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Ab wann greifen Babys? Greifen lernen: Alle Entwicklungsschritte im Überblick

Baby greift aufmerksam nach einem Spielzeughasen
© WH_Pics / Adobe Stock
Reflexartig zupacken können Babys schon in Mamas Bauch. Aber bis sie einen Flusen mit Daumen und Zeigefinger zu fassen kriegen, braucht es einige Entwicklungsschritte. Wir erklären welche und ab wann ihr euer Baby beim Greifen lernen spielerisch unterstützen könnt.

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Kinder lernen jeden Tag, ihre Welt zu begreifen. Und das ist wörtlich gemeint. Denn wenn Babys greifen können, haben sie ganz neue Möglichkeiten, ihre Umgebung zu erkunden. Sie lernen, wie sich ein Ball anfühlt, welches Gewicht eine Rassel hat, und dass so eine Hand ein tolles Werkzeug ist – besonders, wenn nach einem halben Jahr auch die einzelnen Finger mit ins Spiel kommen.

Bis 3. Monat: Greifen als Reflex

Das erste Greifen ist ein reiner Reflex. Schon im Mutterleib greifen Babys automatisch zu, wenn etwas ihre Handinnenfläche berührt. In Mamas Bauch ist das meist die Nabelschnur, nach der Geburt umschließen Säuglinge mit erstaunlicher Kraft eure Finger. Die Erklärung liegt in unserer Evolution. Für den Nachwuchs unserer Affenverwandtschaft war und ist es überlebenswichtig, sich in Mamas Fell festkrallen zu können. Schließlich hat die Affenmutter nicht immer einen Arm frei, um ihr Baby selbst zu halten. Der Greifreflex hat unsere Weiterentwicklung zum Homo sapiens überlebt. Dieser Urinstinkt verschwindet aber nach 8 bis 12 Wochen. Erst dann ist für euer Baby der Weg frei zur Entwicklung des gezielten Greifens und wieder Loslassens.

2.-4. Monat: Zugreifen mit der ganzen Faust

Die Beschäftigung mit den eigenen Fingern und Händen ist bereits die Vorbereitung zum willentlichen Greifen. Euer Schatz hält zum Beispiel seine Hände vor sein Gesicht und betrachtet interessiert die eigenen Bewegungen. Später führt euer Baby vielleicht seine Hände zusammen und betastet die eine Hand mit der anderen. So entwickelt sich die Hand-Augen-Koordination und euer Kind begreift, dass es seine Hände selbst steuern kann. Zum Ende des dritten Lebensmonats können die meisten Babys kleine Dinge kurz festhalten. Zum Beispiel eine Rassel oder einen Greifling. Gegenstand wieder loszulassen ist schon schwieriger. Der Greifreflex steht da noch im Weg.

3. bis 6. Monat: Gezielt zugreifen

Jetzt übt dein Baby täglich das gezielte Zugreifen. Es fokussiert einen Gegenstand mit den Augen, versucht ihn dann zu fassen und hält ihn fest. Das klappt mit der Zeit immer besser. Hält das Objekt still, ist es natürlich einfacher. Spielzeuge, die hin- und herschaukeln (z.B. von einem Spielbogen/Babytrainer), zu erwischen ist oft noch eine Herausforderung. Um so größer ist die Freude, wenn es klappt. Wenn ihr einen Babytrainer oder Spielbogen habt, stellt ihn nicht zu hoch ein. Euer Kleines muss die Objekte nicht nur greifen, sondern auch scharf sehen können. Seine Augen befinden sich ja ebenfalls noch mitten in der Entwicklung.

Mit vier bis fünf Monaten wird das Zugreifen immer sicherer. Viele Babys können nun gezielt Gegenstände in ihrer Reichweite greifen. Die Greifbewegung wird als Handlungsverlauf abgespeichert. Mit 6 Monaten geben die meisten Babys Objekte bereits von einer in die andere Hand, bewegen und begutachten sie dabei.

Beim Greifen und Tasten bekommen sie wertvolle Informationen über das Gewicht, die Temperatur und die Oberfläche von Dingen. Der Greifreflex ist nun bei den meisten Babys verschwunden und auch das Loslassen klappt schon besser.

Vorsicht: In diesem Alter erforschen Kinder alles, was sie zu fassen bekommen, auch gerne mit dem Mund. Schaut euch nochmal in der Wohnung um, bevor euer Kleines zu krabbeln beginnt: Spitzes, Scharfes, Giftiges und gefährliche Kleinteile sollten spätestens jetzt aus seiner Reichweite verschwinden.

7. bis 8. Monat: Der Scherengriff

Beim Scherengriff klemmt dein Baby sich einen Gegenstand zwischen den unteren Teil des Daumens und seinem Zeigefinger. Mit dem Scherengriff kann dein Kind nun auch kleinere Dinge aufnehmen. Vorsicht! Die Welt deines kleinen Entdeckers ist nun voller Krümel, Perlen, Rosinen, Erbsen und Steinchen, die sehr gerne in den Mund wandern.

