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Schlafregression Warum schläft mein Baby plötzlich schlechter?

Großes Baby oder Kleinkind liegt in den Armen seiner Mutter
© Galina Zhigalova / Adobe Stock
Dein Baby hat bereits durchgeschlafen und wacht nun nachts ständig auf? Oder war dein Kind noch nie ein guter Schläfer – und du bist der Verzweiflung nahe? Möglich, dass eine Schlafregression dahintersteckt. Wir verraten dir, was es mit der Schlechtschlafphase auf sich hat.

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Als Mama eines knapp zweijährigen Sohnes kenne ich das Phänomen der Schlafregression mittlerweile recht gut. Denn wir haben jede einzelne davon mitgenommen – mit vier Monaten, acht Monaten, zwölf Monaten und 18 Monaten. Die im Alter von zwei Jahren steht uns vermutlich noch bevor. Doch dann ist es hoffentlich mal gut, denn das ständige nächtliche Aufwachen kann ganz schön zermürben. Wir verraten dir, was hinter diesen Schlafräuberphasen steckt, wie lange sie andauern – und wie du damit umgehen kannst!

Was ist eine Schlafregression?

Hinter dem Begriff der Schafregression verbergen sich verschiedene Phasen, die etwa mit vier, acht, zwölf, 18 und 24 Monaten auftreten. Das Baby oder Kleinkind schläft auf einmal schlechter – egal, ob es zuvor durchgeschlafen hat oder immer schon ein schlechter Schläfer war. In diesen Phasen hat das Kind nicht nur Mühe, einzuschlafen, sondern auch durchzuschlafen oder generell zur Ruhe zu finden. Tatsächlich bedeutet das Wort "Regression" Rückschritt, doch das ist nicht ganz treffend.
Dein Kind mag in puncto Schlafen einen Rückschritt machen, doch in seiner Entwicklung macht es einen großen Fortschritt. Denn in den Phasen der Schlafregression verarbeitet dein Kleines mentale und physiologische Veränderungen. Das Gehirn deines Babys läuft auf Hochtouren, weil wichtige Entwicklungsschritte stattfinden. Problem dabei: Dein Kind lernt in dieser Zeit mehr, als es verstehen und aufnehmen kann. Und das äußert sich im schlechten Schlafverhalten.

Wie äußert sich eine Schlafregression?

Du bist dir nicht sicher, ob sich dein Baby oder Kleinkind gerade in einer Schlafregression befindet? Wir haben drei typische Anzeichen dafür, woran du erkennen kannst, dass die Schlechtschlafphase eingetreten ist:
  1. Dein Baby oder Kleinkind kommt schwer zur Ruhe, die Einschlafbegleitung zieht sich sowohl mittags als auch abends in die Länge. Sollte dein Kind bereits allein eingeschlafen sein, könnte sich dies nun ändern. Dein Kind möchte aktuell sehr viel Nähe von dir.
  2. Dein Kind hat durchgeschlafen? Während der Schlafregression wird es vermutlich wieder häufiger wach, da es weniger tief schläft. Dein Kind hat einen Schlafzyklus von 60 bis 90 Minuten. Manche Kinder werden nach jedem Schlafzyklus wach – und suchen dann die Nähe ihrer Eltern. Auch der Mittagsschlaf kann kürzer ausfallen, als du es sonst gewohnt warst.
  3. Dein Baby weint und quengelt deutlich mehr – sowohl in der Nacht als auch tagsüber. Eine Folge des permanenten Schlafmangels. Wer schlecht schläft, ist bekanntlich nicht besonders gut gelaunt. Das geht uns Erwachsenen nicht anders. Das Gute ist jedoch, dass die Phasen nicht ewig anhalten (sollten).

Wie lange dauern die Schlafräuberphasen?

Eine Frage, die leider nicht pauschal beantwortet werden kann, da jedes Kind unterschiedlich ist. Die erste Schlafregression im Alter von vier Monaten dauert etwa zwei bis vier Wochen, alle weiteren dauern durchschnittlich vier bis sechs Wochen. Wenn dein Baby oder Kleinkind nur wenige Tage schlecht schläft, ist dies nicht direkt eine Schlafregression. Dann stecken hinter dem veränderten Schlafverhalten vermutlich andere Gründe, wie etwa Zahnungsschmerzen, Viren oder die falsche Schlafumgebung bzw. Kleidung. Im Übrigen sind die Monatsangaben ebenfalls eher als Anhaltspunkt und nicht als festes Datum zu verstehen. Die individuelle Entwicklung deines Kindes spielt hierbei eine große Rolle.

4-Monats-Schlafregression:

Vier Monate alte Babys können bereits fünf oder sechs Stunden am Stück schlafen (keine Sorge, wenn es nicht so ist!) – plötzlich schlafen sie jedoch nur noch eineinhalb Stunden am Stück. Der Schlafzyklus bildet sich aus und die Babys haben Schwierigkeiten, von selbst wieder in den Schlaf zu finden. Auch die Tagesschläfchen sind in dieser Zeit verkürzt und möglicherweise auch nur in der Trage möglich. Darüber hinaus lernen Babys in dieser Zeit, sich vom Bauch auf den Rücken – und umgekehrt – zu drehen. Und das probieren sie auch gerne zu jeder Tages- und Nachtzeit aus.

