Schwerpunkt: Babyschlaf
 
Wann und wie viel schlafen eure Kleinen?

Basics zum Babyschlaf. Und Zahlen aus dem richtigen Leben.

Schwerpunkt: Babyschlaf: Wann und wie viel schlafen eure Kleinen?
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Inhalt: 
Von Tag und NachtVom Träumen und AufwachenVom (Wieder-)Einschlafen und Durchschlafen

Von Tag und Nacht

Neugeborene haben noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus, ihr Schlaf ist in der ersten Zeit ziemlich unberechenbar.
Erst ab 4 Monaten verlagert sich die Hauptschlafenszeit dann allmählich Richtung Nacht. Viele Eltern versuchen, diesen Rhythmus offenbar zu fördern.
So gaben in unserer aktuellen Umfrage 46 Prozent der Eltern mit einem Baby bis 18 Monate an, das Kind zwischen 19 und 20 Uhr ins Bett zu bringen (2009 waren es noch rund drei Viertel). Etwa ein Drittel sagte 2018 nach 20 Uhr gute Nacht.
Etwas Uneinigkeit herrschte allerdings darüber, wer genau diesen Job übernimmt: 65 Prozent der Mütter sagen, sie würden meistens abends das Kind ins Bett bringen. Aber nur 34 Prozent der Väter meinen, das würde die Partnerin machen. Bleibt die Frage, wer da schlafmangelbedingt eine kleine Wahrnehmungsstörung hat ...
Am Tag machen die Kinder der Befragten durchschnittlich 3 bis 4 Schläfchen, wenn sie bis 6 Monate alt sind. Mit 7 bis 12 Monaten sind es 2 Schläfchen, mit 13 bis 18 Monate ist es noch eines.
Warum ein Mensch umso mehr schläft, je jünger er ist?
Weil er sich, wenn er gerade aus Mamas Bauch gekommen ist, öfter mal abschirmen muss von all dem Neuen in der Welt. Während des Schlafs werden Reize verarbeitet. Das Gehirn läuft auf Hochtouren. Es verknüpft Nervenzellen und legt neue neuronale Strukturen an. Es wiederholt Gelerntes – zum Beispiel Bewegungsabläufe oder neue Wörter – und verfestigt es, indem es wichtige Informationen vom Kurzeit- ins Langzeitgedächtnis transportiert.
Im Schlaf werden auch die meisten Wachstumshormone ausgeschüttet, Zellen repariert, und das Immunsystem produziert besonders viele Abwehrstoffe.
Schlaf ist also ein Entwicklungshelfer und ein Schlaumacher.
Trotzdem gibt es bei der Schlafmenge große individuelle Unterschiede: In unserer Umfrage geben 17 Prozent der Befragten an, ihr Baby habe im Alter von 0 bis 6 Monaten mehr als 16 Stunden geschlafen. 18 Prozent sagen, es habe nur bis zu 10 Stunden geschlafen.
 

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Vom Träumen und Aufwachen

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Babys sind von Natur aus schlechte Schläfer. Denn sie schlafen zwar viel, wachen aber auch häufig auf.
Ein wichtiger Grund: Ihre Traumphasen sind ausgedehnter, und ihr durchschnittlicher Schlafzyklus dauert nur etwa 45 Minuten statt wie bei uns Erwachsenen 90 Minuten. Sie tauchen deshalb etwa doppelt so häufig wie wir Großen wieder auf an die Schlafoberfläche.
Wer evolutionär argumentiert, kann sagen: Sie tun dies, weil es in der Steinzeit noch keine gemütlichen Betten und festen Häuser gab, dafür aber viele Gefahren. Es war also überlebenswichtig, sich in kurzen Abständen zu vergewissern, dass ein Beschützer da ist.
Bei ganz kleinen Neugeborenen kommt dazu, dass sie einen winzigen Magen haben. Am ersten Lebenstag ist er so groß wie eine Haselnuss, am zehnten wie ein Hühnerei. Klar, dass da nicht viel Milch reingeht. Und oft Nachschub hermuss.
Das Problem beim Aufwachen: Anders als Erwachsene schaffen es kleine Babys oft nicht, allein wieder in den Schlaf zu finden. Während wir Großen uns einfach auf die andere Seite drehen, fällt es Säuglingen schwer, ihre Schlafzyklen zu einem langen Stück miteinander zu verbinden.

Vom (Wieder-)Einschlafen und Durchschlafen

Kaum ein Baby schafft es am Anfang, allein (wieder) einzuschlafen. Es braucht Hilfe zum Runterkommen, also Mama oder Papa und das Gefühl: In meiner Welt ist alles in Ordnung. Ich bin satt, es ist warm, alles ist gut.
So wird dem Babygehirn signalisiert: Fertig machen zum Abtauchen! Bitte beruhigende Botenstoffe (Oxytozin) und Schlafhormone (Melatonin) ausschütten!
Viele Eltern experimentieren herum, bis sie die beste Beruhigungsstrategie gefunden haben. Ganz oben auf der Hitliste: Körperkontakt und Milch!
So geben in unserer Umfrage 42 Prozent der Eltern an, sie würden ihr Kind in der Nacht durch Streicheln beruhigen, 41 Prozent geben Fläschchen, 32 Prozent stillen.
Was Schlafforscher sonst noch für einen guten Schlaf empfehlen? Eine rauchfreie Umgebung, 16 bis 18 Grad Umgebungstemperatur, Ruhe – aber keine Totenstille, einen dunklen Raum, ein vertrautes Ritual.
Schafft es ein Baby, allein einzuschlafen, hält es meistens auch in der Nacht länger durch. Denn Weiterschlafen in der Nacht, wenn man schon ruhig ist, ist meistens leichter als Einschlafen am Abend, wenn man erst ruhig werden muss.
Von Durchschlafen sprechen die Schlafforscher übrigens, wenn ein Baby nachts sieben bis acht Stunden schläft, ohne sich zu melden.
Das kriegen Babys je nach Reifegrad und Temperament unterschiedlich schnell hin.
Und oft ist der Weg dahin wechselvoll. Vor allem im ersten Jahr.
Wissenschaftler, die den Babyschlaf mit einer Videokamera aufzeichneten, stellten fest: Mit drei Monaten wachen Babys nachts im Durchschnitt so häufig auf wie mit zwölf Monaten: etwa zwei- bis dreimal pro Nacht. Am unruhigsten schliefen sie aber mit neun Monaten: Da wachten sie nämlich fünfmal pro Nacht auf.
Was lernen wir daraus? Zum Beispiel dies: Angebern, die in PEKiP-Gruppen verkünden: "Also, meine kann das schon mit zehn Wochen", dürfen wir entspannt entgegnen: "Warten wir's ab."

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