensjahr Schluss, wie Umfragen zeigen. Manche brauchen das Nickerchen mit zwei nicht mehr, andere sind im Kindergartenalter noch dankbar. Generell gilt: "Je konsequenter die Ruhephasen in einen Tagesablauf integriert sind, desto länger werden Kinder dies auch als normalen Tageszyklus verstehen", so Dr. Hoch. Wie Du erkennst, dass Dein Schatz sein Schläfchen nicht mehr braucht? Zum Beispiel, wenn er über einen längeren Zeitraum zur gewohnten Zeit nicht mehr einschlafen kann, sich nur noch wälzt und am liebsten mit ganz anderen Dingen beschäftigen möchte. Oder wenn es zunehmend Probleme beim abendlichen Ein- und Durchschlafen gibt.