8. bis 12. Monat: Der Pinzettengriff

Der Pinzettengriff (auch Daumen-Zeigefinger-Griff) ist die Weiterentwicklung des Scherengriffs. Nun streckt euer Kind die Finger und greift mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger. So können kleine Gegenstände präziser gefasst werden. Babys brauchen eine ganze Weile, bis der Pinzettengriff sicher funktioniert. Wenn sie aber verstanden haben, dass sie nun die ganzen interessanten Kleinteile viel besser aufnehmen können, üben die meisten Kinder ihn um so lieber.

Eine kleine Steigerung des Pinzettengriffs ist der Zangengriff. Dabei werden die Spitzen von Daumen und Zeigefinger leicht gekrümmt, so dass die beiden Finger einen Kreis bilden. Auf diese Weise kann ein Objekt noch fester gefasst werden. Diese Fertigkeit erlernen Kinder meistens um den 11. Lebensmonat.

Übrigens: Unsere Monatsangaben dienen euch nur zur groben Orientierung. Ihr wisst ja: Jedes Baby ist anders. Es gibt Kinder, die sich begeistert mit Flusen, Perlen und Steinchen beschäftigen, und andere, die lieber mit beiden Händen Bälle rollen. Keine Panik: Kleine Grobmotoriker lernen den Pinzettengriff eben etwas später. Solltet ihr aber das Gefühl haben, dass euer Kleines den Pinzettengriff mit rund einem Jahr noch gar nicht beherrscht, ist es Zeit, den Kinderarzt danach zu fragen. Es könnte sein, dass euer Baby Probleme mit der Sehschärfe hat und vielleicht eine Brille braucht.

So könnt ihr das Greifen spielerisch fördern

Das gezielte Greifen funktioniert nur, wenn die körperliche Entwicklung eures Babys reif für diesen Schritt ist. Dafür muss z.B. der angeborene Greifreflex verschwunden sein. Auch das bewusste Loslassen kann erst klappen, wenn der Reflex nicht mehr im Weg steht. Beides geschieht ganz von selbst mit der Zeit. Danach könnt ihr euer Kleines spielerisch beim Üben unterstützen:

Abwechslung bieten
Gebt eurem Schatz immer mal unterschiedliche Dinge zum Greifen, so lernt es verschiedene Materialien, Gewichte und Größen kennen. Haltet das Spielzeug nicht mitten vor sein Gesicht. Das Gehirn kann dann oft nicht entscheiden, mit welcher Hand zugegriffen werden soll.

Nicht überfordern
Für die ganz Kleinen eignet sich auch ein Spielbogen. Legt euer Baby aber zunächst nicht länger als etwa 10 Minuten unter den Babytrainer. Die schaukelnden Objekte mit den Augen zu fokussieren und zu versuchen, sie zu erwischen, ist nämlich ganz schön anstrengend. Beobachtet euer Kind: Ist die Konzentrationsspanne überschritten und euer Baby gähnt, dreht sich weg oder fängt an zu quengeln, ist es Zeit für etwas anderes.

Für Bewegung sorgen
Ist euer Baby schon im Krabbelalter, kann das Greifen auch mit Bewegungsspielen kombiniert werden. Versteckt sein Lieblingsspielzeug unter ein paar Kissen und lasst es danach suchen. Oder rollt einen kleinen Ball zu eurem Kind und freut euch mit ihm, wenn es beherzt zufasst.

Diese Greifspielzeuge eignen sich gut im ersten Lebensjahr:

  • Rasseln
  • Greifringe
  • Greiflinge
  • Kleine, weiche Stofftiere oder Püppchen
  • Gummitiere, die Geräusche von sich geben, wenn man sie drückt
  • Fühlbücher oder -tücher mit unterschiedlichen Materialien
  • Stoff- oder Greifbälle
  • Holzketten mit großen Perlen

Denkt daran, dass euer Schatz alles auch mit dem Mund erkunden möchte. Das Spielzeug muss daher speichelecht und natürlich ungiftig sein.

Essen fassen lassen
Der Pinzetten- und Zangengriff lässt sich mit älteren Babys (ab etwa 6 Monaten) gut beim Essen üben. Schneidet zum Beispiel Obst, Gemüse oder Brot (je nach Alter des Babys) ist mundgerechte Stücke und bietet sie eurem Kind auf einem Teller an. So lernt es auch, dass sich einige Dinge, wie Brot, gut fassen lassen, während andere bei den ersten Versuchen vielleicht wegrutschen, etwa Pfirsich. Ihr werdet sehen: Der Appetit und der angeborene Drang nach Selbständigkeit lässt es euer Kleines aber immer wieder versuchen.

Quellen:
Annette Nolden et al. (2013): Das große Buch für Babys erstes Jahr: Das Standardwerk für die ersten 12 Monate, München: Gräfe und Unzer.

Kinderärzte im Netz: Entwicklungskalender.

Krombholz, Heinz (2018): Meilensteine der motorischen Entwicklung – Zwischenergebnisse, in: Hebamme, 31 (06), 387-392.

ELTERN

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