8-Monats-Schlafregression:

Im Alter von etwa acht Monaten lernt dein Baby die Welt der "Kategorien" kennen. Es erkennt nun Tiere, Menschen und Dinge – und teilt diese in Gruppen ein. Zum ersten Mal kann dein Baby das, was seine Sinne wahrnimmt, in Kategorien einteilen. Zusätzlich zur neuronalen Entwicklung kommen körperliche Fähigkeiten, die es sich nun aneignet. Die Kleinen lernen etwa, sich fortzubewegen, indem sie sich ziehen und robben. Dein Baby entdeckt die Welt somit immer mehr, was sich in unruhigen Nächten widerspiegelt. Hinzu kommt, dass viele Babys in dieser Zeit ihre ersten Zähnchen bekommen, was wiederum zu Unruhe führt.

12-Monats-Schlafregression:

Im Alter zwischen elf und 13 Monaten macht die Entwicklung deines Babys erneut große Fortschritte. Die Kleinen erlernen, Dinge in Verbindung zu setzen – beispielsweise können sie Geräusche zu Tieren machen, die im Buch abgebildet sind. Auch in puncto Motorik geht es vorwärts: Dein Baby krabbelt, zieht sich hoch und macht möglicherweise bereits erste Laufversuche. Es möchte alles selbst machen und lässt sich nicht dabei helfen. Oft funktioniert das aber nicht so, wie erhofft, was die Frustration fördert. Babys sind in diesem Alter besonders unruhig aufgrund der Reize, die auf sie einprasseln. Sollte dein Kind nun in der Krippe eingewöhnt werden, kommen Trennungsängste hinzu, die es nachts zu verarbeiten gilt.

18-Monats-Schlafregression:

Mit etwa 17 bis 19 Monaten erkennt dein Kleinkind sein eigenes Ich und betrachtet Mama und Papa als eigenständige Personen im Familienverband. Es entwickelt sein Selbstverständnis und Selbstbewusstsein – und versteht, dass es Dinge mit seinem Willen veranlassen kann. "Nein" gehört in dieser Phase zu den Lieblingswörtern deines Kindes. Außerdem möchte es nun leidenschaftlich entdecken, vergleichen und verstehen. Der Wortschatz deines Kleinen wird vermutlich größer und er versteht bereits viel von dem, was in seiner Umgebung gesagt wird. All diese Fortschritte beeinflussen oft den Schlaf, der erneut unruhig wird. Auch erste Albträume treten in dieser Phase auf.

2-Jahres-Schlafregression:

Auch um den zweiten Geburtstag herum erleben Eltern oft nochmal eine Schlechtschlafphase bei ihrem Kind, die offiziell aber nicht als Schlafregression definiert ist. Dein Kind kann nun rennen, klettern, malen und sprechen – das Leben ist aufregend und dein Kind hat keine Lust, es zu verschlafen. Es möchte Mitspracherecht, das die Eltern in gewissen Maßen auch gewähren sollten. Die neue Selbstständigkeit bringt jedoch erneut Trennungsängste mit sich. Und das führt dazu, dass dein Kleinkind nun vermutlich wieder mehr auf dich fixiert ist und sich nachts rückversichert, dass seine Eltern in der Nähe sind.

Was kannst du dagegen tun?

  1. Geregelten Tagesablauf und Rituale etablieren: Insbesondere in den Phasen der Schlafregression ist es wichtig, dass dein Kind einen geregelten und strukturierten Tagesablauf hat. Regelmäßigkeiten und Routinen geben deinem Kleinen Sicherheit und unterstützen die schlaffördernde Entspannung. Sinnvoll ist auch ein abendliches Einschlafritual, wie etwa Buch vorlesen oder Schlaflieder singen.
  2. Richtige Schlafumgebung schaffen: Schaffe eine dunkle, ruhige Schlafumgebung, in der es wenig Stimulation für dein Kind gibt. Lass höchstens ein Nachtlicht an. Achte auf die richtige Temperatur im Schlafzimmer und darauf, wie du das Baby nachts anziehen kannst, damit es leichter schlafen kann. Gestalte den Schlafraum als Wohlfühlort, an dem sich dein Kind geborgen fühlt. 
  3. Nähe geben und Geduld haben: Während der Schlafregression sind Babys und Kleinkinder besonders anhänglich und finden oft allein nicht in den Schlaf. Gib deinem Kind diese Nähe. Streicheln, stillen, hochnehmen, kuscheln, beruhigen: Auch wenn es anstrengend ist, sollten Eltern ihr Kind in dieser Situation unterstützen und Geduld bewahren. Leg dich zur Not mit einer Matratze neben das Kinderbett – das ist kein Zeichen des Versagens, sondern eine liebevolle Begleitung deines Kindes durch eine schwierige Phase. Findet einen Weg, der für euch am besten ist.
Wenn dein Kind über mehrere Monate lang an mehr als fünf Nächten pro Woche mehr als dreimal oder öfter aufwacht, kannst du dich auch an deine:n Kinderärzt:in wenden. Zögere nicht, dir bei Erschöpfung Rat zu holen. Im Normalfall aber sollte sich das Schlafverhalten ab dem dritten Lebensjahr deutlich bessern.

Quellen:

Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij, Xaviera Plooij: "Oje, ich wachse!", Wilhelm Goldmann Verlag, 443 S.

Kindergesundheit-info.de: Häufige Probleme des kindlichen Schlafs

ELTERN

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